Heißes Spektakel mit menschlichem Kern

Schutt und Asche für neun Millionen Euro: Seit Juni laufen in der Eifel die Dreharbeiten für den "Vulkan", den bislang teuersten Film des Privatsenders RTL und der Produktionsfirma "teamWorx" (der TV berichtete). Am Donnerstag luden die Hersteller zum Besuch in Mendig am Laacher See.

 Flüchten in dem Spielfilm vor den Lavaströmen: Michael Gernau (Matthias Koeberlin, links) und Gerhard Maug (Heiner Lauterbach). Foto: RTL

Flüchten in dem Spielfilm vor den Lavaströmen: Michael Gernau (Matthias Koeberlin, links) und Gerhard Maug (Heiner Lauterbach). Foto: RTL

Mendig/Daun. Kalt ist es hier unten im "Lavakeller" von Mendig (Landkreis Mayen-Koblenz). Kalt und dunkel: Wir sind 32 Meter unter der Erdoberfläche, bei etwa sieben Grad Celsius, und wärmen uns am Anblick einer ganzen Reihe bekannter deutscher Schauspieler.

Prominente Schauspieler sind an Bord



Es ist eine prominente Riege, die sich hier versammelt hat: Matthias Koeberlin, Armin Rohde, Katharina Wackernagel, Heiner Lauterbach, Ursula Karven, Yvonne Catterfeld und Sonja Gerhardt stehen zum Foto bereit, vor der echten Kulisse eines vor 200 000 Jahren erkalteten Basalt-Lavastroms. Der Keller wird im "Vulkan" eine Höhle darstellen, in die sich einige der Filmfiguren nach dem großen Ausbruch gerettet haben. Seit Juni wird gedreht, in Bad Münstereifel, bei Nettersheim (beide im Kreis Euskirchen), am Pulvermaar bei Daun - und diese Woche noch in Mendig, in der Nähe des Laacher Sees. Ob er denn, fragt jemand Armin Rohde später, inzwischen "eine Beziehung zum Vulkanismus" entwickelt habe. Der Schauspieler grinst - und nimmt die herrlich beknackte Frage als Steilvorlage: "Ich versuche meine eigenen Ausbrüche zu zügeln." Schließlich entstamme er einer Familie "mit einer langen Reihe von Vulkanen". Und dank dieses eruptiven Erbes ist Rohde - er spielt einen Ordnungshüter - auch genau richtig für diesen Film: Den "Vulkan", die teuerste Produktion, die RTL je auf den Schirm brachte.

Der Zweiteiler soll ähnlich gute Quoten bringen wie "Die Sturmflut" vor zwei Jahren: Damals schauten rund elf Millionen Menschen zu, der Marktanteil lag bei mehr als 30 Prozent. Solche Werte, sagt Produzent Nico Hoffmann, habe RTL seitdem "nie wieder erreicht". "Die Sturmflut" basiert auf einer wahren Katastrophe, der "Vulkan" nicht. Dennoch betonen alle, wie realistisch das Szenario sei, dass man sich habe beraten lassen vom Vulkanologen Ulrich Schreiber, dass "praktisch jederzeit" ein solcher Ausbruch geschehen könne. Möglich? Ja, sogar wahrscheinlich: Da ist sich die Fachwelt einig. Jederzeit? In diesem Punkt gehen die Meinungen dann doch auseinander. Aber das macht eigentlich auch nichts, denn: Es soll nicht nur heftig krachen im "Vulkan". "Wir wollten etwas Neues probieren", sagt Hoffmann, dazu habe man "schauspielerisch die Besten der Besten" versammelt, und deshalb habe man Regisseur Uwe Janson mit dem Großprojekt betraut. Und der macht im TV-Gespräch keineswegs den Eindruck, einen zwar (trick-) technisch teuren, aber dramaturgisch billigen Reißer abliefern zu wollen: "Neun Millionen - klar ist das Wahnsinn", sagt Janson. "Aber wir haben versucht, dem Katastrophenfilm das menschliche Schicksal gleichberechtigt entgegenzusetzen."

Wichtig sei, was in den Figuren vorgehe, deshalb gehe er ganz nah an sie heran, nehme sich Zeit für ihre Konflikte und Nöte. Solche Geschichten zu erzählen, dem durchaus gewollten Schauwert eines spektakulär inszenierten Themas "das Element der Echtheit entgegenzusetzen", das müsse möglich sein. "Ich will, dass die Leute etwas mit dem Film anfangen können, dass sie sich damit auseinandersetzen. Das ist Ziel und Kern meiner Arbeit." Ende des Monats wird die letzte Klappe fallen, irgendwo in der Eifel. Dann geht es an die aufwendige Nachproduktion, an die Computer-Effekte, an Musik und Schnitt. Im Herbst 2009, so die Planungen, soll der "Vulkan" die Fernsehschirme zum Glühen bringen.

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