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Hochklassig und dünn gesät

Hochklassig und dünn gesät

Von 140 Konzerten der Villa Musica sind nur elf in der Trierer Region zu hören. Die Organisatoren sind auf Veranstalter vor Ort angewiesen.

Trier/Mainz Das Konzept hat sich bewährt - im Grundsatz jedenfalls. Seit ihrer Gründung in den 1980er Jahren hat die Mainzer Landesstiftung Villa Musica beharrlich das Ziel verfolgt, den Nachwuchs zu fördern und dem Konzertbesucher zugleich erstklassige Kammermusik zu präsentieren. Dazu setzt das Mainzer Team mit Alexander Hülshoff als künstlerischem Leiter und Karl Böhmer als Geschäftsführer auf die Doppelstrategie Kurs plus Konzert. Junge Musikerinnen und Musiker, die dabei sein wollen, müssen sich einem Probespiel unterziehen. Führt das zum Erfolg, werden die Stipendiatinnen und Stipendiaten drei Jahre lang regelmäßig in die Akademie für Kammermusik im Schloss Engers bei Koblenz eingeladen. Gemeinsam mit den Dozenten, in der Regel Musiker von Weltruf, treten sie danach im Land auf. Die künstlerischen Ergebnisse sind in aller Regel exzellent.
Für die Trierer Region schleppt sich indes ein Defizit weiter, das von Anfang an bestand und nicht umstandslos zu korrigieren ist. Die Veranstaltungen der Villa Musica konzentrieren sich auf die Rheinschiene - nachvollziehbar angesichts der Besiedlungsdichte im Vergleich zum Trierer Raum und dennoch für Trier und Umgebung problematisch.
Von gut 140 Villa-Musica-Konzerten insgesamt finden gerade mal elf im Trierer Bereich statt -außer Trier noch in Bernkastel, Schweich, Wittlich, Konz, Malberg, dazu eine Veranstaltung für Kinder in Echternach. "Eine strategische Planung steckt nicht dahinter", betont Villa Musica-Geschäftsführer Karl Böhmer. Das Problem liege in den Details - in mangelnden Terminabsprachen vor allem - und überhaupt im eher lückenhaften Kontakt zur regionalen Kulturszene. Böhmer: "Wir sind im Trierer Raum unbedingt auf Veranstalter angewiesen. Wenn die sich bei uns melden, reagieren wir auf jeden Fall." In Wittlich jedenfalls funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Kulturkreis bestens. Und auf der Konzertliste der Villa Musica erscheint in dieser Saison erstmals das Cusanus-Geburtshaus Bernkastel-Kues. Dessen Leitung hatte die Initiative ergriffen und in Mainz angefragt. "Da haben wir natürlich reagiert."
In Trier allerdings kommt ein Spezialproblem dazu. Im Kurfürstlichen Palais trifft die Villa Musica auf die seit 60 Jahren aktive, anspruchsvolle Reihe der Kammermusikalischen Vereinigung. Nach Unstimmigkeiten in den ersten Jahren kamen Villa Musica und Kammermusikalische Vereinigung bislang elegant aneinander vorbei - die Villa Musica beschränkte sich in den ersten Monaten auf ein Weihnachtskonzert und begann im Übrigen, wenn die Vereinigung ihre Reihe abgeschlossen hatte. In der neuen Saison scheint der Burgfrieden allerdings brüchig zu werden. Wenn die Villa Musica mit dem Gryphon Trio am 20. Oktober im Palais auftritt, liegt das erste Kammerkonzert der Vereinigung gerade mal zwei Tage zurück. Auch im März 2018 kommt es zu einer Beinahe-Kollision: Die "russische Nacht" der Villa Musica findet am 16. März 2018 statt, genau fünf Tage vor dem 5. Saisonkonzert der Kammermusikalischen Vereinigung am 21. März. Das löste beim Vorstand der Vereinigung leise Besorgnis aus. Karl Böhmer dementiert entschieden jede böse Absicht: "Unsere Terminplanung ist einfach schiefgegangen. Da hissen wir die weiße Fahne."
Die nächsten Konzerte von Villa Musica in der Region: 20. Oktober, 20 Uhr, Kurfürstliches Palais Trier: Gryphon Trio (Mendelssohn, Vincent Ho, Dvorak) 27. Oktober, 19 Uhr, Cusanus-Geburtshaus Bernkastel-Kues: Mozart Akademie Andreas Frölich (Werke von Mozart, u.a. Flötenquartett KV 285b und Klavierquartett KV 478) 4. November, Synagoge Schweich: "Musik in der Synagoge" mit dem Else Ensemble (Brahms, Hindemith, Schulhoff, Rabl) 10. November, 19 Uhr, Synagoge Wittlich: Ragna Schirmer und Stipendiaten (Clara Schumann, Schnittke, Dvorak). Mitveranstalter: Musikkreis Wittlich 17. November, 10 Uhr, Trifolion Echternach und 18. November, 17 Uhr, Kloster Konz-Karthaus: "Superhelden der Musik". Kinderstück mit Musik von Angelina Fischer 8. Dezember, 20 Uhr, Kurfürstliches Palais: Barockes Weihnachtskonzert mit dem G.A.P. Ensemble (Biber, Vivaldi, Scarlatti, Piani)