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Humor mit dem Vorschlaghammer

Humor mit dem Vorschlaghammer

50 Jahre Mundstuhl? Aber sicher, sagen Lars Niedereichholz und Ande Werner, räumen dann aber ein, dass 50 Jahre besser klingen als 20 Jahre. Folgerichtig feiern die beiden Hessen ein falsches Bühnen-Jubiläum und haben für ihre aktuelle Tournee auch gleich den passenden Namen parat: "Mütze - Glatze. Simply the Pest". In der Tufa in Trier waren rund 230 Zuschauer dabei.

Trier. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Im November wollte das Duo in der Tufa auftreten, da kam eine Krankheit dazwischen. Im Januar folgte ein neuer Versuch - da scheiterte der Auftritt an einem Todesfall. Als die beiden Frankfurter nun im dritten Anlauf auf der Bühne standen, drehten sie den Spieß einfach um: "Ihr habt euch aber ganz schön bitten lassen, bis wir hier zusammengekommen sind." Mit Gelächter und lautem Beifall stellte das Trierer Publikum unter Beweis, dass man gerne gewartet hatte.
Mundstuhl und Humor, das ist eine schwierige Geschichte. Der selbst gegebene Name (nach einer durchzechten Nacht: "Das schmeckt wie Stuhl im Mund") macht schon klar, dass Freunde des feinsinnigen und hintergründigen Humors hier falsch sind. Mundstuhl sind laut, krachend und politisch unkorrekt. Nicht augenzwinkernde Pointen, sondern Kracher mit dem Vorschlaghammer bestimmen die Darbietungen des Frankfurter Duos. Wer sich darauf einlässt, hat unter Garantie ebenso viel Spaß wie die beiden Protagonisten auf der Bühne, die immer wieder mal kurz innehalten müssen, weil sie sich das Lachen nicht verkneifen können.
Altbekannte Figuren


Und wie das sich für ein Jubiläum - auch wenn es kein echtes ist - gehört, hatten Mundstuhl die Rollen und Figuren mitgebracht, die sie über die Jahre begleiteten. Als da wären Dragan und Alder, zwei jugendliche Türken; Peggy und Sandy, zwei sehr junge sächselnde Mütter mit dem Charme der ostdeutschen Plattenbauten und natürlich die beiden Friedensaktivisten ("No pressure - kein Druck!") Torben und Malte, die mit ihrem Liedbeitrag "Die rumänische Wanderwarze aus Siebenbergen, Peter Maffay" stimmlich verblüffend zu kopieren wussten.
Das Synonym für Maffay zeigt auf, in welchem sprachlichen Raum sich Mundstuhl bewegt. Wenn die Jung-Mütter Peggy und Sandy sich beispielsweise darüber austauschen, dass Justin "keine Arsch-, sondern eine Zangengeburt" war und dass Peggy es mit einem "Neger" treibt, weil der sie ausfüllt, dann ist das schon ein starker Tobak. Noch deftiger aber wird es, wenn die Rede auf Flüchtlinge kommt und sich die beiden zu der Aussage hinreißen lassen: "Erst heißt es, Refugees welcome - und dann will man mit deren Sitten und Gebräuchen nichts zu tun haben. Das hat man ja an Silvester gesehen." Das war dann schon hart an der Schmerzgrenze und längst nicht mehr komisch. Was aber kaum jemanden zu stören schien. Womit sich die Frage aufwirft, warum das so ist. Vielleicht liegt eine Ursache darin, dass es in Deutschland noch nie so politisch korrekt zuging wie in dieser Zeit. Möglich, dass der Normalbürger hin und wieder eine kleine Auszeit braucht und dann zu solchen Comedy-Shows geht, um wenigstens für eine kurze Zeit alle Vorgaben und Einschränkungen hinter sich zu lassen. flo