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Guildo Horn am Bostalsee: Strandkorb-Konzert mit einer Überraschung

Strandkorb-Konzert am Bostalsee : Schlagerstar Guildo Horn überrascht seine Fans mit dem letzten Song

Klar – auf Klassiker wie „Tränen lügen nicht“ oder „Moskau“ musste keiner der 400 Fans am See verzichten. Doch zum Schluss zelebriert „der Meister“ ein Lied, mit dem wohl niemand gerechnet hatte.

Wenn Künstler ein Konzert planen, dann überlegen sie sich ganz genau, welches das letzte Lied sein soll. Das erklärt Schlagerstar Guildo Horn am Mittwochabend den rund 400 Besuchern des Strandkorb-Konzertes am Bostalsee. Und überrascht mit etwas, „was ich normalerweise nicht tue“. Er singt in englischer Sprache. Mit viel Gefühl. Handylichter gehen an, gebannt hört das altersmäßig völlig gemischte Publikum, wie der 58-Jährige den Fußball-Klassiker „You’ll never walk alone“ intoniert. Da ist es kurz vor 22 Uhr, ein zweistündiges Konzert liegt hinter Horn und seiner Band, den Orthopädischen Strümpfen. Ein Konzert, in dem Horn, der sich selbst als „vielleicht einer der letzten Romantiker Deutschlands“ bezeichnet, wieder einmal, wie seine Fans es von ihm gewohnt sind, alles gegeben hat. Er hat mit Kuhglocken „Er gehört zu mir“ gespielt, und immer wieder auf mobile Drums geschlagen. Er hat Samba getanzt, den Hüftschwung gezeigt und ist die Treppen hinunter – „das ist die höchste Bühne, auf der wir je gespielt haben“ – zu seinem Publikum gerannt.

Als eine Stimme mit Beginn des Konzertes die Zuschauer auffordert, „das Leben durch die Horn-Brille“ zu sehen, da ist das nicht nur ein Wortspiel. Das ist ernst gemeint. Denn der Meister, wie er genannt wird, gibt jedem Schlager seinen ganz eigenen Stil. Meist sind die Lieder wesentlich rockiger als das Original. So klingt „Delilah“ eher nach Hardrock als nach Schlager, und auch die Bewegungen Horns kommen einem fast wie Headbanging vor – die langen Haare dafür hat er ja. Ähnlich geht die Post bei „Moskau“ von Dschingis Khan ab. Um gleich danach umzuschalten. Horn schlüpft in den anscheinend uralten blau-weißen Bademantel, „der die zarte Horn-Haut fast wund reibt“, und singt entgegen der Annahme nichts von Udo Jürgens, sondern voller Gefühl Michael Holms „Tränen lügen nicht“. Zu dem Zeitpunkt stehen fast alle Zuschauer vor ihren Strandkörben und singen das berühmte „Na na na na“ mit, um dann nahtlos in das „Na na na na na na na“ des Beatles-Klassikers „Hey Jude“ überzugehen. Das macht Horn fast immer so. Und seine Fans wissen das. Der Sänger ist beeindruckt: „Wollt Ihr mal alleine – ganz ohne uns?“, fragt er. Die Musik verstummt. Aber der Gesang geht weiter. „Ahh, die Damen und Herren brauchen uns gar nicht.“

Es ist 21.15 Uhr. Horn und seine Orthopädischen Strümpfe winken und verschwinden. Aber im Publikum hört man weiterhin „Na, na, na na, na na na“. Vermischt mit lauten Zugabe-Rufen. Der Meister und seine Band lassen sich nicht lange bitten. Sein gelbes Hemd, die viel zu kurze Krawatte und die Kunstlederjacke lässt Horn hinter der Bühne, stattdessen kommt er im eleganten, dunkelblauen Zweireiher zurück. Und präsentiert nun doch noch die Udo-Jürgens-Hits „Griechischer Wein“ und „Aber bitte mit Sahne“. Bevor er seinen eigenen Grand-Prix-Beitrag „Guildo hat Euch lieb“ singt. „Und wenn wir heute nur ein klitzekleiner Stern an Eurem Firmament waren; wir waren es liebend gerne“, sagt er zum Abschluss, bevor es heißt: „You’ll never walk alone“.