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Hinterlist und Filz ohne Ende

Hinterlist und Filz ohne Ende

DREIS-BRÜCK. Der neue Roman von Jacques Berndorf ist im Handel, und es ist - kein Eifelkrimi. Jochen Mann heißt sein neuer Held, der in seinem Leben noch nicht den richtigen Weg gefunden hat. Neben einer spannenden, brillant recherchierten Story verfolgt der zweite Erzählstrang den Weg des jungen Staatsanwalts auf der Suche nach sich selbst.

"Die Raffkes" heißt das neue Werk. Staatsanwalt Jochen Mann wird von seiner Tante Maria angerufen, die zum alten Berliner Adel zählt und über 1000 Mietwohnungen besitzt. Sie unterhält gute Kontakte zur Spitze der Bankgesellschaft und bittet ihren Neffen, sich mit einem Bankmanager zu treffen. Doch bevor Mann das vereinbarte Lokal betreten kann, explodiert dort eine Bombe. Dem anwesenden israelischen Botschafter passiert nichts. Doch Manns Gesprächspartner Walter Sirtel kommt bei dem Anschlag ums Leben. Mann trifft auf Kriminalrat Ziemann, der seltsamerweise den jungen Staatsanwalt, obwohl dieser auf Jugendkriminalität spezialisiert ist, in die Ermittlungen einbezieht. Vielleicht, weil Ziemann ahnt, dass der Anschlag nicht dem Botschafter, sondern Sirtel galt. Denn Ziemann ermittelt schon lange in geheimer Mission gegen die mächtigsten Banker Berlins. Die Geschichte startet vielversprechend. Der Bombenanschlag und das geplatzte mysteriöse Treffen sind fesselnd geschrieben. Die Typen stimmen, auch wenn die Villa von Tante Maria ein bisschen Rosamunde- Pilcher-Idylle verströmt. Der Stil Berndorfs ist unverkennbar. Beruhigend: Nicht nur in der Eifel, auch in Berlin gibt es Kungeleien, Hinterlist und Filz ohne Ende. Und Jochen Mann, der etwas dröge Staatsanwalt mit ebenso nichtssagender Freundin verwandelt sich nach dem Attentat in einen wahren Haudegen, der sich selbst immer wieder distanziert betrachtet und wundert, wieso er auf einmal anders redet und handelt. Dem eingefleischten Eifel-Krimi-Leser kommen diese Temperamentsausbrüche ein klein wenig bekannt vor. So ganz lässt es sich nicht leugnen, dass Mann den gleichen geistigen Vater hat wie Siggi Baumeister, Protagonist der Eifel-Krimis. Trotz seiner 347 Seiten ist der Krimi kurzweilig und spannend. Berndorf bleibt auch bei diesem Buch seinem Stil treu. Die Fangemeinde wird es freuen. Wie den Berlinern die Aufbereitung ihres Bankenskandals schmeckt, bleibt abzuwarten. Jacques Berndorf, der eigentlich Michael Preute heißt und unter anderem als Journalist für "Spiegel" und "Stern" geschrieben hat, beweist eindrucksvoll, dass er auch abseits seiner geliebten Eifel nicht den Orientierungssinn verliert. Wenn man daran denkt, dass seine Geschichten, abgesehen von den Leichen, nur einen Millimeter neben der Wahrheit liegen sollen, dann ist es mehr als lehrreich, auf diesem Wege über einen der größten Skandale Deutschlands zu lesen. Jacques Berndorf: "Die Raffkes", Grafit Verlag Dortmund, 347 Seiten, 9,90 Euro.