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Hochspannung, aber mit Tiefgang

Trier. Zwei Journalisten sind ungeklärten Frauenmorden auf der Spur, als plötzlich auch eine Kollegin verschwindet. Erstmals hat der Trierer Autor Rolf Ersfeld einen Thriller geschrieben, wobei er in "Spur der Eiskristalle" auch wieder tief in das Seelenleben seiner Protagonisten eintaucht.

Trier. Das neue Jahrtausend wollte sie noch erleben, die einstmals schöne Frau Stahl - doch ein Treppensturz macht ihrem Leben ein jähes Ende. Oder hat da jemand nachgeholfen? Und wieso blieb von der jungen Schneiderin Margot nur eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche? Man ahnt es: Ein Serientäter ist am Werk.
Falsche Fährten


Als ein schlaksiger Typ mit Fischaugen die schöne Lola verschleppt, meint man, diesen entlarvt zu haben - doch so leicht macht es Rolf Ersfeld seinen Lesern nicht: Der wahre Täter offenbart sich erst sehr viel später im Verlauf des 338-seitigen Romans.
Mit "Die Spur der Eiskristalle" hat der frühere Trierer Geschäftsführer einer Wirtschaftsinstitution seinen ersten Thriller vorgelegt. "Ich wollte gerne etwas Neues ausprobieren", sagt Ersfeld, der seit 2011 fünf Gesellschaftsromane veröffentlicht hat und Gründungsmitglied des Vereins Literatur-on-tour Saar-Hunsrück ist. "Jedes Buch hat ein spezifisches Thema und spielt in einem anderen Milieu."
So sind die Protagonisten diesmal Journalisten beim Tageblatt Westfalenfreund in Münster. Erneut vertieft sich der Autor genussvoll in das Spiel mit der Sprache und die abgründigen Seelenlandschaften seiner Figuren.
Da ist Phil, ein sanfter Naturbursche aus bescheidenen Verhältnissen, der um seine geliebte Lola bangen muss. Achim, sein Rivale um ihre Gunst, litt unter einem dominanten Vater und einer psychisch kranken Mutter. Auch die zarte Elli ist reich, aber lieblos aufgewachsen, was ihr zum Verhängnis wird.
Ersfelds Figuren begegnen sich in vielfältigen Verstrickungen, versuchen ihres Glückes Schmied zu sein und erliegen doch immer wieder schicksalhaften Wendungen - und eigenen Schwächen. "Ich wollte nicht einfach einen Krimi schreiben. Der Schwerpunkt sollte auf psychologischen Gesichtspunkten liegen." Dafür hat Ersfeld zahlreiche Gespräche geführt, auch mit Fachleuten. "Selbst scheinbar unbedeutende Handlungshinweise oder Details in den Charakterbeschreibungen ergeben einen Sinn, gehen am Ende auf wie eine mathematische Gleichung - nichts ist zufällig."
Krimis lese er gar nicht oft, sagt Ersfeld. "Es ist doch viel schöner, eine Landschaft oder eine Liebesszene zu beschreiben, als in Blut zu baden." Die ein oder andere grausame Szene kann Ersfeld dem Leser dennoch nicht ersparen.
"Die Spur der Eiskristalle" ist ein packender Thriller um einen Ritualmörder, dem es nicht gelingt, die eigenen Dämonen zu besiegen. Gleichzeitig besticht das Werk durch die präzise Zeichnung der Personen und die reiche Lebenserfahrung, die man dahinter spürt. DQ
Rolf Ersfeld, "Die Spur der Eiskristalle", IL-Verlag, Basel, 14,70 Euro.

Am Sonntag, 31. Mai, 13 Uhr, liest Rolf Ersfeld auf der rheinland-pfälzischen Buchmesse in Mainz. Am 18. Juli, 15 Uhr, ist eine Lesung in der Mayerschen Buchhandlung in Trier geplant.