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"Ich will alles mal ausprobiert haben"

Will mit dem Trierer Schauspiel neue Höhen erklimmen: Michael Ophelders.Foto: Friedemann Vetter
Will mit dem Trierer Schauspiel neue Höhen erklimmen: Michael Ophelders.Foto: Friedemann Vetter
TRIER. Am Samstag steigt die mit großer Spannung erwartete Saison-Eröffnungspremiere am Trierer Theater. In der Hauptrolle des "Cyrano de Bergerac" feiert Michael Ophelders sein Trier-Debüt unter der Regie des neuen Intendanten Gerhard Weber. ARRAY(0xfd313e38)

Theaterproben können ein beinharter Job sein. So wie sich Michael Ophelders anhört, müsste er eigentlich im Bett liegen. Heiser, von Hustenanfällen geplagt, das Taschentuch griffbereit neben dem Degen. "Geht's noch bei Ihnen?", fragt Regisseur Gerhard Weber besorgt. Ophelders nickt nur - das schont die Stimme. Es ist nicht mehr lange bis zur Premiere von "Cyrano de Bergerac". Ophelders spielt am Samstag zum ersten Mal diesen berühmtesten Ghostwriter der Literatur- und Theatergeschichte, der wegen seiner hässlich-langen Nase nur incognito mit seiner Angebeteten kommuniziert. Für Ophelders und Weber dürfte es ein ganz besonderer Abend werden, ist doch ihre Arbeit gleichzeitig das Debüt vor dem Trierer Publikum. Der neue Intendant will "eine großes Tableau auf die Bühne zaubern", ein "sinnlich erzählte Geschichte" über Liebe und Außenseiter, die "Tragödie eines hochbegabten Kerls", aber auch ein unterhaltsames Spektakel. Reichlich Ambitionen für einen einzigen Theaterabend - aber der Brotkorb hängt auch hoch, wenn man die in Trier traditionell dem Musiktheater vorbehaltene Saisoneröffnung kess fürs Schauspiel reklamiert. Michael Ophelders bringen solche Überlegungen nicht aus der Ruhe. Der 46-Jährige ist Hauptrollen gewöhnt. Nach Stationen in Stendhal, Regensburg und Osnabrück hatte er die Nase voll von der "Produktionsmaschine", arbeitete fünf Jahre lang frei. Jetzt reizt den "geborenen Team-Arbeiter" wieder die feste Ensemble-Arbeit, auch wenn es ihn "viel Kraft kostet, eine Obrigkeit über mir zu ertragen". In Trier hält sich das Risiko in Grenzen: Seinen neuen Chef kennt er aus Hannover, schätzt dessen "unglaublichen Elan und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren". Gemeinsam feierte man Triumphe in der Musical-Version von Shakespeares "Sommernachtstraum", die in zwei Open-Air-Spielzeiten über 50 ausverkaufte Vorstellungen verzeichnete.Geliebter Mix von Musical, Schauspiel, Cabaret

Ophelders liebt den Mix von Schauspiel, Musical, Chanson und Cabaret. Als freischaffender Künstler widmete er Otto-Reutter, Georg Kreisler und Ralph Benatzky eigene Abende, zog mit Süßkinds "Kontrabass" durch die Lande. Der steht ab dem 9. Oktober auch in Trier auf dem Programm, und geht es nach dem studierten Lehrer (für Musik und Sport), dann gastiert das Ein-Personen-Stück bei entsprechender Gelegenheit gerne in Bitburg, Daun oder Wittlich. Dass der Mann mit der deutsch-holländischen Doppel-Staatsbürgerschaft (deshalb spricht sich sein Name auch Op-helders aus, nicht Ofelders) irgendwann französische Fecht- und Dichtkünstler auf der Bühne verkörpern würde, stand nicht auf seiner Geburtsurkunde. Geboren in Essen, Vater Bergmann: Da träumt man eher von einer Karriere auf dem grünen Fußball-Rasen als auf den Brettern, die wenig Geld bedeuten. Das klingt klischeehaft, aber es passt: Montags steckt in Michael Ophelders Hosentasche stets der "Kicker", die Leib- und Magenlektüre nach stressigen Proben. Und wenn das Gedächtnis auch, wie in dieser Spielzeit, ein halbes Dutzend Rollen speichern muss: Da bleibt immer noch Raum für die Tabelle der 2. Liga, vor allem für die Platzierung von Rot-Weiß Essen - auch wenn die zurzeit, vom Moselstadion aus betrachtet, ein paar Ränge weiter unten liegt. Der Mann klingt, als könnte man Stunden lang mit ihm über Fußball und Theater philosophieren. "Ich will gerne alles mal ausprobiert haben", sagt er von sich. Die gleiche Experimentierfreude traut er auch dem Publikum zu, "wenn das, was die Leute sehen, wirklich klar und handwerklich solide gearbeitet ist". In Trier hat er da keine Zweifel. Zumal die Stimmung im Ensemble prächtig sei. "Man kommt an, und die Türen stehen auf", sagt er, und es wirkt nicht wie "fishing for compliments". Ob die Atmosphäre hinter den Kulissen sich auf das Publikum überträgt: Das wird sich am Samstag entscheiden. Premiere Samstag, 2. Oktober, 19.30 Uhr. Vorstellungen: 10., 12., 15., 17., 23., 30. Oktober. Karten: 0651/7181818