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Heiterkeit in Blechmontur

Heiterkeit in Blechmontur

Einfach ist Janaceks Oper "Die Ausflüge des Herrn Broucek" nicht - nicht für die Akteure, nicht fürs Orchester, nicht für Regie und Ausstattung und ganz bestimmt nicht für das Publikum. Aber die Trierer Produktion nahm nach mühsamem Start doch mehr und mehr Fahrt auf. Am Ende verbreitete sich unter den rund 500 Besuchern echte Zufriedenheit. Ausverkauft war die Premiere allerdings nicht.

Trier. Der Einstieg klingt mühsam und zäh. Victor Puhl und seine Philharmoniker tun sich anfangs schwer mit Leos Janaceks Tonsprache. Der hat seiner Oper "Die Ausflüge des Herrn Broucek" Brechungen, sachte Anspielungen und verschmitzte Heiterkeit mitgegeben. Aber die Partitur ist sehr komplex und dazu vollstimmig - für eine Komödie allzu vollstimmig. Puhl und die Philharmoniker müssen kämpfen um diese Musik zum Klingen zu bringen. Darum kommt in den ersten beiden Bildern aus dem Graben ein ermüdend blechhaltiges Dauerforte. Fürs spannungsvolle Pianissimo reichte offenbar die Energie nicht aus.
Sänger von Format


Wie gut, dass oben auf der Bühne Sängerinnen und Sänger von Format stehen. Schon das Nebeneinander von Johannes Preissinger in der Titelrolle und Aldo di Toro (Mazal/Sternenfried/Peter) ist ein Fall fürs gesteigerte Hörvergnügen: standfest und dramatisch markant der Broucek, hell, leicht und mit sicherer Höhe sein Kontrahent. Talia Or (Malinka/Ethera/Kunka) kommt etwas eingedunkelt, aber doch klangschön über die Rampe. Lukas Schmid (Sakristan/Mondkristan/Domsik) gibt seinen Rollen beeindruckende Statur mit, und Fritz Spengler verleiht dem Piccolo einen herrlich knabenhaften Tonfall (weitere Akteure: Bernadette Flaitz, Eva Maria Amann, Bonko Karadjov, Dieter Gotting).
Und dazu Laszlo Lukacs, dem Intendant Sibelius nach der Premiere zu 25 Jahren Trierer Theater gratulierte: Auch als Gastwirt Würfl, Zauberlicht und Schöffe lässt er nichts anbrennen und verkörpert die Figuren so zuverlässig, wie er es all die Jahre in zahllosen Rollen getan hat.
Welch ein Glück überdies, dass sich die Regie weder in über-ambitionierten Deutungen verzettelt noch ihr Heil in Klamauk sucht. In der aussagestarken Strenge, mit der Jasmina Hadziahmetovic und ihr Team diese Oper auf die Trierer Bühne stellt, klingt Janaceks scheinbar spröde und doch ungemein reiche Tonsprache mit.
Mag sein, dass Details leichtfüßiger oder auch üppiger geraten könnten. Aber die Regisseurin und ihre Ausstatter Paul Zoller und Valentin Köhler haben ein Sensorium für die feinsinnige Heiterkeit dieser Oper entwickelt. Wenn die Wirtshausgäste im ersten Bild unversehens wie lauter Brouceks herumlaufen oder in der Mond-Szene die Bewohner in langen Mänteln auftreten, als seien sie Mozarts Sarastro persönlich, dann klingt Janaceks hintersinniger Humor deutlich an.
Und das vor allem im dritten Bild. Da zieht die Regie alle Register der Bühnentechnik, lässt die Handlung vom Broucek, der sich ins Prag der Hussitenzeit von 1420 verirrt hat, auf zwei optischen Ebenen ablaufen - kontrastierend und kommentierend. Angela Händels Opernchor vermittelt den frömmelnden Militarismus der Hussiten mit unforcierter Präsenz.
Subtiles Miteinander

Foto: (wh_wst )
Foto: (wh_wst )



Wenn Broucek mit seinem Tonfall von 1888 die mittelalterlichen Kämpfer verwirrt und schließlich im Fass verbrannt werden soll, dann gelingt Hadziahmetovic und ihren Mitstreitern ein subtiles Miteinander aus nationalistischer Emphase und humorvoller Distanz. Und als wolle er sich für die Überinstrumentation zuvor entschuldigen, lässt auch Janacek die Zügel locker, gewährt dem Orchester Atempausen und klangschön realisierte Bläsersoli.
Da löst sich auch bei Puhl und den Philharmonikern die Überspannung zu einem heiter-versöhnlichen Ausklang. Am Ende breitete sich im Trierer Theater echte Zufriedenheit aus: Endlich mal keine Tosca-Tristesse und keine Fidelio-Obszönitäten, sondern einfach nur gute, große Oper.