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Große Bühne für Triers Tafelsilber

Große Bühne für Triers Tafelsilber

Drei Jahre war die Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier geschlossen. Ab Samstag ist sie wieder geöffnet - umgebaut, modernisiert und mit mehr Ausstellungsfläche. Das Publikum erwartet eine neu konzipierte Dauerausstellung mit kunsthistorischen Schätzen von Weltrang.

 Ebenfalls in der Schatzkammer ausgestellt: eine original Gutenberg-Bibel.Foto: Stadtbibliothek Trier
Ebenfalls in der Schatzkammer ausgestellt: eine original Gutenberg-Bibel.Foto: Stadtbibliothek Trier

Trier. Es klingt fast wie beim "Herrn der Ringe"-Gollum: "Unser Schatz!", raunt Michael Embach (58) ehrfürchtig. Nur dass Embach kein mutierter Hobbit ist, sondern Direktor der Stadtbibliothek Trier. Und er meint auch nicht "den einen Ring" aus der Tolkien-Saga, sondern den Deckel des Ada-Evangeliars. Eine Parallele gibt\'s aber doch noch. Gollum hauste mit seinem Schatz-Ring in der Unterwelt, und Embach musste sich bisher zum Tresorraum im Bibliothekskeller begeben, um in den Genuss des Anblicks der Schätze des Hauses zu kommen. Damit ist jetzt Schluss. Nach rund dreijähriger Bauzeit ist die "neue" Schatzkammer der Stadtbibliothek fertig und ab Samstag zugänglich. Zu sehen bekommt das Publikum dort nicht weniger als bibliophile Preziosen von internationalem Rang.
2007 war der finanzielle Gegenwert des Bestandes der Stadtbibliothek und des ihr angeschlossenen Stadtarchivs auf 250 Millionen Euro veranschlagt worden. Das entspricht eher krassem Understatement als einer marktgerechten Einschätzung. Alleine schon die großen Handschriften wie der um 980 entstandene und zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehörende Codex Egberti dürften zwischen 30 und 50 Millionen Euro "schwer" sein. Von gleichem Wertkaliber ist der 1499 geschaffene Deckel des Ada-Evangeliars mit spätrömischem Kameo der Familie Konstantins.
Da könnte man angesichts der mehr als 600 Millionen Euro Schulden der Stadt Trier doch mal laut über einen Verkauf des Tafelsilbers nachdenken … "Das wird Wunschdenken bleiben", erklärt Bernhard Simon (59), frisch ernannter künftiger Leiter des Stadtarchivs. Dass die Stadt in den 1930er Jahren dem Lockruf des Geldes erlag und eine ihrer zwei Gutenberg-Bibeln verkaufte, werde die Ausnahme bleiben: "Der Erlös sollte in den Neubau der Stadtbibliothek fließen. Tatsächlich verschwand er in den Wirren der Nazi-Zeit."
Der Bibliotheksneubau kam erst in den späten 1950er Jahren - und mit ihm das Bewusstsein von der Unveräußerlichkeit seiner Bestände: "Wir hüten das Gedächtnis Triers. Das ist mit Geld nicht zu bezahlen", sagt Simon. Stattdessen wurde Geld ausgegeben: Rund 600 000 Euro kostete die Erweiterung und Modernisierung der Schatzkammer, gefördert vom EU-Fonds für regionale Entwicklung.
Entstanden ist quasi ein neues kleines Museum, das die alte Schatzkammer im Nachhinein wie ein unwirtliches Kabuff erscheinen lässt: "Erst jetzt ist es uns möglich, in einer Dauerausstellung einen repräsentativen Querschnitt durch unseren Bestand an herausragenden Stücken zu präsentieren, und das mit modernster Sicherheits- und Klimatechnik", frohlockt Embach. Mit dabei Exponate, deren Namensnennung alleine schon reicht, um die Fachwelt in Entzücken zu versetzen: Handschriften wie die Trierer Apokalypse, das 1200 Jahre alte Evangeliar aus der Trierer Abtei St. Maria ad Martyres (das erstaunliche Parallelen zum Dubliner Book of Kells aufweist), das Mainzer Catholicon, der weltweit einmalige Fischkalender aus der Zeit um 1493, Originalhandschriften von Nikolaus Cusanus, Friedrich Spee, Johann Wolfgang von Goethe und Karl Marx. Und natürlich die verbliebene Gutenberg-Bibel, eine der bedeutendsten Schenkungen an die Stadtbibliothek.
"Unsere Sammlung spiegelt die kontinentaleuropäische Kulturlandschaft wider", betont Embach. "Und sie unterstreicht die Bedeutung Triers auch in nachrömischer Zeit." Die Hoffnung des Bibliothekchefs: "Dass die Besucher der benachbarten Kaiserthermen einmal kurz um die Ecke gehen und auch bei uns vorbeischauen. Es lohnt sich." Wer Schätze wie das Ada-Evangeliar einmal "in echt" gesehen hat, wird nicht widersprechen.
Die Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier (Weberbach 25) ist ab 15. November geöffnet: Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 11 bis 15 Uhr, Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr.
Weitere Informationen: <%LINK auto="true" href="http://www.stadtbibliothek-weberbach.de" class="more" text="www.stadtbibliothek-weberbach.de"%>