Hürdenlauf auf vier Saiten

Hürdenlauf auf vier Saiten

Vielleicht ist es das technisch anspruchsvollste Konzert der Cello-Literatur. Mit der "Sinfonia concertante" hat Sergei Prokofjew, unterstützt vom jungen Mstislaw Rostropowitsch, einen virtuosen Hürdenlauf geschrieben. Truls Mørk und das Orchestre Philharmonique unter Juanjo Mena sind den Ansprüchen dieser Musik gewachsen.

Luxemburg. Die Anspannung steht ihm im Gesicht. Auch für einen Ausnahme-Cellisten wie Truls Mørk ist Prokofjews "Sinfonia concertante" kein Spaziergang. Prokofjew und der damals 20-jährige Rostropowitsch haben einen virtuosen Hürdenlauf erfunden, der seinesgleichen in der Cello-Literatur sucht. Sogar bei Mørk schleichen sich in der Live-Situation des Luxemburger Sinfoniekonzerts ganz vereinzelt Ungenauigkeiten ein, winzige Momente, in denen die Konzentration nachlässt. Aber sogar in solchen Augenblicken zeigt sich: Da sitzt ein Weltklasse-Cellist auf dem Podium.
Große Spannweite


Der norwegische Musiker verzichtet darauf, mit überlegener Könnergeste technische Brillanz abzuliefern. Er dringt über die Technik in die Musik ein. Er demonstriert, welche Ausdrucksvielfalt auf dem Cello möglich ist. Prokofjew und mit ihm Rostropowitsch haben sie komponiert, und Mørk realisiert sie: die Spannweite zwischen rauher Basstiefe und hellklingendem Diskant, der Kontrast von Lyrik und Groteske, die Brillanz virtuoser Klangfiguren, die Wucht der Doppel-, Dreifach- und sogar Vierfachgriffe und, im Finale, die ausladende, beinahe triumphale Klanggeste. Und dazu entfaltet das Orchestre Philharmonique unter Gastdirigent Juanjo Mena eine Farbenfülle und eine Deutlichkeit des Musizierens, wie man sie beim Luxemburgischen Staatsorchester lange nicht erleben konnte.
Juanjo Mena - nach der Pause prägte sein Interpretationsstil das Konzert. Maurice Ravels "Rapsodie Espagnole" - ein farbenfroher, beweglicher, ein anschaulicher Ravel - nicht allzu konturenstark, aber sogar im virtuosen "Feria"-Finale unverspannt und euphorisch.
Und der Siebten von Jean Sibelius gibt Mena eine Rhetorik mit, die diese nur scheinbar nordisch-spröde Komposition in ein anderes, südländisches Licht rückt. Der abgekehrte, distanzierende, weltflüchtige Gestus des Beginns entwickelt sich zu einem hymnischen Tonfall. Und der düstere, abgeblendete Klang des Beginns öffnet sich Schritt für Schritt zu bewegender Fülle, Weite und Sinnlichkeit. Am Ende: 1100 beeindruckte Besucher.