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Großer Spaß, viel Aktion

Trier. Die Premiere von "Keinohrhasen" am Trierer Theater am Samstag ist beim Publikum gut angekommen. Die Schauspieler des Trierer Theaters hatten einiges zu tun. Für die schnellen Szenenwechsel rückten sie eigenhändig die Requisiten und wechselten in Windeseile Kostüme und Rollen. Auch das Publikum wurde eingebunden und hatte viel Spaß dabei. Nora John

Trier. Die Geschichte von Klatschreporter Ludo, der bei seiner Jagd auf Stars und Sternchen gerne mal den Bogen überspannt, und der etwas biederen Kindergärtnerin Anna ist durch den gleichnamigen Film von Til Schweiger vielen bekannt. Das eigentlich Spannende bei der Aufführung im Trierer Theater war also die Frage, wie die Geschichte, die im Film von schnellen Schnitten lebt, auf der Bühne inszeniert werden kann. Auch dabei hat sich Regisseur Michael Ophelders für schnelle Szenenwechsel entschieden.
Verwandlungsmarathon


Hier einen Tisch hingestellt mit zwei Pappbechern, einen überdimensionalen Fisch von oben herabgelassen und schon befinden sich die Hauptakteure im Nordseerestaurant. Ein paar Sitzpolster von der Bank auf den Boden gelegt, den Sessel aus dem Blickfeld gerückt - so wird aus Annas Wohnung ein japanisches Restaurant. Begleitet werden die Szenenwechsel durch Musikeinspielungen.
Während die Hauptpersonen des Stückes, Anna, gespielt von Ensemble-Neuling Alina Wolff, und Ludo alias Tim Olrik Stöneberg in ihren Rollen bleiben konnten, wechseln die vier anderen Schaupieler Vanessa Daun, Barbara Ullmann, Manfred-Paul Hänig und Christian Miedreich in atemberaubender Geschwindigkeit ihre Kostüme. Eben noch strenge Richterin, dann Volksmusiksängerin, Mutter von Chaotenkind Lollo oder das Mädchen Chayenne Blue aus dem Kindergarten: Barbara Ullmann legt ebenso wie ihre Kollegen einen Verwandlungsmarathon hin. Kinder, die im Film naturgemäß eine große Rolle spielen, waren bei der Aufführung von "Kein-ohrhasen" nicht dabei. Drei von ihnen werden von den Schauspielern ersetzt, die auf Knien, die in überdimensionalen Schuhen steckten, daherkommen. Das ist zwar lustig, aber schon hart an der Grenze zum Lächerlichen.
Eine geschickte Idee dagegen, das Publikum zu Kindern zu machen. Die Zuschauer bei der Premiere ließen sich dann auch gerne von Anna oder dem Zauberer zum Mitspielen animieren. Eine Dame musste sogar ihre Uhr hergeben, die vom Zauberer weg- aber leider nicht wieder hergezaubert werden konnte. Erst am Schluss der Vorstellung bekam sie ihr Schmuckstück zurück.
Gelungener Einstand


Eine gute Besetzung sind die beiden Hauptfiguren. Tim Olrik Stöneberg stellt glaubhaft die Wandlung vom rasenden Reporter hin zum fürsorglichen Kindergärtner dar. Für Alina Wolff ist es ein gelungenes Debüt am Trierer Theater. Ihre Darstellung der ungeschickten biederen Anna mit dicker Brille und der Strickjacke mit aufgenähten Bären ist wirklich komisch. Die Aufführung bietet einen locker leichten Abend, für Theater-Puristen sicher etwas zu leicht. Doch Theater kann eben manchmal auch einfach nur Unterhaltung sein. Und die bietet "Keinohrhasen" auf jeden Fall.