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Ich höre was, was du nicht hörst

Ich höre was, was du nicht hörst

Nicht nur für Ohrenärzte und Akustiker eignet sich die neue interessante Ausstellung im Casino Luxemburg. Um Hören als Instrument der Sinngebung geht es in der internationalen Schau namens "hlysnan".

Luxemburg. Hören ist mehr als die Wahrnehmung von Schall. Was das Ohr an Geräuschen sammelt, wird im Gehirn gespeichert, abgeglichen und in Sinnzusammenhänge umgesetzt. Wie wir unsere Umwelt und uns selbst erleben, was uns prägt, ängstigt und erfreut, hängt also ganz entscheidend davon ab, was und wie wir hören. In einer Zeit, die sich eher im Bild erkennt und über Bilder verständigt, hat sich eine bemerkenswerte Ausstellung im Casino Luxemburg, dem dortigen Zen-trum für zeitgenössische Kunst, des Hörens und seiner sozio-kulturellen Zusammenhänge angenommen.Der Ton ist das Bild

"hlysnan" heißt die Schau. Wer das "h" weglässt, erkennt schnell, dass in dem altenglischen Wort das Verb "to listen" (zuhören) steckt. Etwa 20 internationale Künstler demonstrieren, wie Bewusstseinsbildung über das Hören funktioniert und wie Menschen durch Hörereignisse manipuliert werden können.Thematisiert wird das Hören als Orientierungshilfe und unverzichtbares Instrument zwischenmenschlicher Kommunikation. Naturgemäß bleibt die Schau bilderarm. Der Ton ist hier das Bild. Dafür ist sie ausgesprochen interaktiv, eine echte Mitmachausstellung, die zudem hilfreich und erhellend ist, was die eigene Wahrnehmung angeht. Zu den interessantesten Beiträgen gehört die Installation mit Sprachaktivierung von Lawrence Abu Hamdan "Aural Contract Audio Archive". Über drei Konferenzmikrofone, wie man sie aus internationalen Gerichtshöfen kennt, können Besucher aus der Bestandsliste eines Audioarchivs einen Titel wählen. Dabei werden sie selbst Teil des aufgerufenen Geschehens. Ein gleichermaßen beeindruckendes wie beängstigendes Projekt ist Angie Atmadjajas stiller weißer Raum mit seinen schiefen Ebenen, in dem einzig ein feiner Ton Orientierung ermöglicht. Um Geräusche als Drohgebärde und Ausdruck politischer Macht geht es Susan Schuppli. Das witzigste, dabei allzumenschliche Projekt kommt aus dem Tierreich. Kader Attia hat den australischen Prachtleierschwanz beobachtet, einen Vogel, der in der Lage ist, Geräusche aus der Natur nachzuahmen, allerdings auch den Lärm von Sirenen oder Kettensägen. Die Leierschwanz-Damenwelt erhört den Bewerber, der die meisten Geräusche imitieren kann, auch wenn sie artfremd sind. Eine Art Hörspiel Theater haben Valerie Tevere & Angel Nevarez geschaffen.Bis 7. September, Öffnungszeiten: Montag,Mittwoch, Freitag 11 bis 19 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 bis 18 Uhr, Telefon: 00352/ 225045. casino-luxembourg.lu