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"Ich versuche, mich als Sänger zu behaupten"

"Ich versuche, mich als Sänger zu behaupten"

Bassist Pawel Czekala will vorerst in Trier bleiben, auch wenn er nach Ende der Theatersaison 2014/15 nicht mehr auf die Trierer Bühne zurückkehren wird. Im Rahmen der TV-Serie "Tschüss, Theater Trier", in der sich Publikumslieblinge wie Czekala von ihrer langjährigen Wirkungsstätte verabschieden, spricht er über seine Lieblingsrollen, schöne Erlebnisse und eine ungewisse berufliche Zukunft.

Trier. Sänger Pawel Czekala ist einer von vielen Künstlern, die das Theater Trier zum Ende der Spielzeit 2014/2015 verlassen mussten, weil ihre Verträge nicht verlängert wurden. Seit 2007 stand Czekala am Augustinerhof auf der Bühne; zunächst als Gast, doch die Festanstellung ließ nicht lange auf sich warten. Die Kritiker überzeugte der Sänger mit seinem warmen, wohlklingenden Bass, die Zuschauer mit seinem facettenreichen Spiel. Zum Beispiel als Vater Tewje in "Fiddler on the Roof" oder als Mörder Sparafucile in "Rigoletto".
Den neuen Intendanten Karl Sibelius konnte der Sänger zwar nicht von sich überzeugen, der Stadt Trier will er aber dennoch treu bleiben. Mit TV-Redaktionsmitglied Stefanie Braun hat Pawel Czekala über seine schönsten Erinnerungen an die Moselstadt und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.
Herr Czekala, was werden Sie am Theater Trier vermissen?
Pawel Czekala: Ich werde die Arbeit mit den Menschen vermissen. Mit manchen bleibt man zwar in Kontakt, aber es ist nicht mehr dasselbe, wenn man nicht mehr gemeinsam auf der Bühne steht. Oder hinter der Bühne. Durch die Arbeit entstehen Bindungen, beruflicher, aber auch privater Natur. Das geht natürlich zu einem Teil verloren, wenn man weggeht.
Gibt es eine besonders schöne oder besonders verrückte Erinnerung, die Sie im Gedächtnis behalten werden?
Czekala: Verrückt, aber auch wichtig war unser Kampf um den Erhalt des Dreispartenhauses. Dabei hat man auch andere Kollegen vom Theater kennengelernt, die man vorher gar nicht wahrgenommen hatte.
Was war Ihr Lieblingsstück oder Ihre Lieblingsrolle in ihrer Zeit am Theater Trier?
Czekala: Auf jeden Fall "Fiddler on the Roof" vom Anfang meiner Zeit in Trier. Aber es gab noch viele weitere schöne Inszenierungen, in jeder Spielzeit eigentlich mindestens eine. "Die Kluge" und "Die spanische Stunde" waren spannend, "Peter Grimes" und "Der Barbier von Sevilla" waren toll.
Auch "La clemenza di Tito (Titus)" aus der letzten Spielzeit ist zu einem meiner Lieblinge geworden.
Wie haben Sie die Abschiedsspielzeit erlebt?
Czekala: In dieser Spielzeit gab es mit "La clemenza di Tito" eine der schönsten Inszenierungen für mich. Aber natürlich war da auch viel Wehmut dabei, weil man vieles zum letzten Mal gemacht hat. Dieses "Das letzte Mal"- Erlebnis gab es immer und immer wieder.
Nach dem Abschied von der Trie-rer Bühne, wie wird es beruflich bei Ihnen weitergehen?
Czekala: Ich weiß es noch nicht genau. Ich will weiter vorsingen und versuche, mich als Sänger zu behaupten. Ich war schon bei ein paar Vorsingen. Aber ich möchte erst einmal in Trier bleiben und werde vorerst nicht umziehen.
sbra
Extra

Pawel Czekala wurde 1964 in Polen geboren. Er studierte von 1983 bis 1990 Klarinette und Gesang an der Universität Poznan. Nach dem Studium kam er aus privaten Gründen nach Deutschland und arbeitete zunächst als Gast am Theater Saarbrücken. Bis 2001 war er am Nationaltheater Mannheim. Dort wurde ihm 1996 der Arnold-Petersen-Preis für junge Künstler verliehen. Anschließend kam Czekala für sechs Jahre nach München ans Staatstheater am Gärtnerplatz. Seit 2007 sang er am Theater Trier. Zunächst als Gast, in der darauffolgenden Spielzeit aber schon mit einem festen Vertrag. sbra