"Ich möchte nicht in einem Bleisarg enden"

"Ich möchte nicht in einem Bleisarg enden"

Im Jahr 2009 kam die erste Verfilmung des Stieg-Larsson-Bestsellers "Verblendung" ins Kino, heute läuft die Hollywood-Variante in Deutschland an. Dieses Mal mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig in der Hauptrolle.

Trier. Im Interview mit TV-Mitarbeiter Martin Schwickert spricht Daniel Craig über Unterschiede zwischen Schweden und Amerikanern, sein Verhältnis zu Wladimir Putin und den Dreh des neuen Bond-Films.Stieg Larssons "Verblendung" ist ein internationaler Bestseller. Wann sind Sie zum ersten Mal auf den Roman gestoßen?Daniel Craig: Wenn so ein Bestseller herauskommt und alle sagen: "Das musst du unbedingt lesen", reagiere ich meistens ablehnend, weil ich ein Buch für mich selbst entdecken will. Aber dem Roman konnte man damals einfach nicht entkommen. Ich habe es mir dann im Urlaub ausgeborgt und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es ist großartig geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander haben mich sehr fasziniert. Haben Sie damals schon beim Lesen gedacht, dass die Rolle des Journalisten Mikael Blomkvist genau das Richtige für Sie wäre?Craig: Da bin ich wie jeder Schauspieler. Wenn ich eine gute Figur in einem Buch entdecke, möchte ich sie auch spielen. Aber ich habe jetzt nicht meinen Agenten darauf angesetzt. Das hat sich einfach so ergeben.Sind Sie in letzter Zeit einer Romanfigur begegnet, die Sie gern spielen würden?Craig: Zurzeit lese ich eher Sachbücher. Zuletzt eines über Russland unter Putin ...Und jetzt möchten Sie unbedingt Wladimir Putin spielen?Craig: Nein, bloß nicht. Da würde ich doch zu sehr um mein Leben fürchten. Schließlich möchte ich nicht radioaktiv verstrahlt in einem Bleisarg enden.Wie wichtig war es für Sie, dass "Verblendung" auch wirklich in Schweden gedreht wird?Craig: Es gab Gerüchte, dass die Geschichte in die USA angesiedelt werden sollte. Das hätte ich nicht gemacht und David Fincher sicherlich auch nicht. Dies ist eine skandinavische Geschichte. Meine Figur raucht, trinkt, geht mit einer Frau nach der anderen ins Bett - er tut all die Dinge, die in den USA als inakzeptabel gelten. Stockholm und die nordschwedische Landschaft bieten den perfekten Hintergrund für diese Geschichte. Allein das Licht im düsteren schwedischen Winter - das kann man nicht künstlich herstellen.Der Roman wurde vor wenigen Jahren bereits in Schweden verfilmt. Hatten Sie keine Bedenken, in einem Remake mitzuwirken?Craig: So eine Geschichte mit David Fincher als Regisseur - das war ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen konnte. Dass es sich dabei um ein Remake handelte, war mir vollkommen egal. Vielmehr wollte ich das Projekt unterstützen, weil solche Filme, die sich explizit an ein erwachsenes Publikum richten, in Hollywood kaum noch gedreht werden. Dieser Film behandelt sehr wichtige Themen und setzt sich mit dem Missbrauch von Macht auf verschiedenen Ebenen auseinander. Ich habe die Hoffnung, dass, wenn dieser Film an der Kinokasse erfolgreich ist, andere Studios sich vielleicht auch wieder an solche Projekte herantrauen. Ich möchte im Kino wieder Werke wie "Der Pate" sehen, die beste Unterhaltung bieten und sich trotzdem mit eindeutig erwachsenen Themen beschäftigen.Wenn der Film erfolgreich ist, werden auch noch die beiden Folgeromane verfilmt, und Sie werden die nächsten Jahre allein mit James Bond und Mikael Blomkvist verbringen ...Craig: Was für einen Schauspieler ja ein sehr luxuriöses Problem ist. Ich habe unterschrieben, dass ich für zwei weitere Folgen zur Verfügung stehe und würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung gibt. Aber das liegt nicht in meiner Hand. Das ist eine ökonomische Entscheidung, die allein beim Studio liegt.Wie gehen die Dreharbeiten zum neuen Bond voran?Craig: Zurzeit drehen wir gerade in den Studios in London. Mit einem Regisseur wie Sam Mendes und einer Traumbesetzung von Ralph Fiennes über Javier Bardem bis zu Judi Dench genieße ich jede Minute beim Dreh. Stilistisch versuchen wir verschiede Themen aus den alten Bond-Filmen aufzunehmen.Es wird gemunkelt, dass Bond sich mit seiner Vorgesetzten "M" in die Wolle kriegt ...Craig: Dazu kann ich nichts sagen, aber ich persönlich habe mit "M" kein Problem ...

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