"Ich bin ein Soldat": Musiker James Blunt im Volksfreund-Interview

"Ich bin ein Soldat": Musiker James Blunt im Volksfreund-Interview

Vor seinem Auftritt in Trier am kommenden Samstag spricht James Blunt über seine Musik - und ein bisschen über sich selbst.

Anfang des Jahres ist sein neues Album "The Afterlove" erschienen, seit Oktober tourt der britische Sänger James Blunt durch Deutschland. Fans aus der Region haben am Samstag, 4. November, in der Arena Trier Gelegenheit, seiner speziellen Stimme zu lauschen. Warum man ihn an diesem Tag mit dem Fahrrad in der Stadt antreffen könnte und warum er mit einem Song erfolgreich ist, den er eigentlich schon weggeschmissen hatte, erklärt er im TV-Interview.

Haben Sie je von Trier gehört? Schließlich ist die Stadt im Vergleich zu den Metropolen, in denen Sie sonst auftreten, eher klein ....
James Blunt: Ich war noch nie da, aber ich habe davon gehört. Wenn wir auf Tour gehen, ist das so: Einer meiner Bandkollegen hat die Aufgabe, jeden Ort vorab zu googeln. Denn jede Stadt auf der Tour ist eine neue Erfahrung. Und meist ist es auch so, dass die Konzerte dort am aufregendsten sind, wo ich vorher noch nie aufgetreten bin.

Haben Sie denn überhaupt Zeit, sich die Orte auf der Tour anzusehen?
Blunt: Definitiv. Dafür nehmen mein Team und ich Fahrräder mit. Damit fahren wir an jedem Tag ein bisschen raus. Mir ist das wirklich wichtig. Gerade in Deutschland. Berlin ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsplätze hier, aber auch Hamburg oder Köln. Überall bin ich mit dem Fahrrad unterwegs.

Sie touren auf der ganzen Welt, was macht die Auftritte in Deutschland so besonders?
Blunt: Als ich zehn Jahre alt war, habe ich in Deutschland gelebt, in einem Ort namens Soost. Deshalb ist jede Reise hierher ein bisschen wie nach Hause kommen.

Heute leben Sie mit Ihrer Familie auf Ibiza. Warum lebt es sich so gut auf der Insel?
Blunt: Soweit ich weiß, fahren die meisten Deutschen lieber nach Mallorca. Da war ich natürlich auch schon. In Ibiza lebe ich aber vor allem wegen der Clubs und der Musikszene. Das sieht man auch auf dem neuen Album.

Inwiefern?
Blunt: Der Song "OK" ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe ihn aufgenommen und ich mochte ihn nicht. Auf Ibiza habe ich dann Robin Schulz getroffen. Als er von "OK" hörte, hat er sich die Aufnahme von der Plattenfirma besorgt. Im Gegensatz zu mir mochte er das Lied nämlich wirklich. Und er hat dann ein bisschen ,Magie' hinzugefügt. Und jetzt ist "OK" ein Riesenhit in Deutschland.

Der Song ist ein Hit, das zugehörige Album verkauft sich auch gut. Doch bevor es erschienen ist, haben Sie Folgendes getwittert: ‚Wenn ihr gedacht habt, 2016 war ein schlimmes Jahr - 2017 veröffentliche ich ein neues Album.' Wollten Sie mit Sarkasmus den Kritikern zuvorkommen?
Blunt: Ich bin ein bisschen wie Hugh Grant. Sehr britisch, sehr zurückhaltend. Und ich bin nicht unbedingt gut darin zu sagen: ,Hey, mein neues Album kommt. Es ist super, kauft es.' Ich bin kein Verkäufer.

Aber Sie haben Millionen Platten verkauft, ein gewisses Verkaufstalent muss also schon vorhanden sein.
Blunt: Ich schreibe die Songs. Ich nehme die Songs auf. Ich liebe es, mit den Songs aufzutreten. Und dann hoffe ich, dass die Musik für sich selbst spricht.

Das scheint angesichts der Verkaufszahlen auch zu funktionieren. Beinahe ebenso erfolgreich sind Sie aber auch auf Twitter, das fällt selbst Menschen auf, die (noch) kein Fan von Ihnen sind. ‚The Afterlove: Seine Musik ist jetzt fast so gut wie seine Tweets' schrieb zum Beispiel mal ein Nutzer auf dem Portal. Warum ist das soziale Medium für Sie so ein guter Weg zu kommunizieren?
Blunt: Eine Plattenfirma hat sich irgendwann mal über mich lustig gemacht. Sie sagten, ich sei einfach nur ein stiller Typ mit einer Gitarre, der miserable Songs singt. Ich glaube aber nicht, dass das wahr ist. Ich bin ein Soldat. Ja, ich schreibe Lieder über die Liebe. Aber ich schreibe auch über das Leben, über den Tod, über Drogenabhängigkeit, über Politik. Und ich habe Sinn für Humor. Auf Twitter kann ich das ausdrücken und den Leuten direkt zeigen, wie ich wirklich bin. Es ist eine Art Hinweis darauf, dass ich eben nicht so bin, wie viele mich sehen.

Das Trierer Publikum kann sich ja bald selbst davon überzeugen. Was erwartet die Leute denn, abgesehen von Songs aus dem neuen Album?
Blunt: Die Tour heißt nach dem neuen Album "The Afterlove Tour". Aber wir wisssen natürlich auch, dass die Leute auch die alten Songs erwarten, wenn sie Karten für die Show kaufen. Also werde ich natürlich auch "You're beautiful" oder "Goodbye my lover" und "1973" spielen.

Neue und alte Songs also. Wie wird die Show selbst?
Blunt: Ich bringe natürlich meine Band mit, mit denen ich jetzt seit insgesamt zwölf Jahren zusammenarbeite. Und ich kann sagen, sie lieben das Album. Die Songs vorher mochten sie sicher auch, sonst wären sie wohl kaum noch dabei. Jedenfalls, die Band ist dabei und sie ist voller Energie. Auch das Konzept der Show ist neu, ganz anders als alles, was die Leute bisher von mir kennen.

Auf dem neuen Album gibt es einen Song namens "Someone singing along". Darin wünschen Sie sich, dass jemand mit Ihnen singt. Sollte sich das Trierer Publikum besonders gut aufs Mitsingen vorbereiten?
Blunt: Definitiv. Eigentlich geht es in dem Song aber um Politik, um um genau zu sein, um Donald Trump. Die Botschaft ist, dass wir uns nicht von Politikern spalten lassen sollten. Auf meiner Tour durch die USA im Sommer habe ich den Song auch gespielt. Und ich hatte das Gefühl, dass die Leute ihn mochten.
Interview von Lisa BergmannInterview James bluntExtra: VOM MILITÄR IN DIE CHARTS


James Blunt wird 1974 in einem britischen Militärkrankenhaus geboren. Sein Vater ist Soldat, auch er selbst dient einige Jahre der britischen Armee. 1999 geht er mit der Nato in den Auslandseinsatz in den Kosovo. Danach quittiert er den Dienst und widmet sich der Musik. International bekannt wird Blunt 2005 mit dem Song "You're beautiful". Seit dem hat er fünf Alben veröffentlicht und knapp 20 Millionen Platten verkauft.

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