Ich sehe wen, den du nicht siehst

Ich sehe wen, den du nicht siehst

Der Berliner Komiker und Moderator Kurt Krömer wagt nach mehreren Nebenrollen mit einer skurrilen Liebeskomödie den endgültigen Sprung auf die Leinwand. Produziert wurde "Eine Insel namens Udo" von Andreas Breuer, einem gebürtigen Trierer.

Produzent Andreas Breuer. TV-Foto: Frank Göbel.

Trier. Udo (Kurt Krömer) hat ein Problem oder besser gesagt: eine Eigenschaft. Wirklich Probleme bereitet sie ihm nämlich nicht, seine Unsichtbarkeit. Wenn auch die Lichtstrahlen nicht einfach durch ihn durchsausen, ist dennoch irgendetwas an ihm (oder auch: nicht an ihm), dass er einfach von niemandem wahrgenommen wird, solange er einen nicht direkt anspricht oder anfasst.
Der junge Mann nutzt diesen Umstand gewinnbringend als Ladendetektiv - und bedient sich ansonsten sehr dreist selbst, trinkt Fremden den Espresso weg oder lümmelt sich zum Fernsehen neben Unbekannte auf deren Sofa - die sich weiterhin weigern, irgendeine Notiz von Udo zu nehmen.
Erst Jasmin (Fritzi Haberlandt) bricht den Bann: Sie kann Udo wahrnehmen. Natürlich ist es Schicksal, dann Liebe, die alles kaputt macht - Udo wird für alle sichtbar, und der Schlamassel ist da. Musste er sich bisher kaum kümmern, ob er überhaupt etwas anzieht und wenn ja was, oder was Umgangsformen sind, bedeuten Kleider- und Tischordnungen jetzt eine echte Herausforderung - vor allem auf dem Weg in Jasmins Herz ...
Wenn auch nicht die erste romantische Komödie mit spleeniger Hauptfigur, ist der Erstling des jungen Regisseurs Markus Sehr insgesamt doch eine erfreuliche Angelegenheit: Die abstruse Krankheit, die in einer Pseudodokumentation am Anfang erklärt wird, wird schön ausgespielt, die gut getakteten Gags variieren von hintersinnig bis brachial. Auch die Darsteller machen ihre Sache gut, vor allem Krömer. Der sagt übrigens nicht ein Mal "Kackbratze" und hat auch sonst nur wenig mit der Figur aus seinen Shows zu tun. Produziert wurde der Streifen von einem Trierer: Andreas Breuer, Jahrgang 73, in Trier geboren, in Konz aufgewachsen, hat in Bonn Literaturwissenschaft studiert. Ein engagierter Professor, der statt Bücher lieber Filme als Studienmaterial nutzt, infiziert ihn mit der Begeisterung für das Filmgeschäft - allerdings merkt er nach einigen Assistenzen, dass es ihn nicht so sehr zum klassischen Kreativjob des Regisseurs zieht: "Ich habe schnell gemerkt, dass ich das, was man als Regisseur braucht, eher nicht mitbringe. Ich kann gut organisieren und Ideen umsetzen - aber eher als Korrektiv als originär eigene Ideen anzubringen", erklärt Breuer bei der Filmpremiere im Trierer Broadway-Kino. "Aber auch das Produzieren ist auf jeden Fall eine kreative Tätigkeit - zum Beispiel ist man bei der Stoffentwicklung eingebunden, und das macht auch sehr viel Spaß."
Dass der erste lange Spielfilm der Produktionsfirma Hupefilm, die er mit zwei weiteren Kollegen eröffnet hat, gleich mit Kurt Krömer ein prominentes Zugpferd besitzt, erleichtere natürlich den Weg für andere Produktionen - überbewerten dürfe man den Effekt aber auch nicht: "Wenn wir mit dem Film auf 100 000 Zuschauer kommen, ist das schon gut", sagt er und: Nein, reich werde man mit so einem Film leider auch nicht. Aber immerhin wahrgenommen.
"Eine Insel namens Udo" läuft zurzeit nur im Trierer Kino Broadway.