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Himmel voller Postkarten

Himmel voller Postkarten

John Cage ist immer noch der große Unbekannte im zeitgenössischen Musikleben - zu Unrecht. Höchste Zeit, dass sich die "rainy days" mit diesem Genie befassen. Das Neue-Musik-Festival in der Luxemburger Philharmonie liefert von Samstag bis zum 2. Dezember ein klingendes Porträt des großen Einzelgängers.

Luxemburg. Er war ein malendes, dichtendes und musizierendes Multitalent. Er studierte Komposition bei einem der strengsten Lehrer des vergangenen Jahrhunderts, Arnold Schönberg. John Cage (1912-1992) entwickelte nach einem spröde-kontrapunktischen Frühstil einen Ideenreichtum und eine Originalität, die ihresgleichen suchen - das "präparierte Klavier", "stumme" Musik, das Spiel mit dem klingenden Zufall, simultane Klangereignisse, Öffnung des Konzertsaals für Happenings. Und ganz nebenbei machte er Spielzeugklaviere zum Gegenstand ambitionierten Musizierens.
An sechs Tagen, zwischen dem 24. November und dem 2. Dezember, erproben die "rainy days" in der Luxemburger Philharmonie eine Annäherung an den Musiker, der nicht zu kopieren ist und doch zahlreichen Zeitgenossen Impulse mitgegeben hat. Schwerpunkte im Programm sind das Orchesterkonzert am 24. November, unter anderem mit dem legendären Stück "4,33", bei dem gut vier Minuten lang nichts geschieht, aber auch mit Haydns revolutionärer "Abschiedssinfonie" und eine Uraufführung von Johannes S. Sistermanns.
Und zum Abschluss (2. Dezember) werden zahlreiche Musiker, an ihrer Spitze die Luxemburger United Instruments of Lucilin alle Räume der Philharmonie zum Klingen bringen - mit Musik von Frescobaldi bis zu den Luxemburger Zeitgenossen Claude Lenners und Marcel Reuter. Und, natürlich, John Cage.Extra

Samstag, 24. November: 20 Uhr, "Postcard from Heaven". Mit dem Orchestre Philharmonique, den United Instruments of Lucilin und Werken von Cage, Haydn und Sistermanns. Sonntag, 25. November: 15 Uhr und 17 Uhr: "Listen to the silence. Eine Reise ohne Worte mit John Cage." Für Kinder ab 6 und ihre Eltern. 20 Uhr: "The Absent" mit einer "schweigenden" Klang- und visuellen Installation mit dem Ensemble intercontemporain. Donnerstag, 29. November, 20 Uhr Grand Théâtre (hinter der Bühne): "A Liquid Room for John Cage" mit dem Ictus Ensemble. Samstag, 1. Dezember, 20 Uhr, Studio Lucilin (20a, rue de Strasbourg, Luxemburg-Stadt) "Living Room Music”. Ein Cage-Abend im "Wohnzimmer" des Ensembles Lucilin. Sonntag, 2. Dezember, 15 Uhr, Tag der offenen Tür, verbunden mit "The Big John Cage Extravaganza & Toy Piano World Summit" mit über 50 Konzerten und Performances, zum Teil aus Spielzeugklavieren. mö