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Ibeyi verzaubern mit Elektrobeats und glockenhellem Sound

Ibeyi verzaubern mit Elektrobeats und glockenhellem Sound

Wenn 250 Zuschauer nach dem letzten Song geschlossen aufstehen und applaudieren, haben die Künstler auf der Bühne alles richtig gemacht. So erging es dem franco-kubanischen Duo Ibeyi am Donnerstagabend in der Rockhal.

Esch-sur-Alzette. Da sitzen ohne viel Schnickschnack zwei zuckersüße Mädels auf der Bühne im Club der Luxemburger Rockhal. Die eine lässig und langmähnig auf ihrem kastenförmigen Percussioninstrument Cajón, die andere mit wildem Afroschopf auf ihrem Hocker versteckt hinter dem Keyboard.
Die beiden sind Ibeyi, eine franco-kubanische Musikformation. Naomi und Lisa-Kaindé Diaz sind die Töchter des kubanischen Perkussionisten Miguel "Angá" Díaz, der Mitglied im Buena Vista Social Club war und mit Ibrahim Ferrer und Compay Segundo zusammen gespielt hat. Seit dessen Tod im Jahr 2006 haben die Zwillinge im Alter von elf Jahren begonnen, selbst Musik zu machen.
Im Club der Rockhal in Esch haben sie ihr Debütalbum "Ibeyi" vorgestellt und damit 250 Zuschauer schlichtweg verzaubert. Auf ihrem Album singen die beiden in vier Sprachen: Französisch, Englisch, Spanisch und Yoruba, ein Dialekt, der in Nigeria und Benin gesprochen wird. Ibeyi ist das Yoruba-Wort für "Zwillinge", und das sind die beiden tatsächlich.
Ihre Wurzeln spiegeln sich in ihrer Musik wider. Wie sanfte Wellen schwappen kubanische Rhythmen in die Clubsounds und die elektronischen Beats, die auch mal von kirchenähnlichen Gesängen umschmeichelt werden. Ihre glockenhellen, samtig-warmen Stimmen wechseln sich ab, gehen fließend ineinander über.
Obwohl einige Stücke ruhig sind, wie das nur von Piano und Cajón begleitete "Mama says", wird ihre Musik nie langweilig. Man will mehr von diesem Sound, der irgendwie in keine Schublade passen will. Er ist eben so erfrischend anders.
Was die Zwillinge besingen? In "Think Of You" rufen sie den Geist ihres Vaters an. In "Stranger/Lover" geht es um fremde Geliebte. Oder Gottheiten wie "Oya", die Herrscherin der Winde. Dann plötzlich fühlt man sich als Zuhörer ans Ufer eines Flusses versetzt und singt beglückt "Come to your River, wash my Soul".
Nach einer guten Stunde ist das Konzert zwar vorbei; die erste Platte umfasst nur 13 Songs. Doch am liebsten würde man sich die Stücke gleich noch einmal anhören - weil es so unglaublich schön war. MRA