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"Ich horche in mich hinein"

"Ich horche in mich hinein"

Auch wenn sie Mitglied des rheinland-pfälzischen Berufsverbandes Bildender Künstler ist, so ist Waltraud Thorsrud in Trier doch wenig bekannt. Ab heute widmet die Galerie Neuesbild in Trier den abstrakten Arbeiten der eindrucksvollen Malerin eine Ausstellung. Die Begegnung damit lohnt sich auf jeden Fall.

Trier. Sie wartet schon draußen an der Tür, damit ihre Besucherin nur ja keine Mühe hat, den Eingang zu finden. Waltraud Thorsrud ist eine fürsorgliche Gastgeberin. Oben im Wohnzimmer ist der Kaffeetisch gedeckt, der frische Kaffee aufgebrüht. Das Licht fällt durch die Scheiben des Glaserkers und lässt die stattliche Buche davor wie eine Zeichnung aussehen. Der passende Ausblick für eine Malerin, die von ihrer Arbeit sagt: "Das Licht und die Landschaften haben mich von jeher inspiriert."
Seit 2002 lebt die Künstlerin mit ihrem Mann in Trier, unweit des grünen Alleenrings und wie Waltraud Thorsrud lächelnd erklärt, mitten in Europa auf halben Weg zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer, einer der bevorzugten Regionen des weltläufigen Ehepaars. Als ausgesprochen anregend empfindet die Malerin die alte Römerstadt. Ihr Atelier hat die Künstlerin inzwischen aus der Dampfschiffstraße nach Hause unters Dach der Maisonette-Wohnung verlegt. "Das ist in meinem Alter etwas bequemer", sagt die zarte Frau, die so alterslos lebendig wirkt, dass man von Alter gar nicht reden mag. Die Ecke am Fenster nimmt der Arbeitstisch ein. Gegenüber steht eine Staffelei. Auf der Kommode sind bunte Farbtuben aufgereiht. An der Wand lehnen Waltraud Thorsruds neue Arbeiten, farbmächtige Gemälde mit lebhafter Binnenstruktur. "Ich bin ein Farbmensch", bestätigt die Malerin.
Die Farben, das Malen und Zeichnen hatten die 1929 in Mannheim geborene Wahltriererin schon als Schülerin begeistert. Ernst wird es mit der künstlerischen Auseinandersetzung dann nach dem Abitur, als sie ab 1951 an der Kunstakademie in Karlsruhe das Studium aufnimmt. Bedeutende Künstler wie der Expressionist Erich Heckel, Mitglied der berühmten Künstlervereinigung Die Brücke und Hap Grieshaber werden ihre Lehrer. Bereits 1954 stellt Waltraud Thorsrud in der Kunsthalle Baden-Baden aus und erhält erste Preise.
Den neuen künstlerischen Horizonten folgen schon bald andere. 1956 heiratet sie den norwegischen Diplom-Ingenieur Hans-Orvar Thorsrud und zieht mit ihm in die Welt. Aufenthalte in Afrika, in Persien und im Vorderen Orient folgen, bis sich schließlich das Ehepaar im schwedischen Malmö niederlässt.
Fasziniert vom Wüstenlicht


Bis heute schwärmt Waltraud Thorsrud von ihren Reisen und Auslandsaufenthalten: "Ich erlebte den Blauen Nil und die heiße Sonne Afrikas". Noch immer sei sie fasziniert, wie das gleißende Licht der mittäglichen Hitze und die glühende Wüstensonne, die Erscheinung von Landschaft und Menschen verändert und dabei eine sich ständig wandelnde Welt aus Licht und Schatten geschaffen hätten. Aber auch das kühle Licht des Nordens habe ihr Schaffen beeinflusst, berichtet die Malerin.
Lange waren Menschen das bevorzugte Thema der Künstlerin. Inzwischen hat sich die Außenschau weithin in die Innenschau verkehrt. "Meine neuen Arbeiten, vor allem meine Zeichnungen, erlauben mir, in mich hineinzuhorchen", sagt die Künstlerin nachdenklich. Tatsächlich sind ihre feinen Tuschzeichnungen mit ihren Labyrinthen und Strukturen, die auf den ersten Blick ganz klar wirken, bei näherem Hinsehen aber eine Vielzahl von Abweichungen und Verästelungen ausweisen, wie gezeichnete Wege zu sich selbst.
Bilder der Selbstbesinnung sind auch ihre abstrakten Gemälde mit ihren ausdrucksstarken Farben, ihren Einsprengseln, spontanen Farbverläufen und Irritationen. Es sind eindrucksvolle Gemälde, mit denen Waltraud Thorsrud in sich hineinhorcht, um ihren Weg zu sich selbst zu finden. Feinsinnig und voll emotionaler Kraft und Vitalität legt sie offen, was sonst keine Worte finden mag: Licht und Schatten im eigenen Innern, eben das, was Leben bedeutet.
Ausstellung Galerie Neuesbild, Kaiserstraße 32, Trier. 21. März bis 16. April, geöffnet donnerstags 17 bis 20 Uhr, samstags 12 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung, Kontakt: Telefon 0651/17098814, <%LINK auto="true" href="http://www.neuesbild.de" text="www.neuesbild.de" class="more"%>