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Handlung frei erfunden? Von wegen …

Ereignisse rund um das Eifeler Zisterzienserkloster Himmerod haben den Schriftsteller Mischa Martini offenbar beim Schreiben seines jüngsten Moselkrimis inspiriert. TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling
Ereignisse rund um das Eifeler Zisterzienserkloster Himmerod haben den Schriftsteller Mischa Martini offenbar beim Schreiben seines jüngsten Moselkrimis inspiriert. TV-Foto: Archiv/Klaus Kimmling FOTO: klaus kimmling
Trier. Krimis und Kloster? Da denkt der Literaturfreund sogleich an Umberto Ecos weltberühmtes Werk Der Name der Rose. Ganz falsch liegt man damit auch im jüngsten Moselkrimi des Trierer Autors Mischa Martini nicht. Michael Schmitz

Trier. Sacre Mosel - schon der Titel zeigt, in welchem Milieu der neueste Moselkrimi von Mischa Martini spielt: in Kirchenkreisen. Hinter dem Pseudonym Mischa Martini verbirgt sich bekanntlich der Trierer Verleger Michael Weyand (siehe Extra), der schon seit 1999 fast Jahr für Jahr einen neuen Band seiner Moselkrimi-Reihe schreibt und veröffentlicht. Diesmal ermittelt sein Kommissar Waldemar Bock nun in einem Kloster. Wobei Martinis Figur Waldemar Bock ("Walde") kein Einzelgänger-Ermittler ist, sondern die Krimireihe mittlerweile davon lebt, dass er in einem Team mit seinen Kollegen Grabbe und Gaby agiert. Auch diese sind echte, die Handlung tragende Figuren, deren Familiengeschichten mitunter zu eigenen Handlungssträngen ausgebaut werden.
Mönch stirbt auf Gleisen


Nun also führt sie ein Todesfall ins Kloster. Der ehemalige Mönch Cornelius stirbt auf den Bahngleisen nahe am Trierer Hauptbahnhof. Eigentlich ein Fall für die Bundespolizei, die aber aufgrund eines Fußballspiel-Einsatzes für die Unterstützung der Trierer Kripobeamten dankbar ist. Es dauert eine ganze Zeit, bis es soweit ist, bis die Ermittler überhaupt wissen, dass es sich nicht um einen "gewöhnlichen" Selbstmord handelt. Ein von Cornelius betriebener, kirchenkritischer Internet-Blog führt die Ermittler zu einem Kyllmünster genannten Kloster. "Personen und Handlungen sind frei erfunden" - diesen Satz hat Martini zwar wie immer seinem Krimi vorangestellt, neben freier Erfindung hat aber auch die Realität in der Region Trier wieder einmal einiges an Vorbildcharakter für seinen Krimi. Dass ein Kloster in der Eifel finanzielle Schwierigkeiten hat, gar vor der Insolvenz steht, dass die Fischzucht als einer der Auswege betrachtet wird, mit dem das Kloster womöglich sogar Geld verdienen kann - aufmerksame Zeitungsleser kennen diese Nachrichten aus der Zisterzienserabtei Himmerod (Kreis Bernkastel-Wittlich). Auch bei der Beschreibung der Örtlichkeiten scheint deutlich durch, dass Martini offenbar mehr als einen Rechercheausflug in das einsame Eifelkloster gemacht hat. Dem aufmerksamen Zeitungsleser wird auch - gerade nach den Nachrichten in jüngster Zeit - bekannt vorkommen, dass giftiges Löschwasser der Airbase Spangdahlem wegen der Belastung mit perfluorierten Tensiden (PFT) selbst im weiteren Umland Probleme verursachen kann. Martini hat auch diese hochaktuelle Entwicklung in seinem Krimi eingebaut.
Und was hat das alles nun mit dem Namen der Rose zu tun? Wem eine brennende Klosterbibliothek als dramatischer Höhepunkt spannnender Ermittlungen nicht ganz fremd ist, der wird schnell merken, dass Martini auch bei dem berühmten Kloster-Krimi eine kleine Anleihe gemacht hat. Mehr sei aber nicht verraten - sonst wird der möglichen Feiertagslektüre die Spannung zu sehr genommen.
Mischa Martini: Sacre Mosel, Paperback, 256 Seiten, ISBN 978-3-942 429-12-2, Verlag Michael Weyand, Trier, <%LINK auto="true" href="http://www.weyand.de" text="www.weyand.de" class="more"%> 9,95 Euro.
Extra

Mischa Martini ist das Pseudonym des Trierer Verlegers Michael Weyand. An den Moselkrimis - Sacre Mosel ist die Nummer 14 - schreibt Weyand in der Regel ein halbes Jahr. In seinem Verlag hat er neben den eigenen Krimis unter anderem Stadtführer, viele heimatkundliche Bücher, Kochbücher und seit neuestem sogar einen mit Karikaturist Johannes Kolz verfassten historischen Comic im Programm ("Nero ante Portam"). Weyand, Jahrgang 1956, ist verheiratet und hat zwei Töchter. mic

FOTO: (g_kultur