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Helena Madoka Berg​ spielt die Erste Geige Berliner Philharmoniker

Konzert : Wenn das der Großvater sehen könnte!

Helena Madoka Berg spielt bei den Berliner Philharmonikern eine der Ersten Geigen. Wenn sie demnächst zu einem Kammerkonzert nach Trier kommt, werden Erinnerungen an ihren unvergessenen Großvater und leidenschaftlichen Förderer wach.

In Trier erzeugt der Name Berg einen Klang – den einer Musiker-Dynastie. Karl Berg (1925-2007) war nicht nur der Gründer der Musikschule, sondern auch des Friedrich-Spee-Chors, des Collegiums musicum, der Festlichen Musiktage und des Offenen Singens, er war Dirigent, Komponist und Lehrer. Eine Straße und die Musikschule selbst sind nach ihm benannt. Aus seiner Familie sind etliche Musiker hervorgegangen. Enkelin Helena Madoka Berg braucht sich hinter ihrem stadtbekannten Großvater nicht zu verstecken. Die 38-Jährige gehört zum Kreis der 23 Ersten Violinen des weltberühmten Orchesters der Berliner Philharmoniker, spielt auch in dessen Quartett und hat selbst schon zahlreiche Preise erlangt. Doch wenn die Berlinerin am 1. Februar in Trier auftritt, dann erinnert sie sich gerne an Karl Berg.

Wie Großvater Karl Berg seine Enkelin unterstützte

„Mein Großvater hat sich immer der Fanclub-Vorsitzende von mir genannt“, erzählt sie schmunzelnd. „Er hat in Trier viele Konzerte für mich organisiert, sei es mit dem Friedrich-Spee-Chor oder auch allein.“ Er bereitete Auftritte in der Jesuitenkirche vor oder in seinem Heimatort Schleich an der Mosel. Die Enkelin, deren Eltern selbst beide Geiger sind, hatte sich mit etwa 16 Jahren entschieden, die Musik zu ihrem Beruf zu machen -, sehr zur Freude des Großvaters.

Für Helena, die in Berlin aufwuchs, tat Karl Berg Ungewöhnliches: „Die intensivste Erinnerung, die ich habe, ist, dass er sich ins Auto gesetzt hat und für zwei Tage nach Avignon gefahren ist, um mich beim Internationalen Wettbewerb zu unterstützen. Ich bin da alleine hingeflogen, ohne meine Eltern.“ Da war die junge Geigerin etwa 18 Jahre alt, der Opa Ende 70. „Meine Großmutter hat protestiert und gesagt, da fahr ich nicht mit“, erinnert sich Helena Madoka Berg, doch der Großvater ließ sich nicht abbringen von seinem Plan. Er fuhr dann allein. „Das war schon bemerkenswert, weil er kurz vorher auch schwer krank war.“ Diese Unterstützung wird sie nie vergessen: „Es war eine tolle Aktion, die er da gemacht hat. Schön, dass er dabei war!“

Wie das Profi-Musikerleben mit Familie vereinbar ist

Bedauerlich, dass Karl Berg wenige Jahre später starb und den weiteren Weg der Enkelin nicht mehr begleiten konnte – die Studien in Berlin und New York, erste Engagements bei den Münchener Philharmonikern und im Bayreuther Festspielorchester. Seit 2013 gehört Helena Madoka Berg den Berliner Philharmonikern an, seit Februar 2016 in der Gruppe der Ersten Geigen. Ein Fulltime-Job, den sie mit zwei kleinen Kindern meistert. Fast jeden Tag warten fünf Stunden Proben auf sie – neben der eigenen Übungspraxis. Dass es möglich ist, die Musik mit der Familie zu vereinbaren, hat sie schon bei ihren Eltern erlebt.

Berliner Philharmoniker bei einer Art Vorpremiere in Trier

Kurz vor der Geburt ihres dritten Kindes tritt Helena Madoka Berg am 1. Februar mit dem Philharmonischen Quartett Berlin in Trier auf – und wird den virtuosen Part der Ersten Geige in Mendelssohn Bartholdys Streichquartett op. 80 spielen. Im Festsaal des Kurfürstlichen Palais‘ kann das Publikum dann eine Darbietung hören, die im Mai 2023 in der Berliner Philharmonie auf dem Programm steht – eine Art Vorpremiere also. Der Kammermusiksaal in der Hauptstadt bietet Platz für 1500 Besucher. „Es war unser Wunsch, dass wir das Stück im Vorfeld ein paarmal spielen können“, sagt die Geigerin über die Programmauswahl des Konzerts der Kammermusikalischen Vereinigung Trier. Danach steht es noch im schweizerischen Andermatt auf dem Programm. „Es ist ein ganz tolles Stück, das Mendelssohn geschrieben hat, nachdem seine Schwester gestorben ist. Es ist dramatisch, hat einen ganz innigen langsamen Satz und ist sehr, sehr schön.“ Fürs ebenfalls geplante Tschaikowsky-Streichquartett tauschen Berg und der Geiger Dorian Xhoxhi die Rollen. „Wir haben uns vorgenommen zu routieren, damit jeder mal die Herausforderung hat, die erste Geigenstimme zu spielen“, erklärt Berg.

Erinnerung an das Trierer Publikum

Bei ihrem Auftritt kann die Berlinerin auch wahrnehmen, wie sich das Konzertleben in der Moselstadt verändert hat. „Zu Lebzeiten meines Großvaters war es immer ein warmes, nettes Publikum, das extrem gut zugehört hat“, erinnert sich Helena Madoka Berg. „Ich weiß noch, wie das so greifbar war, diese Aufmerksamkeit des Publikums. Das ist wirklich etwas, das mir in Erinnerung geblieben ist.“