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Interview Klaus Hoffmann
„Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen“

Klaus Hoffmann singt, schauspielert und schreibt seit 50 Jahren. Ein Allroundkünstler mit gewaltigem Erfahrungsschatz. 
Klaus Hoffmann singt, schauspielert und schreibt seit 50 Jahren. Ein Allroundkünstler mit gewaltigem Erfahrungsschatz.  FOTO: Karsten Jahnke Konzertdirektion
Trier. Vor seinem Konzert in Trier erzählt der Sänger Klaus Hoffmann im TV-Interview von seinen Erinnerungen an die Moselstadt, von Berlin, vom Musikgeschäft und seinem Antrieb, immer weiter zu machen. Von David Falkner
David Falkner

Sänger, Schauspieler, Buchautor – es gibt wenig, was der Berliner Klaus Hoffmann in seiner mehr als 40-jährigen Künstlerkarriere noch nicht gemacht hat. Bekannt ist der 67-Jährige vor allem für seine Chansons. Im Gespräch mit Redaktionsmitglied David Falkner gibt er Einblicke in seinen Schatz an Gedanken und Erinnerungen und wird dabei auch ein kleines bisschen sentimental.

Guten Tag! Von wo rufen Sie an? Aus Trier, ist das richtig?

Ja, richtig. Guten Tag, Herr Hoffmann.

Wissen Sie, welche wesentliche Erinnerung ich an Trier habe? Ich habe mir da mal einen tollen Wintermantel gekauft. Außerdem weiß ich, dass ich an einem Buch geschrieben habe, als ich das letzte Mal in Trier war. Ich saß in meinem Hotelzimmer, und da war so eine schöne, alte Wand. Die habe ich lange und gerne angesehen, und ja, daran erinnere ich mich.

Sie sind ja Ur-Berliner, Herr Hoffmann. Von Trier aus gesehen ist die deutsche Hauptstadt ziemlich weit weg. Was verbinden Sie denn noch so mit Trier außer alten Wänden und Wintermänteln?

Trier ist für mich vollmundig. Die Stadt liegt ja im Grenzgebiet zu Frankreich, und in solchen Grenzgebieten haben die Menschen immer eine besondere Mentalität. Auch wenn ich an die Europahalle denke, wo ich im März auftrete, dann ist das für mich durchaus mit Emotionen verbunden: Das ist ja kein Theater oder irgendeine Bühne, das ist ja ein riesiger Ort der Musik. Ich kann nicht sagen, dass ich alle Musik mag, die in solchen Hallen gespielt wird. Aber ich, als Sänger Klaus Hoffmann, schöpfe aus alten Liedern, und da passt mir die Europahalle mit ihrer Musikalität doch sehr gut.

Wie würden Sie Ihre eigene Musik denn beschreiben?

Der Chanson trägt mich, die Folkmusik und die amerikanischen Einflüsse. Immer Erzähler.

Ein wichtiges Thema Ihrer Musik ist Berlin. Was, denken Sie, macht die Hauptstadt für die Hörer interessant?

Den Zusammenhang zwischen Berlin und Städten wie Trier sehe ich in den Themen, die in allen Städten mehr oder weniger gleich sind. Wenn die Leute den Namen Berlin hören, dann denken viele an Touristen-Klischees, an volle Straßen und solche Sachen. Mir geht es aber um etwas Universelles, um das Gefühl, in der Stadt gefangen zu sein. Ich denke, ich mache es da ähnlich wie es beispielsweise Jac­ques Brel (belgischer Chansonsänger, die Red.) mit Paris gemacht hat: Er besingt die Stadt wie eine Frau. Und er bleibt der Liebende. Das Verändern, das Durch-Mauern-Gehen, darum geht es in meiner Musik. Da ist Berlin am Ende nur ein Beispiel, das gibt es auch anderswo.

„Leise Zeichen“ ist der Titel Ihrer aktuellen Tour. Ist das etwas, was Sie heutzutage betonen wollen? Leise Zeichen als Kontrapunkt zu unserer modernen Zeit, die oft als hektisch wahrgenommen wird, und in der es auch politisch wieder unruhiger geworden ist? Oder kommt das eher aus Ihnen selbst und hat wenig mit äußeren Einflüssen zu tun?

Es ist beides. Auf der einen Seite geht es um die gesellschaftliche Dimension, aber der Titel entspricht auch einfach meinem Charakter. Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen, und das machen die meisten Menschen, gerade momentan in dieser unruhigen Zeit, wo alle ziemlich verdeckt agieren und sich an die Realitäten anpassen.

Seit mehr als 40 Jahren stehen Sie auf Deutschlands Bühnen. Das ist natürlich auch ein gewaltiger Erinnerungsschatz. Was funktioniert im Musikgeschäft denn heute anders als früher?

In den 80er Jahren waren alle aufs Geld aus, allerdings sind sie das heute noch viel mehr. Aber damals war alles mehr menschenabhängig. Ich hatte Glück, ich traf viele Männer und Frauen, die mich weiterbrachten, die mich förderten. Die Leute wurden früher eher entdeckt. Heute, denke ich, werden die Künstler eher nur für kurze Zeit begleitet. Zudem habe ich das Gefühl, dass alle unter einem riesigen Druck arbeiten. Jeder sagt den Künstlern, wie sie zu sein haben und was sie zu tun haben, jeder weiß es besser als die Künstler selbst. Das ist doch enorm schwierig. Es war zu unserer Zeit auch so, man liebte aber mehr, man konnte sich das leisten, man flog ein bisschen höher. Nicht nur um der Kommerzialität willen. Also noch mal wollte ich das nicht machen – aber ich glaube, das stimmt nicht so, ich würde es immer wieder machen.

1975 ist Ihr erstes Album erschienen, seitdem kam alle zwei Jahre ein neues, und zwar ohne Pause. Ganz nebenbei haben Sie auch noch mehrere Bücher verfasst. Woher nehmen Sie diese Energie?

Das Schreiben ist für mich Lust und Frust, das ist die Art, wie ich mich äußere, ist ein wenig manisch. Das klingt jetzt ein wenig kokett, ist aber so. Mein Lebensmittel. Kunst eben, oder Kunststückchen, wie Franz Josef Degenhardt (deutscher Liedermacher, die Red.) es einmal von sich sagte. Aber ich vertreibe mir damit auch die Zeit. Ich erhalte mich so am Leben. Ich habe ja eigentlich als Schauspieler angefangen. Und will dahin auch wieder zurück, wenn das in meinem Alter noch funktioniert. Zu Beginn meiner Sängerkarriere habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass ich auch als Sänger eine Rolle spiele. Früher war mir in erster Linie wichtig, dass ich nicht irgendein Serienschauspieler werde. Heute denke ich, so eine Rolle als französischer Kommissar würde mir doch sehr gut stehen. Ich muss aber auch sagen: Das Sängerdasein erfüllt mich. Ich bin jetzt der Sänger, den ich mein Leben lang in mir gesucht habe. Mal sehen, was kommt.

Gibt es konkrete Pläne, zum Film zurückzukehren?

Nein, konkrete Pläne  gibt es nicht. Ich habe vor Jahren für meinen Roman „Der Mann, der fliegen wollte“ ein Drehbuch geschrieben, aber das wollten die Produzenten nicht haben. Es war ein langer Ritt, und dann ließ ich es ruhen. Aber ich bin dabei, ich schreibe bald einen neuen Stoff. Ich halte die Augen auf.

Klaus Hoffmann singt im Rahmen seiner Tour „Leise Zeichen“ am Mittwoch, 14. März, 20 Uhr, in der Europahalle in Trier.

Karten für das Konzert gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets