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Historiker testen römische Feldgeschütze auf dem Föhrener Flugplatz

Historiker testen römische Feldgeschütze auf dem Föhrener Flugplatz

Feldgeschütze haben eine wichtige Rolle bei der Kriegsführung der römischen Truppen gespielt. Wie diese funktionieren, das untersuchen zurzeit Wissenschaftler aus Trier und Hamburg mit rekonstruierten Waffen auf dem Flugplatzgelände in Föhren (VG Schweich).

Föhren. Der Tod kommt lautlos. Hunderte Meter ist die römische Armee mit ihren Feldgeschützen noch entfernt. Und doch schlagen dicke Pfeile in die Reihen der gegnerischen Truppen ein - bis zu 200 pro Minute kann eine Legion abfeuern. "Es gibt kaum einen Schutz gegen diese Bolzen mit Eisenspitzen", sagt Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier. "Sie durchschlagen Helme und Schilde ohne Probleme." Keine Chance für die Gegner, wenn sie in Feldschlachten gegen das römische Militär antraten.
"Bei einem Schussversuch auf Rüstungen haben wir festgestellt, dass die Spitzen eine solche Hitze entwickeln, dass die Rüstungen angeschmolzen werden." Die Wucht ist so groß, dass die Geschosse beim Versuch fast vollständig im Boden versinken und teilweise mit Metalldetektor gesucht werden müssen.
Wie groß die Durchschlagskraft wirklich ist, das erforschen Schäfers Team und ihre Kollegen von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) in Hamburg noch bis heute auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 41 der Bundeswehr auf dem Flugplatz Föhren, die damit, so Direktor Wolfgang Wolf, Amtshilfe leistet.Vier Geschütze im Einsatz


Vier Geräte haben die Historiker für ihre Versuche dabei: zwei aus dem ersten Jahrhundert vom Typ "Teruel" und zwei aus dem dritten Jahrhundert vom Typ "Orsova". Ausprobiert wurden sie schon 2012 am Harzhorn im Kreis Northeim, wo im dritten Jahrhundert eine germanisch-römische Schlacht stattgefunden hat. Nun sollen Ergebnisse her.
Die Rekonstruktion der Katapulte, die Anfang 2011 an den beiden Unis sowie am Gymnasium Schloss Ising in Bayern erfolgte, sei schwierig gewesen, sagt Schäfer. Schriftliche Auszeichnungen gibt es nicht, nur Metallteile sind noch erhalten. Auch über die Leistungsfähigkeit fehlen Daten. Technische Unterstützung erfuhr das Team von Ingenieur Hans Berg, der die Pläne für die Rekonstruktionen anfertigte.
Vieles ist noch in der Testphase. So wird geprüft, ob das Orsova-Modell mit außenliegenden Armen ausgestattet war oder mit innenliegenden, wie Clemens Koehn (37) von der HSU vermutet. "Damit können wir ein gutes Stück weiter schießen", hat er festgestellt. "Wir nähern uns dem Original an", ist sich Schäfer sicher. Zudem sei untersucht worden, ob sich die Geschütze aus dem ersten Jahrhundert nur für leichte Bolzen von einem Zentimeter Durchmesser eignen oder auch für dickere. "Es geht beides", sagt Schäfer. "Das hat uns überrascht." Wie weit und wie präzise die unterschiedlichen Bolzen fliegen und wie sie sich in der Luft verhalten, auch das testen die Wissenschaftler.
Ballistiker Uwe Chalupka von der HSU untersucht die Flugbahn und die Geschwindigkeit der Bolzen mit einem Stereokamerasystem. Es ist ein Versuch im Versuch, denn seine Methode befindet sich im Prototypenstadium. "Ich teste zugleich, ob sie sich für Flugbahnberechnungen eignet", sagt der 32-Jährige. Entscheidend für die Durchschlagskraft der Bolzen sei deren Anstellwinkel bezüglich der Flugbahntangente. Je flacher der Anstellwinkel ist beziehungsweise je senkrechter der Pfeil auf ein Ziel treffe, desto stärker sei sie.

Extra

Die römischen Geschütze funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie ein Bogen. Jedoch dreht sich beim Zurückziehen der Arme ein Bündel aus Rosshaar und baut Spannung auf, die die Sehne mit dem Holzbolzen nach vorne schnellen lässt. Bei den beiden Modellen vom Typ "Teruel" (Foto ganz links), nachgebaut von der Uni Trier, werden die Arme mit einem Ratschensystem gespannt. Sie unterscheiden sich darin, dass bei einem der Schusswinkel des Katapults manuell eingestellt wird, beim anderen fixierbar ist. Sie erreichen eine Schussweite von etwa 200 Metern. Die beiden Feldgeschütze Typ "Orsova" haben eiserne Verbindungsstangen und Spannbuchsen, die die Holzarme entweder nach innen oder nach außen ziehen. Dabei wird ein solcher Druck aufgebaut, dass sie per Umlaufrolle gespannt werden müssen. Die Bolzen fliegen bis zu 350 Meter weit. mehi