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Harry Potter: Die Sehnsucht nach dem Bösen

Harry Potter: Die Sehnsucht nach dem Bösen

Harry Potters letztes Abenteuer startet nächste Woche in den Kinos. Es ist gewissermaßen der Endkampf von Gut gegen Böse.

In den Fanforen im Internet ist die Rede vom "Letzten Gefecht" ein gewolltes oder ungewolltes Zitat aus Stephen Kings Roman "The Stand - Das letzte Gefecht", der von nichts geringerem als dem Untergang der Menschheit han delt. Worum geht es? In den ver gangenen zehn Jahren hat die Autorin Joanne K. Rowling mit ihren Harry-Potter-Romanen und deren Verfilmungen das Be dürfnis einer erwachsener werdenden Leserschaft nach Abenteuer und Grusel bedient. Das tat und tut sie mit großem Erfolg.
Die Fans sind mit Harry Potter, ursprünglich als Jugend buch gedacht, älter geworden. Und nun, nach zehn Jahren, ist es nicht mehr das kindliche Vergnügen an Grusel und Aben teurer, das bedient wird. Nein, Harry Potter befriedigt nun ein viel tieferes Bedürfnis. Die Angst ist gewissermaßen erwachsen geworden, sie ist jetzt mächtiger, hintergründiger, spirituell. Voldemorts Sieg (Harry Potters böser Gegner) würde letztlich die Auslöschung der Welt be deuten, wie wir sie kennen. Es ist also nicht die Angst vor Qualen, sondern die Angst vor der Auflösung des Ichs, des Seins. Die Angst vor dem Nicht-Sein, dem Nichts. Während das Ministerium für Zauberei in den Harry-Potter-Filmen zum Beispiel das Vor handensein des bösen Lord Voldemort bestreitet, glauben die Zauberlehrlinge und ihre Professoren auf der Gralsburg Hogwarts an seine Existenz, ja, sie haben seine Bösartigkeit schon zu spüren bekommen. Nicht anders ist es in der Realität. Würde heute ein Politiker behaupten, dass es den Teufel gebe? In einer vermeint lich aufgeklärten Welt natürlich nicht. Aber die katholische Kirche behauptet genau das. Genau mit dieser Ambivalenz spielt auch die Harry-Potter Figur. Das Erfolgsrezept von Rowling ist, die "Angst" mit ihrem Publikum reifer, er wachsener werden zu lassen. Harry Potter ist längst kein Kindermärchen mehr, sondern spricht eine tief sitzende Spiritualität in der Gesellschaft an; er bedient die Sehnsucht nach dem Bösen.
In einer Zeit, in der eine Katastrophe die nächste jagt - von Fukushima bis Ehec - funktioniert das hervorragend.
Hans-Peter Linz