Große Namen dank gutem Riecher

Große Namen dank gutem Riecher

So langsam kommt der Sommer - nicht nur wettermäßig, sondern auch kulturell. Wenn die bedeutenden Theater- und Konzertinstitutionen in die große Pause gehen, öffnet das Mosel Musikfestival an mehr als 30 Spielstätten seine Tore. Am Freitag fällt in der Konstantin-Basilika mit Brittens "War Requiem" der Startschuss.

Bernkastel-Kues/Trier. Hermann Lewen und sein Riecher für kommende Stars: Das ist eine unendliche Geschichte. Schon vor zwei Jahren schwärmte der Intendant des Mosel Musikfestivals (MMF) jedem, der es hören wollte (und auch manchem, der es nicht mehr hören konnte) von einem talentierten jungen Countertenor namens Valer Sabadus vor. Als es ihm im Frühjahr 2012 gelang, den gebürtigen Rumänen für die diesjährige MMF-Saison zu verpflichten, war der immer noch ein Geheimtipp. Dann bekam er den Deutschen Schallplattenpreis, anschließend den Echo-Klassik, dann gab\'s eine gefeierte Opernproduktion mit Philippe Jaroussky, und dieser Tage schickt sich Sabadus an, beim Festival in Aix-en-Provence zum Weltstar der Barockszene zu avancieren.So jemanden bekommt man heute nicht mehr in einen lauschigen 200-Plätze-Saal wie das Kloster Machern - es sei denn, man hat wie Hermann Lewen den Vertrag schon vor eineinhalb Jahren abgeschlossen. Nun kommt Sabadus am 20. September an die Mosel, zwischen Auftritten in Bern, Paris, Graz oder Köln. Im Gepäck hat er kein Programm von der Stange, sondern einen exklusiven Händel-Abend.Doch Sabadus ist nicht einmal der hellste Stern, der in diesem Sommer über Kloster Machern leuchtet. Mit Simone Kermes gastiert am 8. August ein absoluter Weltstar - und die härteste Konkurrentin von Cecilia Bartoli um den Thron der Primadonna der Alten Musik. Nicht zu vergessen die Geigerin Alina Pogostkina (8. September), die in der kommenden Saison ihr Debüt in der Grand-Classiques-Reihe der Luxemburger Philharmonie gibt. Das Mosel Musikfestival war wieder mal früher dran, wie bei etlichen Künstlern, die inzwischen auf dem Kirchberg als große Stars gehandelt werden.Kermes ist längst ausverkauft, 8000 Karten hat das Festival schon vor der Eröffnung abgesetzt - macht 60 Prozent der verfügbaren Plätze. Allerdings hält sich das Publikum bei den Open Airs bislang zurück, außer bei Mnozil Brass - aber die, sagt Hermann Lewen, "kriegen wir auch nachts um drei im Schnee ausverkauft". Ansonsten wartet das Publikum erst einmal die Wetterlage ab - ein ungünstiger Trend für den Veranstalter. Vielleicht hat Lewen deshalb dieses Mal nur fünf Open Airs im Juli und August im Innenhof des Kurfürstlichen Palais\' anberaumt.Die haben es aber in sich, so wie das vom Intendanten besonders empfohlene schräge Duo Igudesman & Joo am 20. Juli, das Klassik und Comedy derart unvergleichlich mischt, dass via Youtube bereits 20 Millionen Besucher einen Blick auf ihr Programm geworfen haben. Überhaupt hat das Festival diesmal die junge Zielgruppe fest im Visier: Da gibt es ja auch noch die JTI Classic Lounge mit Spark am 10. August in der Ungers-Vitrine. Oder das Turbospektakel Flying Bach am 30. August in der Arena, das den großen Johann Sebastian mit den weltbesten Breakdancern unter einen Hut bringt.Ansonsten fällt es schwer, aus den 56 Konzerten einzelne herauszugreifen. Es gibt zu viele gute. Zum Beispiel die große Baiba Skride samt Familienclan am 28. Juli im Kloster Machern. Oder der selten gespielte Händel-"Samson" des Konzertchors (24. August, Innenhof des Kurfürstlichen Palais\') mit Adréana Kraschewski und Tobias Scharfenberger. Oder der Kabarettist Hagen Rether (7. September, Theater Trier). Oder der Pianist Alexander Lonquich (13. September, Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais\'). Oder der Harfenist Xavier Maistre am 15. September im Kloster Machern.Wer sichergehen will, dass er nichts verpasst, kann sich einen Gesamtüberblick auf der Festival-Homepage erschaffen. Oder einfach auf Hermann Lewen hören. Der empfiehlt als besonderen Tipp "Nachts im Museum" am 14. September - im Landesmuseum.mosel-musikfestival.de

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