Horrornacht im Theater Trier: Besucher erleben wahlweise mehrere Arten des Schreckens

Horrornacht im Theater Trier: Besucher erleben wahlweise mehrere Arten des Schreckens

Ist es Illusion oder Wirklichkeit? Diese Frage stellt sich gelegentlich beim Theaterbesuch, so auch bei der dritten Trierer Horrornacht im Theater Trier.

Dritte Trierer Horrornacht im Theater Trier. Foto: Christoph Strouvelle

Insgesamt 75 Darsteller aus der Sparte 0.1, darunter "alte Hasen" und Neulinge, die ihr Debüt am Theater geben, wie Spartenleiter Marc-Bernhard Gleißner berichtet, laden am Abend vor Halloween zum Gruseln an den Augustinerhof.

Vier Typen verschiedenen Horrors haben die beiden Studenten Martin Beyer (30, Inszenierung) und Janine Westphal (29, Inszenierung/Autor) in ihren Stücken vorgegeben: Psychohorror, blutige Darstellungen nach Art des Splatter- und Goregenres, medizinischer Horror und psychologisch-erotischer Grusel sind die Komponenten der vier voneinander unabhängigen Geschichten des Abends. Wer alle Varianten erleben wollte, musste den ganzen Abend investieren, alle Stücke wurden hintereinander vier Mal aufgeführt.

Insgesamt 240 Theaterbesucher konnten sich in Gruppen durch diese verschiedenen "Traumata" führen lassen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Eingangsbereich, Außengelände, Flure, Zuschauerränge, das Studio, nahezu alle Räumlichkeiten des Theaters haben die Mitwirkenden des ersten Traumas auf der Suche nach der verschwundenen Sina durchforscht, bevor sie sich mit den anderen drei Gruppen im Herz des Theaters, der großen Bühne, wieder getroffen haben. Hier fanden am Ende alle vier Handlungsstränge zusammen.

Bei der Einführung in die Horrornacht haben einige der vielen jungen Besucher noch geschmunzelt. Denn mit einem Schuss Humor sind sie gewarnt worden, dass das Theater keine Haftung für den Verlust von Gliedmaßen und Organen übernimmt. "Lassen Sie sich darauf ein, das traumatische Theater zu befreien", stimmt ein Butler das Publikum ein. Und auch der Kasernenhofton einer vermeintlichen Krankenschwester reizt viele Besucher zum Lachen.

Doch schon bei der zweiten Station der interaktiven Suche nach dem verschwundenen Mädchen Sina weicht das Kichern einem betroffenen Schweigen. Zu vehement bittet die vermeintliche Mutter Besucher um Hilfe, zu eindrücklich schildern grau kostümierte Persönlichkeiten mal leidend, mal kindlich-naiv die Qualen, die das verschwundene Mädchen erleiden könnte, ohne dabei zu konkret zu werden. Doch gerade durch die Anspielungen entstehen in den Gehirnen der Besucher Bilder des Schreckens - Kopfkino pur. Doch was wohl kaum einer der Besucher auf der Suche nach Sina ahnt: Hier liegen Geschehnisse zu Grunde, die sich tatsächlich in Deutschland und Europa so zugetragen haben. "Wir wollen realistischen Horror zeigen", sagt Westphal.

Teils gehöre auch ein historischer Kontext zum Horror, so Spartenleiter Gleißner, immerhin stand einst ein sogenanntes Erziehungshaus und Landarmenhaus dort , wo heute Rathaus und Theater stünden. Für die Besucher der dritten Trierer Horrornacht ist der gespielte Schrecken nach einer Stunde vorbei. Was davon tatsächlich wahr ist, lässt sich für sie kaum erahnen.

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