"Ich bediene mehrere Schubladen"

"Ich bediene mehrere Schubladen"

Bekannt wurde Bjarne Mädel als Bürotrottel Ernie in der Serie Stromberg. Derzeit steht der Wahlberliner für die Eifel-Krimireihe "Mord mit Aussicht" vor der Kamera, für die er im September mit den Hauptpreis des Krimifestivals Tatort Eifel ausgezeichnet wird (der TV berichtete).

Trier. Gerade ist Bjarne Mädels erstes Buch, ein Gedichtband mit dem Titel "Glück reimt sich nicht auf Leben. Naja, so ist das eben!" erschienen. Im Interview mit TV-Mitarbeiter Manuel Schumann spricht der Schauspieler über seine ersten Schritte als Autor, Schubladendenken bei Schauspiern und seine Liebe zum Hamburger Fußball. Im Vorwort Ihres Buches schreiben Sie "Ich habe keine Ahnung, was genau sich der Verlag von der Veröffentlichung verspricht" ... Mädel: ... so ist es! Das ganze Buch ist ein Zufall. Alles fing mit einem Urlaub in Thailand an. Ich saß damals in einem indischen Restaurant und dachte mir: "Is ja kindisch, ich sitz in Thailand und ess indisch!" Diesen Reim fand ich amüsant, das war der Startschuss, danach habe ich immer wieder kurze Gedichte zu Papier gebracht - einfach so für mich und ohne einen Plan. Nach einem Talkshow-Auftritt haben sich dann plötzlich zwei Verlage gemeldet; die fanden meinen Auftritt offenbar unterhaltsam und wollten unbedingt, dass ich etwas schreibe. Ich habe denen dann erst mal erzählt "Leute, ich kann nicht schreiben, ich habe hier nur ein paar Gedichte". Aber die Herrschaften ließen zum Glück nicht locker. Viele Schauspieler beklagen sich über das Schubladendenken in den Medien. Ihre Schublade heißt "Lustig". Warum haben Sie ein humorvolles Buch geschrieben? Mädel: Im Buch haben sowohl Tragik als auch Albernheit ihren Platz. Mir war wichtig, dass es nicht von vorne bis hinten lustig ist. Es gibt Gedichte über Selbstmordgedanken und andere ernste Themen. Ich bediene also mehrere Schubladen. Stört Sie Ihre "Lustig-Schublade"? Mädel: Ich habe nichts gegen Humor. Es gibt aber viele verschiedene Sorten davon. Ich finde es schade, wenn mich Leute auf eine Sache festlegen. Bei Ihnen ist es die Rolle des Ernie in "Stromberg". Mädel: Ja. Ich bekomme schon Angebote, fast identische Rollen zu spielen, eins zu eins den Trottel bitte schön. Nehmen wir die Serie "Mord mit Aussicht", meine Rolle: ein Dorfpolizist in der Eifel. Und im vergangenen Jahr erhielt ich doch glatt das Angebot, einen Dorfpolizisten im Harz zu spielen, der auch eine entsprechende Chefin hat. Das ist schon erschreckend, ich dachte sofort: Leute, das spiele ich doch schon in der ARD, das kann ich doch nicht noch mal auf einem anderen Sender machen. Aber so ist eben das Geschäft, ich sehe es eher als Lob an für meine Arbeit. Aber: Viele Regisseure und vor allem Redakteure könnten mutiger sein, ganz klar. Zum Glück bin ich zurzeit privilegiert, ich kann mir meine Rollen aussuchen und Angebote absagen - das ist purer Luxus! Was ist schlimm daran, wenn ein Schauspieler immer wieder ähnliche Rollenangebote annimmt? Mädel: Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ein Schauspieler sagt: "Ich habe meine Paraderolle gefunden - und dabei bleibe ich." Es ist ja auch immer eine Frage der Glaubwürdigkeit. Mir würde der Zuschauer auch nicht jede Rolle abnehmen. Als Latin Lover wäre ich sicherlich eine Fehlbesetzung. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass jeder Darsteller eine bestimmte Palette draufhat; jeder Schauspieler muss variieren können. Dass er dabei an Grenzen stößt - auch an körperliche -, ist völlig normal, man muss sie nur kennen. Ich spiele immer wieder Rollen, mit denen ich die Grenzen meiner Glaubwürdigkeit auslote. Sie drehen parallel Filme und Serien, zusätzlich spielen Sie auch noch Theater - wann erholen Sie sich? Mädel: Ich finde es schwierig, darüber zu sprechen. Denn es gibt viele Kollegen, die nichts zu tun haben und dringend neue Aufträge brauchen. Wenn ich hier cool rumsitze und sage "Oh, ich bin so kaputt, ich drehe ein Ding nach dem anderen" komme ich mir wahnsinnig arrogant und blöd vor. Wo kommen Sie zur Ruhe? Mädel: Der Klassiker: Sonne und Strand. Wenn ich eine Woche "Sofaurlaub" mache, kann ich mich nur selten entspannen. Dann klingelt nämlich ständig das Telefon. Sehr gut abschalten kann ich auch beim Fußballgucken, ich konzentriere mich dann 90 Minuten auf\'s Spiel - Entspannung pur! Das ist ein bisschen wie nachts Auto fahren auf der Autobahn; man ist konzentriert, aber nicht angestrengt. Apropos Fußball: Sie sind leidenschaftlicher HSV-Fan ... Mädel: ... ja, und damit zwangsläufig leidgeprüft. Jedes Jahr das gleiche Ärgernis! In der nächsten Saison kommt wahrscheinlich wieder die Phase, in der alle nach oben schielen und sagen "Da geht doch was - Europa wir kommen!", stattdessen kommt dann aber wieder der bekannte Absturz. Wie oft stehen Sie selbst auf dem Fußballplatz? Mädel: Ich komme leider nicht dazu. Es würde mir und meiner Lunge aber definitiv guttun.