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Guckloch in ein fremdes Universum

Guckloch in ein fremdes Universum

Das Ersinnen fremder Völker, Welten und Kulturen, das sogenannte Worldbuilding ("Weltenbauen") gilt für viele Begeisterte als die Königsdisziplin der Science-Fiction- und Fantasyliteratur: Nicht die erzählte Geschichte ist für sie das herausragende an bekannten Werken wie "Der Herr der Ringe", "Der Wüstenplanet" und "Das Lied von Eis und Feuer", sondern die ersonnenen Welten, in denen diese Geschichten spielen und die der Leser Seite für Seite entdeckt. Das Worldbuilding steht auch im Mittelpunkt des Science-Fiction-Romans "Feuer der Leere" des Kölner Autors Robert Corvus, der auch schon unter dem Namen Bernard Craw Fantasy- und Science-Fiction-Romane veröffentlicht hat.

Basierend auf der Grundidee, einer fernen Zukunft, in der die Menschheit auf großen Raumschiffen vor einem übermächtigen Feind durchs All flieht, kredenzt Corvus in Feuer der Leere ein Kaleidoskop verschiedener ineinander verzahnter Geschichten, die den Leser auf eine Reise in ein fremdes Universum mitnehmen. Da ist die junge Soldatin, die sich in einen Mann verliebt, der auf einem anderen Großraumschiff mit völlig anderer Kultur lebt, da ist ebendieser Mann, der eine seltsame symbiotische Beziehung zu seinem fremdartigen, lebendigen Raumschiff aufbaut. Da ist der Bruder der Soldatin, der einmal selbst Soldat war und der wegen traumatischer Erlebnisse aus dem Militärdienst ausschied und da ist eine fremde, von Außerirdischen bewohnte Welt, die die Menschen gemeinsam nach und nach entdecken.
Die Ideen und plastischen Beschreibungen ermöglichen dem Leser für ein paar unterhaltsame Stunden das Abtauchen in die fremde Welt. Die intensive Recherche, die im Buch stecken muss, nötigt Respekt ab, doch die zahlreichen Erklärungen und Beschreibungen nehmen der Erzählung gleichzeitig viel Leichtigkeit und wirken unnötig feinkörnig und überpenibel. Das muss man mögen, ebenso wie die immer wieder eingestreuten Zeitsprünge in der Erzählung und die oberflächliche Behandlung seiner Themen - narrative Kurzatmigkeit, die auf den knapp 500 Seiten Platz schafft für das, was der Roman eigentlich sein will: ein bildgewaltiges Guckloch in ein fremdes Universum.
David Falkner
Robert Corvus: Feuer der Leere, Piper Verlag, 2017, 496 Seiten, 16,99 Euro