Großartige Seelendeuter

Großartige Seelendeuter

Liedgesang vom Allerfeinsten: Mit einem meisterlich vorgetragenen Programm von Mozart bis Brahms, ergänzt durch ein paar Wiener Schmankerln, sorgten Thomas Quasthoff und Michael Schade für unbändigen Jubel im Großen Saal der Luxemburger Philharmonie. Am Klavier: Justus Zeyen.

Luxemburg. (er) Seine Stimme ist seine Statur. Wenn Thomas Quasthoff zu singen beginnt, wächst er im Wortsinn über sich hinaus. Seine Stimme schafft ihm Raum und jene Gegenwärtigkeit, die ihm sein Körper versagt. Das Contergan-Opfer Quasthoff macht es seinem Publikum leicht. Zusammen mit dem Tenor Michael Schade steht der Bariton an diesem Abend in Luxemburg auf der Bühne und wischt mit ein paar launigen Sprüchen die Betroffenheit weg, der man sich beim Anblick seiner Gebrechlichkeit nie erwehren kann. Das Duo beginnt mit Felix Mendelssohn-Bartholdys "Ich wollt' mein Lieb ergösse sich" aus den kaum gesungenen sechs Duetten op. 63.

Und schon füllt jener elysische Mendelssohn-Klang den Raum, der uns wieder an die Engel unserer Kindertage denken lässt. Überhaupt sind es die weniger bekannten Stücke, die diesen Abend so eindrücklich und bewegend machen.

Die beiden Sänger beseelen ihre Texte, leuchten sie aufs Feinste aus, erzählen Geschichten und entblößen Innenwelten. Dabei strahlen sie selbst vor lauter Sing- und Spielfreude. Nach einem herzigen "Veilchen" bestätigt Schade mit "Komm liebe Zither", dass er mit seinem lyrischen Tenor, der immer schmal genug bleibt, um nicht vollends im Gefühl zu zerfließen, zu den großen Mozart-Interpreten dieser Zeit zählt. Meisterlich: Robert Schumanns "Mondnacht", das Lied, dessen Erlösungssehnsucht Sängern und Publikum den Atem raubt, und in dem auch Schade bis an seine Grenzen geht. Vielgestaltig und ausdrucksgewaltig ist Quasthoffs Bariton. Nach Schuberts "Heideröslein" und zwei dramatischen Balladen des Wiener Romantikers erweist er sich in Liedern von Johannes Brahms noch einmal als großartiger Seelendeuter. Sein mit wunderbarer Innerlichkeit vorgetragenes "Wo bist du, meine Königin" gerät ihm zum Wonnemond der Seele. Mit den Wiener Liedern ist es dann genug mit gesanglicher Intimität. Da geht es ab zur Herrenpartie. Stehende Ovationen für die Sänger und Pianisten.