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Heimkehr eines Eifeler Künstlers

Heimkehr eines Eifeler Künstlers

Den 1873 in Pickließem (Eifelkreis Bitburg-Prüm) geborenen Künstler Mathieu Molitor, Schöpfer der als Leipziger Wahrzeichen geltenden Skulptur "Faust und Mephisto", würdigt das Kreismuseum Bitburg-Prüm mit einer ersten umfassenden Werkschau. Die Ausstellung mit Leihgaben aus dem Museum der bildenden Künste in Leipzig stellt die Vielseitigkeit des Künstlers heraus.

Bitburg. Als Sohn eines Eifeler Tagelöhners musste sich Mathieu Molitor (1873-1929) seinen Weg zur Kunst erkämpfen, brachte es aber zu einer bedeutenden Position neben Max Klinger und Carl Seffner in Leipzigs Kunstwelt um die Jahrhundertwende.

Später gerieten er und sein Werk in Vergessenheit. Seine für den öffentlichen Raum in Leipzig geschaffenen Bronze-Plastiken zum Beispiel wurden als "Metallspende" im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Nun ist ihm, in seinem achtzigsten Todesjahr und in seiner Heimat erstmals eine umfassende Schau gewidmet, die auf Initiative des Leiters der grafischen Sammlung des Museums der bildenden Künste Leipzig, Richard Hüttel, der Kunsthistorikerin und Kuratorin Birgit Hartung, des Leiters des Kreismuseums Bitburg-Prüm, Burkhard Kaufmann, und der Leiterin der Kreisvolkshochschule Bitburg-Prüm, Marlen Meyer, entstanden ist. Die Ausstellung im Kreismuseum Bitburg besticht durch ihre Bandbreite. Zu sehen sind Plastiken aus Metall und Stein, Landschafts- und Porträtgemälde, grafische Buchillustrationen sowie Entwürfe für Wandfriese oder Altäre und vieles mehr. Sie spiegeln Vielseitigkeit und handwerkliche Perfektion des Künstlers wider, ferner den Zeitgeschmack der Jahrhundertwende. Denn Molitor setzte sein Talent vorwiegend auftragsbezogen ein und bediente dabei, was "en vogue" war.

In ornamentalem Jugendstil



Grafische Werbeplakate oder Titelblätter für Notenbücher, mit denen er sich seine Existenz aufbaute, sind ganz in ornamentalem Jugendstil gehalten. Gemälde lassen zwar manchmal impressionistische Einflüsse erkennen, sind aber insgesamt eher der konventionellen Tradition des 19. Jahrhunderts verhaftet. Landschaften erscheinen dabei als realistische Naturstudien, Porträts in der um 1900 gängigen überhöhten Darstellung, die die Bedeutung der abgebildeten Person unterstreichen sollte. Zu sehen ist auch "Die Anbetung der Hirten" ein aus der Kirche in Pickließem stammendes Frühwerk, das alte Meister des 17. Jahrhunderts zitiert. Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist das plastische Werk des Künstlers, dem er sich nach Rom-Aufenthalt zum Studium der Bildhauerei (1904-1908) und Ernennung zum Professor überwiegend und mit Erfolg in Form von Großaufträgen widmete. Kleine Bronzen von berühmten Persönlichkeiten wie Napoleon, Goethe oder seinem Zeitgenossen Max Klinger zeugen ebenso von präziser Beobachtung, Gefühl für Spannung und technische Meisterschaft wie die an das klassische antike Ideal angelehnten lebensgroßen Skulpturen. Die Ausstellung lässt staunen über die Vielseitigkeit des Werks eines Künstlers, dem, wie ebenfalls dokumentiert wird, sein Beruf wahrlich nicht in die Wiege gelegt war.

Die Ausstellung ist bis 16. August im Kreismuseum Bitburg-Prüm, Trierer Straße 15, 54634 Bitburg zu sehen. Öffnungszeiten: täglich (außer dienstags) 14-17 Uhr sowie montags, mittwochs, donnerstags, freitags 10-13 Uhr, Führungen: sonntags 12. Juli und 16.August, jeweils 15 Uhr.