Hähne aus Lufthaltung: Trierer Museum am Dom zeigt außergewöhnliche Ausstellung

Hähne aus Lufthaltung: Trierer Museum am Dom zeigt außergewöhnliche Ausstellung

In Italien hat alles angefangen. Im Jahr 820 will Rampertus, der Bischof von Brescia, seine Kirche S. Faustino Maggiore aufhübschen. So lässt er einen Wetterhahn aus Bronze gießen, der zum ersten katholischen Kirchturmhahn wird.

1154 Jahre später bereist ein Trierer Psychologieprofessor Eifel, Mosel und Lothringen auf der Suche nach solchen Kirchturmhähnen: Günther Reinert. Das Ergebnis dieser Leidenschaft: Zwischen 1974 und 1979 sammelt er 80 Hähne. Nur fünf Jahre lang kann er seine einzigartige Sammlung mit neuen Exemplaren bestücken: 1979 stirbt er im Alter von 51 Jahren.

Immer auf der Suche
Trier 2012: Reinerts Angehörige stellen die Sammlung dem Museum am Dom in Trier als Dauerleihgabe zur Verfügung. Eine Auswahl von besonders beispielhaften Kirchturmhähnen ist im Foyer ausgestellt.
Wie kommt ein Psychologieprofessor auf die Idee, Kirchturmhähne zu sammeln? "Reinert hatte zuerst Theologie studiert", sagt Mario Simmer, Kunsthistoriker. "Als er bei einem befreundeten Pfarrer war, sah er in dessen Wohnung einen Kirchturmhahn. Das Objekt faszinierte ihn so sehr, dass er eine Leidenschaft dafür entwickelte."
Hähne aus Kupfer, aus Eisen, blattvergoldet: Reinert ist fünf Jahre lang immer mit offenen Augen unterwegs. Auch wenn er in Lothringen den Urlaub verbringt, vergisst er nicht, einen Blick nach oben zu den Kirchtürmen zu werfen.

Während des Studiums hat er viele Kontakte zu Priestern geknüpft. Sie sagen ihm Bescheid, wenn ein neuer Hahn angebracht wird und der alte in Reinerts Stall wandern kann. Es spricht sich herum, dass er auf Jagd nach den metallenen Hähnen ist. Handwerker benachrichtigen ihn, wenn Kirchturmhähne als Schrott in ihren Werkstätten herumliegen. Vor allem in den 50er und 60er Jahren wurden viele Kirchturmhähne, die während des Zweiten Weltkrieges beschädigt wurden, abmontiert, um neue zu erstellen.
Verrostet, durchlöchert, abgebrochen: Die Kirchturmhähne der Sammlung tragen die Spuren der Zeit. Gerade mit dem Wetter sind sie eng verbunden. Der Kirchturmhahn zeigt die Windrichtung an. Mitunter lässt sich daraus schließen, ob es regnen wird oder nicht. Es muss aber nicht unbedingt ein Hahn sein. Es gibt nämlich auch Wetterfahnen in Form eines Schwans (siehe Extra) oder Posaunenengels (wie auf der Darscheider Kirche in der Eifel).

Der Sieg über die Nacht
Auf den Türmen katholischer Kirchen drehen sich vor allem Hähne. "Das Tier hat vielfältige Bedeutungen im Katholizismus", erklärt Simmer. Der Hahn steht schon seit der antiken Zeit für Wachsamkeit. In der Bibel spielt er auch eine wichtige Rolle: Bevor er krähte, verleugnete Petrus Jesus Christus. Er mahnt also zu Reue und Mut. <EA>Der Hahn symbolisiert auch Jesus selbst: Er besiegt die Nacht und verkündet das Licht des Morgens - so wie Jesus die Dunkelheit des Todes überwunden hat und das Licht des Himmels ankündet.
"Die Symbolik geht auch noch weiter", sagt Simmer, "der Hahn kümmert sich um seine Hennen wie Jesus um die Gläubigen. Der Hahn ist zudem als Fruchtbarkeitssymbol zu interpretieren." Hähne stolzieren auch oft nicht allein auf Türmen. Auch Kreuze oder Weltkugeln kommen vor. Weitere Hähne sind aber natürlich ausgeschlossen - ein Hahn will ja allein im Korb sein.

Die Ausstellung ist bis 18. November im Foyer des Museums am Dom zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr.Extra

Der Schwan ist ein altes lutherisches Symbol und geht zurück auf den böhmischen Reformator Jan Hus. Der Name heißt ins Deutsche übersetzt Johannes Gans. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde er als Ketzer verbrannt. Vor seiner Hinrichtung soll er der Legende nach gesagt haben: "Ich bin nur eine arme Gans, aber nach mir wird ein Schwan kommen, den werdet ihr nicht rösten können."
Die Legende hat sich weiter verbreitet. Als Martin Luther kam, hieß es, Luther sei der Schwan, von dem Hus gesprochen habe. Ein Schwan ist also ein sicheres Erkennungsmerkmal für eine evangelische Kirche. bc
Extra

Da Kirchturmhähne aus Metall sind, war bei Blitzeinschlägen zu beobachten, dass sie rot glühten. Der "rote Hahn" wurde dann zum Synonym für gefährliches Feuer, das Leid und Tod mit sich bringt. Daraus ist auch eine eher veraltete Redewendung entstanden: "Einem den roten Hahn aufs Dach setzen." Das bedeutet, dass ein Haus in Brand gesetzt wurde. bc