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Hochwasser Kunst Restaurierung Dommuseum Trier

Kunst : Hilfe für ein kostbares Kleinod

Zwar geht die Hilfe für die menschlichen Opfer der Flutkatastrophe in jedem Fall vor. Gleichwohl bedarf auch das beschädigte kulturelle Erbe der Wiederherstellung. Ein Highlight der sakralen Goldschmiedekunst wurde jetzt im Museum am Dom in Trier restauriert.

Von Eva-Maria Reuther

 Trier „Hier ist noch ein ganz kleiner Rest Schlamm übrig“, sagt Stefan Schu. Vorsichtig dreht der Restaurator des Trierer Museums am Dom die feine Goldschmiedearbeit und betrachtet sie unter dem Mikroskop. Dann nimmt er ein dünnes Wattestäbchen zur Hand, um  den  winzigen Rest zu entfernen. Mit der kostbaren Turmmonstranz ist dem Haus, in dem der Experte die Sammlung betreut und als stellvertretender Leiter arbeitet, ein wahres Kleinod zur Restaurierung anvertraut worden. Die gotische Monstranz gehört zur Ausstattung der von der Flutkatstrophe im Ahrtal stark betroffenen Pfarrkirche  St. Laurentius in Ahrweiler. Wie viele andere Kunstschätze  und Zeugnisse der kulturellen regionalen Identität  blieb auch das rund 600 Jahre alte sakrale  Behältnis nicht von den Wassermassen verschont.

Monstranzen sind liturgische Geräte der so genannten Schaufrömmigkeit. In ihnen wird die Hostie als realer „Leib des Herren“ bei der Fronleichnamsprozession oder auf dem Altar zur Schau gestellt. Mit der Einführung von Prozessionen am Fronleichnamsfest  1273, bei dem die katholische Kirche „die bleibende Gegenwart Jesus Christus“ im Sakrament der Eucharistie feiert, stieg der Bedarf an Monstranzen sprunghaft. Turmmonstranzen gehörten zu den beliebtesten Erzeugnissen sakraler gotischer Goldschmiedekunst ihrer Zeit.  

Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung der Ahrweiler Monstranz geht weit über die Region hinaus. Die wertvolle Arbeit, deren Entstehung auf das frühe 15. Jahrhundert datiert wird, gilt als eine der frühsten ihrer Art. Umso besorgniserregender war ihr Zustand. „Die Monstranz war völlig mit Feinschlamm überzogen, der bis in die kleinsten Ritzen gedrungen ist “ berichtet Schu. „Man konnte das zum Teil nur unter dem Mikroskop erkennen“. Wie Schlämmkreide habe der Überzug gewirkt. Nachdem der  Restaurator die Monstranz auseinandergenommen hatte, musste sie in sensibler Kleinarbeit vorsichtig mit Wattestäbchen und feinen Bürsten gereinigt werden. „Die Schwierigkeit war, in eben diese kleinsten Ritze zu kommen“, erklärt Schu. Nach der Reinigung, in die auch der  transparente Zylinder einbezogen wurde, der zur Präsentation der Hostie dient, konnte die Goldschmiedearbeit wieder behutsam zusammengesetzt werden und strahlt jetzt in alter Schönheit. Nicht nur kunsthistorisch ist die Ahrweiler Monstranz übrigens eine Berühmtheit. Sie ist auch eng mit der regionalen katholischen Religionsgeschichte und Frömmigkeit verbunden. So sind, wie in lokalhistorischen Berichten nachzulesen ist, die Ahrweiler Schützen stolz darauf, sich seit dem 13. Jahrhundert bei der Fronleichnamsprozession am Schutz der Monstranz und des „Allerheiligsten“ darin zu beteiligen. Bildsprache und Form des aus vergoldetem Silber und mit Email-Einlagen verzierten  Behälters  ist der gotischen Kathedralarchitektur nachempfunden. Über dem als Rose ausgebildeten Fuß ragt der Zylinder aus Bergkristall zur Präsentation der Hostie. Gekrönt wird   die Monstranz von einer dynamischen Plastik des heiligen Laurentius, dem die Pfarrkirche geweiht ist.

Neben der Monstranz wurden dem Museum  auch ein Kästchen mit Reliquien und die seidene Umhüllung einer Schädelreliquie überbracht, die aus der Reliquiensammlung des Klosters Kalvarienberg stammen und bei dessen Auflösung in die Obhut der Pfarrei kamen. Auch da galt es alles wieder in Form zu bringen. Nach der Trocknung und der Entfernung des gröbsten Schmutzes  konnte die verschlammte Seide vorsichtig abgesaugt werden und wie das Knochenmaterial vom Schimmelbefall gereinigt und desinfiziert werden.

Der schwer heimgesuchten Region  wenigstens auf diese Weise Hilfe zu leisten, war für das Haus selbstverständlich,  als sich der damalige Bistumsbeauftragte für Reliquien an das Museum wandte. „ Natürlich helfen wir gern, wenn wir können“, sagt Museumsdirektor Markus Groß-Morgen. Auch er ist von der kunsthandwerklichen Qualität und formalen Klarheit der Monstranz begeistert. Ein Glück, wie Groß-Morgen betont, dass das Haus einen eigenen ausgebildeten Restaurator beschäftigt. „Sonst hätten wir uns nach einem geeigneten Spezialisten umsehen müssen“ so Groß-Morgen.