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Guildo: Wie alles anfing

Guildo: Wie alles anfing

Es war 1990, beim traditionellen Rock-Gipfeltreffen in der Tufa, als zu späterer Stunde ein Pädagogikstudent namens Horst Köhler in der Rolle des geschniegelten Schlagersängers Guildo Horn eine 20-minütige Einlage absolvierte.

Das Publikum, gestandene Rock-Fans, reagierte zunächst irritiert, dann aber amüsiert.

Aus dem spontanen Gag wurde mehr, als sich im Frühjahr 1991 das findige Stadtmagazin "Katz" mit dem kuriosen Schlager-Freak beschäftigte. Der hatte bis dahin als Drummer in Trierer Bands ein eher unauffälliges Dasein gefristet. Das Katz-Porträt bewegte den AStA der Uni dazu, Guildo zu einem Feten-Auftritt einzuladen. Mit-Musiker aus Trier fanden sich, aber es fehlte an einem Namen für das Plakat. Doch Horst Köhler fiel keiner ein. "Ich war aus dem AStA-Büro schon raus, da klingelte es irgendwie im Kopf", erinnert er sich. Er machte kehrt, und die "Orthopädischen Strümpfe" waren geboren.

Kurz danach starb Roy Black, und Guildo lud zum Sechs-Wochen-Amt in die Tufa. Es war der Ausgangspunkt für einen schnell wachsenden Kult. Die Figur wurde roher, weniger geschniegelt, die Musik härter. 1992 gab es den ersten Auftritt beim Altstadtfest, aber noch auf einer bescheidenen Nebenbühne. Die Stadt wollte den komischen Typen mit dem schütteren Langhaar nicht auf dem Hauptmarkt sehen.

Guildo wechselte, gemanaged vom cleveren Trierer Multitalent Johannes Kram, ins Kölner Luxor, wo er fast zwei Jahre lang jeden Sonntag auftrat. Dort entstanden die Kontakte zur Medienwelt, die 1998 in der gigantischen Kampagne für den Grand Prix in Birmingham mündeten. In Trier war er da längst zum Helden avanciert, spätestens, als er der Stadt eine Live-Sendung vom Hauptmarkt zur besten ARD-Sendezeit bescherte.

Die Ur-"Strümpfe" mit Trierer Musikern wie Kerni Kernbach und Albert Niesen überlebten den Erfolg nicht lange. Man trennte sich im Unfrieden, Guildo behielt den Namen und suchte sich neue Leute. Die Verbindung zu Trier aber blieb - nicht nur wegen der monatlichen Besuche bei Mama Lotti. Altstadtfest, Weihnachtskonzert, Theater: Die Horn-Präsenz an der Mosel ist trotz der zweiten Heimat im Bergischen Land ungebrochen. (DiL)