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Guildo Horn und seine Erinnerungen an Weihnachten in Trier

Guildo Horn im Interview : „Wenn ich die Mosel rieche, krieg’ ich Gefühlswallungen“

Was der „Meister“ zu seinen beiden Weihnachtskonzerten in der Moselstadt und den Auswirkungen der Pandemie auf die Kultur sagt und wer dieses Jahr die Nussecken backt, erzählt er im Exklusiv-Interview.

Am 22. und 23. Dezember heißt es wieder „Weihnachten bin ich zuhaus‘“ - Guildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe gastieren zum Klassiker, ihren Weihnachtskonzerten, in der Europahalle. 2020 gab es das Konzert aus der leeren Halle als Live­stream, dieses Jahr sind trotz neuer Verschärfung Fans zugelassen – nach 2G-plus-Regel und mit Maske in der bestuhlten Europahalle.

Vor den Konzerten stand Guildo Horn dem Trierischen Volksfreund Rede und Antwort – und gibt tiefe Einblicke, wie er und seine Band bislang durch die Pandemie kamen, warum er gerne mal Bundeskanzler wäre, und woher die Maronen in seinem Revers kommen.

Ihre Weihnachtskonzerte in Trier stehen traditionell unter dem Motto „Weihnachten bin ich zuhaus‘“ - was bedeutet Ihnen Weihnachten in Trier generell - und speziell in Pandemiezeiten?

Guildo Horn Ich wohne zwar seit fast 25 Jahren im Bergischen Land, aber nach meiner Heimat gefragt, sag ich natürlich: Trier. Hier komme ich her, hier lebt meine Mutter, meine alten Freunde und viele, viele bunte Erinnerungen sind immer bei mir. Wenn ich die Mosel rieche, krieg ich Gefühlswallungen. Deshalb ist es für mich jedes Mal etwas Besonderes in Trier zu gastieren. Fürs Weihnachtskonzert gilt das Ganze dann hoch 10! Speziell jetzt in dieser wackeligen Zeit wollen wir Orthopäden ein berauschendes Fest auf die Bühne zaubern, egal ob Abstand, oder Maske, es werden für uns alle, auf, hinter und vor allem vor der Bühne unvergessliche Momente. Da stehe ich mit meinem ausgezeichneten Namen für!

Wer hat in diesem Jahr die Nuss­ecken gebacken – oder gibt es gar keine?

Horn Meine geliebte Mutter hat sich mittlerweile weitestgehend aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Da muss der Chef dann selber ran. Aber, ich weiß gar nicht, ob man das Naschwerk gerade verteilen darf. Die Nussecke ist halt weder genesen, noch geimpft!

Wie und zu welchen Anlässen kommen Sie immer wieder auf die Ideen für die umgedichteten Weihnachtssongs?

Horn Zum einen fallen die Texte manchmal einfach vom Himmel, zum Beispiel bei der Maniküre, zum anderen bedarf es ab und an beinharter Arbeit und Disziplin mit viel, viel Hirnverbiegen. Und so viel Hirn hab ich nun auch wieder nicht!

Welches der vielen Lieder ist Ihr Lieblingslied beim Weihnachtskonzert?

Horn Immer das, was ich gerade singe.

Hat sich der „dicke Dieter“, der in der Fußgängerzone Maronen verkauft, eigentlich jemals bei Ihnen für die Hommage bedankt?

Horn Ich krieg‘ immer ein extra prall gefülltes Maronentütchen vom Dieter beim Vorbeigehen ins Revers gesteckt. Eine Marone davon wandert gleich geschält weiter in meine nimmersatte Mundhöhle.

Im Vorjahr standen Sie mit den Orthopädischen Strümpfen alleine in der Europahalle auf der Bühne, das Konzert konnte nur per Live­stream verfolgt werden - was haben Sie seinerzeit gefühlt? Wie waren die Rückmeldungen aus der Welt da draußen?

Horn Das ist schon ein spaciges Gefühl, plötzlich in eine leere Halle zu musizieren, in der es sonst orgiastisch von der Decke tropft. Andererseits waren wir Strümpfe nach dem verheerenden Jahr aber auch so was von glücklich und dankbar endlich mal wieder miteinander musizieren zu dürfen. Außerdem waren wir uns alle darüber bewusst, wie viele Leute da zuhause sitzen und das extremst abfeiern. Die Rückmeldungen waren überwältigend. Alles in allem: Eine Erfahrung, die man nicht oft braucht - und trotzdem war es wunderschön!

Wie wichtig ist es Ihnen, trotz der aktuell gültigen Corona-Verordnungen auf der Bühne zu stehen?

Horn Wir stehen ja nicht trotz der Corona-Verordnungen auf der Bühne, sondern wir stehen seit zwei Jahren auf der Bühne unter Berücksichtigung der jeweiligen Corona-Verordnungen. Keiner verbietet uns gerade das Musizieren und ich finde, in einer derart angespannten Zeit für uns alle ist es enorm wichtig, ab und an mal abzuschalten um die Batterien wieder aufzuladen, sonst wird man ja weich und grau in der Rübe.

Tefftival und Christmas Moments und auch einige Ihrer Weihnachtskonzerte wurden abgesagt- die Strümpfe haben Ihre Auftritte in Trier durchgezogen - was waren Ihre Gründe für Sie, beim Heimspiel aufzutreten?

Horn Die Politik spricht oftmals lapidar vom „Freizeitbereich“ den man hoch- und runterfährt. Ein dämliches Bild, wie ich finde! Zum einen ist das nicht unser Freizeitbereich, sondern unser Arbeitsplatz, also auch Broterwerb. Was die Damen und Herren zum anderen einfach nicht verstehen wollen, oder können, ist die Bedeutung von Kultur. Wir sind das Bindeglied in der Gesellschaft. Vor unseren Bühnen stehen Seite an Seite die unterschiedlichsten Menschen und singen und feiern und genießen gemeinsam, die sonst nie etwas miteinander zu tun hätten. Bei aller Ernsthaftigkeit der Lage halte ich es für extrem wichtig, im Rahmen der gegebenen Hygieneverordnungen weiterhin für unser Publikum da zu sein. Die Hygieneregeln wurden von den Ministerien erlassen, also glaube ich auch an deren Wirksamkeit und bleibe auch bei stürmischer See auf der Kommando­brücke der MS Horn!

 Guildo und die Nussecken  gehören einfach zusammen.
Guildo und die Nussecken  gehören einfach zusammen. Foto: TV/Christine Catrein

Wenn Ihnen vor zwei Jahre jemand gesagt hätte, dass man Personalausweis und Impfnachweis zu einem Ihrer Konzerte mitbringen müsste - was hätten Sie gedacht?

Horn Ich trage schon seit frühester Jugend meinen Schülerausweis und meinen Tetanusimpfnachweis im Brustbeutel mit mir, deshalb hätte ich wohl: Na gut, wenn es sein muss, gedacht. Aber, wer weiß das schon?

Wie sind die Strümpfe und Sie bislang durch die Pandemie gekommen? Gab es einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt?

Horn Letztes Jahr hatte man so wenig Zeit zu überlegen. Von jetzt auf gleich war plötzlich das komplette, ausgebuchte Jahr ins Nichts zerplatzt. Ich habe mich in die Arbeit gestürzt, mein Homestudio kennen und schätzen gelernt und wahnsinnig viel für Radio WDR4 gearbeitet. Dort moderiere ich nun seit Mai meine eigene, wöchentliche Sendung, die „Diskothek im WDR“. Soweit zu den Höhepunkten. Man macht es uns gerade nicht leicht in unserem Job, aber davon können die Kolleginnen und Kollegen der Gastronomie, Veranstaltungstechnik, Catering, Schausteller und alle weiteren freien Radikalen ebenfalls ein Lied singen.

Wie bewerten Sie allgemein die aktuelle Lage der Musik- und Eventbranche – gibt es einen Silberstreif am Horizont, oder bleibt es auch 2022 düster?

Horn Wir haben, so scheint es, auf Regierungsseite niemanden, der für uns einsteht. In der Entscheidungsebene hat offenbar keiner eine Ahnung darüber, was Menschen, in der freien Kultur- und Eventbranche zur Zeit durchmachen. Ich halte es für einen entscheidenden Fehler im System, dass die handelnden Personen die Auswirkungen ihrer eigenen Erlasse niemals im eigenen Geldbeutel spüren müssen.
Das hier ist die späte Rache der ehemaligen Klassenbuchführer an uns, den ehemaligen Klassenclowns. Aber, ich habe letztes Jahr gemerkt, wie sehr ich mich auf mich selbst und wir uns als Team aufeinander verlassen können. Außerdem haben wir die besten Fans der Milchstraße. Also werden wir das aus eigenen Kräften schon schaffen.

Wenn Sie für einen Tag Gesundheitsminister wären, welche Maßnahmen würden Sie anordnen?

Horn Ich leide mittlerweile an politischem Hospitalismus. Um dem eins entgegenzusetzen, wäre ich lieber gerne mal Kanzler. Dann würde ich mich bemühen, meine Bürgerinnen und Bürger regelmäßig und auf Augenhöhe, offen und empathisch über die jeweilige Lage zu informieren und ihnen Mut zuzusprechen. Da wäre schon viel geholfen.

Im Frühjahr haben Sie beim Masked Singer als Stier für Furore gesorgt - wie viel Spaß haben Ihnen diese Auftritte gemacht?

Horn Es war ein Traum in Schweiß! So großartig, nach langer Zeit mal wieder regelmäßig auf einer Bühne zu stehen und zu singen. Nur die Orthopädischen Strümpfe haben mir gefehlt und ab und an extrem die Frischluft. Aber dafür hatte ich zwei stattliche Hörner.

Was ist Ihr größter Wunsch für 2022 – und verpacken Sie den vielleicht sogar in ein Lied?

Horn Ich nehme es wie es kommt. Ich denke im Moment aber gar nicht bis 2022 sondern erst mal nur bis zu meiner Nasenspitze und nicht weiter, das ist in diesen Zeiten ja auch gar nicht anders möglich. Vor allem aber bin ich erst einmal voller Vorfreude auf die beiden Konzerte in der Europahalle!