1. Region
  2. Kultur

"Heimatschuss - der Film" von Karsten Müller und Frosch Kultur entwirft Dystopie

Film : Wenn das politische System plötzlich kippt

Ein warnender Blick in die Zukunft: Mit „Heimatschuss – der Film“ zeichnen Regisseur Karsten Müller und der Verein Frosch Kultur ein düsteres Bild der deutschen Gesellschaft im Jahr 2025. Ab Ende Oktober ist der Film zu sehen.

Mit „Heimatschuss“ hat Regisseur Karsten Müller 2019 eine Dystopie der nahen Zukunft auf eine Trierer Bühne gebracht. Dort blickt er ins Deutschland des Jahres 2025, wo Arbeitslosigkeit, Entsolidarisierung und das Wiedererstarken rechter Gruppierungen das Bild beherrschen. Aus dem Bühnenstück, das die Theatergruppe Frosch Kultur präsentierte, ist nun ein rund 80-minütiger Film geworden, dem die Corona-Pandemie deutlich ihren Stempel aufgedrückt hat.

„Die Virusdebatte ist ins Zentrum gerückt“, erzählt Müller zusammen mit einigen anderen der etwa zwölf Akteure, die beim Dreh mitwirken. Corona habe nicht nur das Digitale zum Medium der Wahl erkoren, sondern die Art des politischen Diskurses selbst verändert.

„Letztes Jahr war das Hauptthema der Rechten noch ,Ausländer raus’“, sagt Müller, “jetzt ist es die Virusdebatte.“ Schlimmer als das Virus selbst sei für ihn, dass die Wahrheit in Frage stehe und es keinen gesellschaftlichen Konsens mehr gebe. Da gehe es um „die Freiheit, keine Maske zu tragen“, ergänzt Monika Wender, die eine der drei Hauptrollen im Film spielt. „Das ist wirklich eine merkwürdige Strömung, die hat uns ganz kalt erwischt“, sagt sie. „Dass plötzlich Leute Tatsachen anzweifeln und von Verschwörungen reden, das greift um sich.“ Angesichts der Verbreitung von Lügen und der Diffamierung der „Lügenpresse“ stellt sich für sie die Frage: „Auf was sollen wir uns in einer Debatte noch berufen?“

In „Heimatschuss – der Film“ erlebt Deutschland einen Machtwechsel zu einer rechtsgerichteten, faschistoid orientierten Regierung, wie Müller erzählt, in der zwei arbeitslose Loser sich in einer WG gemeinsam durchschlagen, derweil die neue Elite ihre autoritäre Ordnung etabliert, die nicht zufällig Ähnlichkeiten mit dem Regime des sogenannten Dritten Reiches aufweist. Müller selbst nennt „Heimatschuss“ eine „ rabenschwarze Groteske“, die vor den Gefahren für die Demokratie warnt.

Der Film ist ein gemeinsames Projekt von Müllers Produktionsfirma Elenovela und dem Verein Frosch Kultur, unterstützt durch ein Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz, Mittel der Stadt Trier und die Kulturstiftung. „Wir haben in der Corona-Zeit trotz mancher Einschränkungen enorme Hilfsbereitschaft erfahren“, so die Frosch-Verantwortlichen. Gedreht haben sie unter anderem in der Jägerkaserne Trier-West und in der Europäischen Kunstakademie. Der Wechsel aufs Medium Film habe sich gelohnt, findet Monika Wender. So seien Effekte mit Licht, Kamera und Geräuschen möglich gewesen, die auf der Bühne nicht zu realisieren seien. Außer ihr spielen: Melanie Telle und Bonko Karadjov sowie als Gäste Sandra Karl und Sebastian Gasper. Weitere Mitwirkende: Michael Merten, Anna Weinand, Vicky Ueberholz und Gitte Welter. Flötensolo: Christiane Rehm. Klavierbegleitung: Malte Kühn. Location-Scout und Set-Fotografie: Petra Gueth.