1. Region
  2. Kultur

Großer Bahnhof für das Enfant terrible

Großer Bahnhof für das Enfant terrible

Schlicht 70/20 ist der Titel einer neuen Ausstellung in der Trierer Tufa. Sie wird gezeigt zum 20. Todestag von Karl Werner Bauer, der in diesem Jahr 70 geworden wäre. Zur Eröffnung am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr haben sich viele Wegbegleiter angesagt, um das einstige Enfant terrible der lokalen Kunstszene zu feiern.

 (Lebens-)Künstler und Original: Karl Werner Bauer (1946-1996). Ihm ist die Mai-Ausstellung 2016 in der Tufa gewidmet. Darin zu sehen ist auch das „Selfie“ (rechts), das er kurz vor seinem Tod zeichnete. Fotos (2): Privat
(Lebens-)Künstler und Original: Karl Werner Bauer (1946-1996). Ihm ist die Mai-Ausstellung 2016 in der Tufa gewidmet. Darin zu sehen ist auch das „Selfie“ (rechts), das er kurz vor seinem Tod zeichnete. Fotos (2): Privat Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Trier. Sekt und Canapés? Nicht mit Karl Werner Bauer, auch fast 20 Jahre nach seinem Tod am 13. November 1996 nicht. "Am Freitag gibt es Viez und deftige Häppchen", kündigt seine Lebensgefährtin und Muse Irmgard Eiffler (62) an und bittet vorsorglich darum, Porzen mitzubringen, weil Viez aus den (vorhandenen) Gläsern ja nicht so recht das Wahre wäre. Das hätte KWB gefallen, viel mehr aber noch die illustre Schar von Gästen, die sich zur Ausstellungseröffnung angesagt hat. Allen voran Johannes Kram (siehe Artikel unten) und der Mundart-Matador Helmut Leiendecker. Beide werden über KWB sprechen, Leiendecker zusätzlich auch singen. Und für beide ist es, wie sie versichern, Ehrensache, am Freitag mit dabei zu sein.
Auch passt zu Karl Werner Bauer, dem Typen, der zu Lebzeiten ungemein nerven konnte, wenn er seine Visionen mal wieder bei nächtlichen Anrufen kundtat. Aber als er tot war, fehlte er allen. Auch heute noch.
Unermüdlich hat er gezeichnet, oft nachts, vorwiegend in Kneipen. Die Motive: Menschen, Momente, Situationen, die sich unmittelbar ergaben. Er griff Wörter auf, Sätze, zeichnete und notierte sie auf kleine Fotokartons und Bierdeckel. Später setzte er diese Impressionen in unterschiedlichen Techniken in größere Formate um: Temperafarben, Bleistift, Filzstift, Mischtechnik und Druckgrafik. Der Kampf mit sich und dem Karton begann und führte oft bis zur totalen Erschöpfung. Karl Werner Bauers Zeichnungen entstanden sehr zügig. Sie sind virtuos, expressiv und mit sehr eigenem Strich, oft karikierend. Er studierte in Trier und an der Hochschule für Bildende Kunst in Düsseldorf, arbeitete frei als Kunstmaler, Grafiker und Schriftsteller. Bevorzugtes Sujet als Autor: die Originale seiner Heimatstadt, die Mundart, nicht zuletzt die Schimpfwörter: "Unter seiner Leibesfülle, seiner Kunstmähne, seiner Trinkfestigkeit und detailverliebten Raubeinigkeit verbarg sich ein äußerst verletzlicher und sensibler Lebensphilosoph", sagt Künstlerkollege Horst Schmitt über Karl Werner Bauer.
Die Ausstellung 70/20 umfasst insgesamt 50 Arbeiten, darunter fünf Großformate (140 x 140 cm) aus einer privaten Sammlung, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Veranstalter: éditions trèves in Zusammenarbeit mit Tufa Trier und Irmgard Eiffler.
Vernissage am Freitag, 6. Mai, 20 Uhr. Geöffnet dienstags, mittwochs, freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.