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Große Tragödien auf knapp bemessenem Raum

Große Tragödien auf knapp bemessenem Raum

"Leichtes Beben" ist ein poetisches Experiment. In seinem Roman erzählt Peter Henning in kleinen Ausschnitten von einem Riss, davon, wie es ist, wenn die Normalität plötzlich aufbricht und Gewissheiten erschüttert werden.

Ein Erdbeben in der Nähe von Freiburg wird im Buch zur Metapher für solche tiefgehenden Erschütterungen im Innern eines Menschen. Es ist, als sitze der Autor vor einem Seismographen und zeichne jede noch so kleine Bewegung auf, durch die seine Figuren ins Wanken geraten. Peter Henning versucht, ein Bild des großen Ganzen zu liefern, die Komplexität der Welt zu erfassen, und um das zu erreichen, berichtet er in ausschnitthaften und nur lose miteinander verbundenen Episoden von einer Vielzahl von Figuren. Das ist konsequent - trotzdem bleiben dabei viele Fragen offen. Zu viele. In Peter Hennings Buch herrscht Sachlichkeit statt Gefühl, gewagt wird nur ein kurzer Blick über die Schulter, kein intensives Anschauen. Peter Henning lässt seinen - durchaus interessanten - Figuren nicht viel Zeit. Nur wenige Seiten stellt er ihnen jeweils zur Verfügung. Große Tragödien auf knapp bemessenem Raum. Der Leser stößt so nur auf jede Menge Namen. Namen, die mit jedem Umblättern wieder in Vergessenheit geraten, auch, weil sie manchmal gar nicht mehr auftauchen. Auch sonst gibt es zwischen den einzelnen Geschichten nur wenige Verbindungslinien und Anknüpfungspunkte - außer eben jenes Erdbeben, das die Figuren miterleben. Genügt das? Wohl kaum. Die nüchterne Sprache, mit der jedes noch so überflüssige Wort vermieden wird, trägt ihren Teil dazu bei. Peter Henning will zu viel. Und vergisst dabei das Wesentliche.

Peter Henning: Leichtes Beben, Aufbau Verlag, 2011, 331 Seiten, 19,99 Euro