Ich mache, was mir gefällt

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KÖLN. "Verdammt lang her" heißt nicht nur einer ihrer größten Hits. Seit sich BAP 1976 gegründet haben, ist viel Zeit vergangen. Jetzt gehen die Kölsch-Rocker zu ihrem 30-jährigen Bestehen auf Jubiläums-Tour. Am 2. September, 20 Uhr, spielen sie im Amphitheater Trier. Das Konzert präsentiert der Trierische Volksfreund.

Zum Jubiläum ist die CD "Dreimal Zehn Jahre" erschienen, auf der Sie einige Ihrer Hits mit Gästen neu eingesungen haben. Als Unterstützung haben Sie mehr junge Musiker als alte Bekannte gewählt. Wieso?Niedecken: Man soll auch merken, dass da Aufbruch drin ist. Eines der größten Probleme bei den ganzen Rückblicken für mich persönlich ist, dass ich teilweise abends im Bett liege und denke: ,Was machst du da eigentlich? Willst du unter Beweis stellen, dass du fertig bist?' Doch darum geht's überhaupt nicht. Es geht weiter. Zumindest muss der Tonträger dokumentieren, dass es keine Nostalgie-Veranstaltung ist. Auf dem BAP-Jubiläums-Album gibt's eine hochdeutsche Version von "Verdammt lang her" mit Thomas D. von den Fantastischen Vier. Haben Sie in Zukunft öfter vor, auf Hochdeutsch statt auf Kölsch zu rocken?Niedecken: Nein, das war auch ein Grund, wieso Major (Klaus Heuser, der frühere Gitarrist der Band) und ich mit dem Tauziehen angefangen haben. Er war immer viel mehr auf den kommerziellen Erfolg fixiert als ich. Es gab auch eine Zeit, in der die Plattenfirma uns gedrängt hat, Hochdeutsch, aber noch lieber Englisch zu singen. Bei "Ahl Männer aalglatt" wurden uns sogar zwei Texte vorgelegt, die wir mal probeweise auf Englisch aufnehmen sollten. Aber ich habe mich geweigert. Das war in den 80er Jahren. Heute hat sich das Selbstverständnis für Dialekte komplett geändert. Sie verabschieden sich immer mehr. Früher bist du morgens zum Bäcker gegangen, hast dir deine Brötchen geholt und noch ein Schwätzchen in deinem Dialekt gehalten. Und abends hast du in der Kneipe mit Kollegen an der Theke gestanden und auch kein Hochdeutsch gebraucht. Heute sitzt du vorm Fernseher, zappst dich durch 40 bis 50 hochdeutsche Kanäle. Wie bitte schön soll denn da der Dialekt überleben? Wie fällt Ihre persönliche Bilanz der vergangenen 30 Jahre aus?Niedecken: Ich wäre ungeheuer undankbar, wenn ich etwas an der Tatsache, dass ich 30 Jahre in Ruhe arbeiten, immer mein Publikum gefunden habe und mein Leben so führen konnte, wie ich es getan habe, rumzumeckern hätte. Ich hätte nie im Traum gedacht, dass mir das glücken würde. Als ich mich dazu entschieden habe, Malerei zu studieren, war das gleichzeitig die Einsicht, dass ich mein Leben nicht mit vollen Taschen führe, sondern meine Lebensqualität aus dem, was ich tue, ziehe. Ich verdiene mit meiner Berufung den Lebensunterhalt. Was wäre für Sie ein Grund, über das Ende von BAP nachzudenken?Niedecken: Ganz einfach: Wenn ich keine Lust mehr habe. Wenn ich mich als Popsänger, der radiotaugliche Hits singt und verkörpert hätte hinstellen müssen, müsste ich ganz anders drauf sein. Ich müsste mich komplett verstellen - und dann bin ich nicht gut. Das hätte ich nicht eine längere Zeit durchhalten können, sondern hätte mich zerbrochen. j Das Gespräch führte unser Mitarbeiter Marko Völke Karten gibt es in den TV-Pressecentern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 und online unter www.intrinet.de/tickets Tickets gibt es für jeweils 33 Euro im Vorverkauf Trier.