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Hannes Wader singt gegen die Melancholie

Hannes Wader singt gegen die Melancholie

Er kann weder wie Mick Jagger tanzen noch eine Show machen wie Konstantin Wecker: Doch auch mit leisen Tönen hat Hannes Wader eine große Fangemeinde. Heute wird er 75.

Kassel (dpa) "Singen hat Magie, es vertreibt das Leid", sagt Hannes Wader (Foto: dpa). Mit der Musik will der Liedermacher deshalb weitermachen - auch wenn er im Herbst auf Abschiedstournee geht. Denn seine Songs sind nicht nur für sein Publikum, sondern auch für den Künstler selbst Therapie: "Ich habe ein melancholisches Temperament, doch sobald ich singe, geht es mir gut", sagt er. Heute feiert Wader seinen 75. Geburtstag in Kassel.
"Mach's gut!" ist der Titel der Tour, die Waders Abschied vom anstrengenden Tournee-Leben sein soll. Sein bekanntestes Lied ist zwar immer noch "Heute hier, morgen dort". Doch das Lebensgefühl dazu gehöre eher in seine Karriereanfänge, sagt der Musiker: "Obwohl ich nicht wie Mick Jagger tanze, spüre ich die Belastung durch Tourneen." Deshalb soll mit den Reisen bald Schluss sein. Das werde ihm nicht schwerfallen, sagt der Liedermacher: "Ich war nie das, was man eine Rampensau nennt." Sein musikalischer Weggefährte Konstantin Wecker sei anders: "Der machte drei Stunden Programm und vier Stunden Zugabe", sagt Wader bewundernd.
Den provokanten Auftritt scheute der gebürtige Westfale aber zu Beginn seiner Karriere nicht: "Ich sah mich als Gegenentwurf zu Peter Alexander." Statt angepasst zu sein, ging es um Antikapitalismus und Antiautorität, erinnert sich Wader: "Mit den Stiefeln, mit denen man im Garten war, ging es auch auf die Bühne." Dort wurde dann das Publikum beschimpft.
Das passte in die Zeit: "Es war ein Jahr vor 1968, und es knackte und knisterte überall in Adenauers Republik." Mit den Jahren wurde Wader milder - wie er selbst sagt. Heute sei sein Motto: "Ich will als politischer Liedermacher wahrgenommen, aber nicht darauf festgenagelt werden." Ganz anders soll der Abschied von der Tourneebühne werden. "Meine Kinder haben mich überzeugt, es noch mal richtig krachen zu lassen", sagt er. Los geht's am 30. November in Berlin.