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"Ich gebe der Musik ein Gesicht"

"Ich gebe der Musik ein Gesicht"

TRIER/NEW YORK. Das Cover des mit einem Grammy prämiierten aktuellen Albums von Star-Jazzer Randy Brecker stammt aus Trier, gestaltet von Grafiker und Designer Boback.

Die frohe Botschaft kam nachts per E-Mail aus New York: "Randy hat den Grammy erhalten." Na fein, freute sich Boback und ärgerte sich dann doch ein wenig, dass er aus Zeitmangel nicht mit Plattenproduzent und Mail-Absender Joachim Becker zur Verleihung gedüst war. Wäre ja auch zu schön gewesen, die Herren Brecker und Boback im Big Apple beim gegenseitigen Schulterklopfen. Schließlich hat Boback einen offensichtlichen Anteil an Randy Breckers Erfolg: Der 41-jährige Trierer verpasste dessen mit einem Musik-"Oscar" dekorierten besten Jazz-Album "34th N Lex" die Optik. Als persönliche Auszeichnung dafür erhält er dafür demnächst eine Urkunde - wie alle anderen, die an Grammy-Prämiiertem maßgeblich mitgewirkt haben. Plattencover-Gestaltungen zählen zu den Spezialitäten des gebürtigen Iraners, der nach dem Abitur in London Anfang der 80er Jahre zu Besuch nach Trier kam und "hier hängen blieb". Seinen richtigen Namen ließ er zurück: Aus Babak Mossa Asbagholmodjahedin ("Ein Zungenbrecher, den sich niemand merken kann") wurde Boback oder kurz Bob, wie ihn seine Freunde nannten und er seine Agentur. BOB Design machte schnell Furore. Zu den ersten großen Auftraggebern gehörten die Diözesanstelle Berufe der Kirche (für die er eine Prospektserie kreierte) und die PR-Abteilung der Firma R. J. Reynolds in Köln. Image-Kampagnen wie "Camel in Art" weckten die Aufmerksamkeit der Musikindu-strie. Seit zehn Jahren gestaltet Boback auch CD-Cover für den internationalen Markt. Zunächst für Labels der Kölner Alex Merck Music Group, später unter anderem auch für Escapade/EFA und Sony Music. Die Zusammenarbeit mit dem Plattengiganten Sony öffnete weitere Türen, auch für den DVD-Markt.Das passende Bild zu den Klängen

Mehr als 70 CD-Verpackungen überwiegend aus dem Jazz-Bereich tragen die unverkennbare Handschrift des Kreativkopfes, der mit dem Anspruch "Ich gebe der Musik ein Gesicht" zu Werke geht; "Als Designer bin ich Übersetzer und Vermittler." Will meinen: Boback bietet maßgeschneiderte individuelle optische Umsetzungen des musikalischen Inhalts. "Geht nicht" gibt's nicht: "Ich komme immer zu einem Ergebnis, das den Künstler überzeugt." Auch wenn manche Künstler gerne zwei Dutzend Entwürfe zur Auswahl hätten. Meist aber gestaltet sich die Zusammenarbeit unkompliziert: "Viele Musiker lassen mir freie Hand und sich vom Ergebnis überraschen." Zu den Stammkunden zählen Bill Evans, für den Boback bereits ein halbes Dutzend Plattenhüllen kreiert hat, aber auch Maceo Parker und Joe Zawinul. Auf ein Genre festlegen lassen mag sich Boback nicht ("Ich finde es ungemein spannend, mit einer Vielfalt von Bildsprachen zu arbeiten"): Selbst Alben von Karl Moiks Musikantenstadl gibt er ein Zielgruppen-orientiertes Outfit. "34th N Lex" ist nach "Randroid" bereits Brecker-Album Nummer zwei, das den Vermerk "Cover con- cept/design: BOB Design, Trier, Ger- many" trägt. Der Grammy macht Boback nicht zuletzt deshalb "happy", weil er viel Mühe in das Cover investieren musste. Zur optischen Umsetzung der Hommage an Breckers "Heimatdistrikt" Manhattan standen lediglich fünf Fotos zur Verfügung. Daraus bastelte Boback eine collageartige Verschachtelung, die Appetit auf den Groove macht, den der 58-jährige Trompeter mit Bruder Michael und weiteren Spießgesellen wie David Sanborn, Ronnie Cuber und Fred Wesley entfacht. Die Firma BOB-Design hat Boback, der seit November 2003 eine Professur an der FH Trier (im Studiengang Kommunikationsdesign, Fach Zeichnen/Entwurf) inne hat, inzwischen seinem langjährigen Partner Andreas "Thrani" Thran (36) übertragen. Cover gestaltet er weiterhin. Derzeit in Arbeit: das Outfit für Dean Browns neue Scheibe. Bobacks Wunschtraum: "Einmal David Bowie ,covern‘."no/joa