Happy End statt Liebestod

Happy End statt Liebestod

Kaum ein anderer Komponist wird von seinen Anhängern so verehrt wie Richard Wagner. Beim Galakonzert am Sonntag gab es dessen heitere Seite zu entdecken - mit Musik aus "Tannhäuser" und den "Meistersingern".

Trier. "Verachtet mir die Meister nicht! Und ehrt mir ihre Kunst!" So fordert es Hans Sachs in "Die Meistersinger von Nürnberg". Und so hält es der Richard-Wagner-Verband Trier-Luxemburg, der den - in den Augen jedes echten Wagnerianers - Deutschen Meister, ach was, den Weltmeister der Oper regelmäßig mit Aufführungen seiner Werke ehrt.
Um "Humor und gute Laune" ging es beim Galakonzert am Sonntag im Trierer Theater.
Moment mal - ist nicht Wagner der mit Götterdämmerung und Liebestod, mit "hojotoho" statt "heißa hopsassa" wie in Mozarts Zauberflöte? Stimmt - aber ein paar heitere Szenen gibt es doch. Stellvertretend dafür standen Ausschnitte aus "Tannhäuser" und den "Meistersingern".
Für seine Pariser Fassung fügte Wagner eigens ein Bacchanal, ein lustvolles Gelage auf dem Venusberg, ein, weil das Publikum damals stets ein Ballett erwartete. Ein Skandal wurde die Aufführung dennoch, wie Malwida von Meysenburg in ihren "Memoiren einer Idealistin" berichtet. Nicht etwa, weil Wagner wie Olivier Py 2005 in Genf dafür einen Pornodarsteller engagiert hätte, sondern weil er die Szene in den ersten Akt vorverlegte, als die feinen Herren noch nicht eingetroffen waren, die nur das Ballett, jene "scheußlichste Ausgeburt der modernen Kunst" (O-Ton von Meysenburg) sehen wollten, um sich dann "hinter die Kulissen zu näherem Verkehr mit den springenden Nymphen" zu begeben.
Für ein Ballett wäre in Trier gar kein Platz gewesen, denn mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Leitung von Jochen Schaaf, dem Friedrich-Spee- und dem Trierer Konzertchor sowie den Solisten Iris Kupke (Sopran), Heiko Börner (Tenor) und Thorsten Grümbel (Bass), war es schon eng genug auf der Bühne.
Ein großes Fest gibt es auch bei den "Meistersingern". Und obwohl Walther mal kurzzeitig "die Galle schwillt" - am Ende kriegt er seine Eva und alle sind happy.
Für zwei beschwingte Stunden, in denen Sänger und Instrumentalisten Wagner in seiner ganzen Leichtigkeit präsentierten, gab es vom Publikum im Großen Haus minutenlangen Applaus. Und solange kein neuer Heinz Tietjen in Sicht ist, der - lange bevor er zum Chef auf dem Grünen Hügel aufstieg - 1908 in Trier den ganzen "Ring des Nibelungen" aufführte, gebührt Anerkennung auch dem Richard-Wagner-Verband: für sein Bemühen, das Andenken an den großen Komponisten auch in Trier aufrechtzuerhalten. daj

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