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"Ich will die Masse ansprechen"

"Ich will die Masse ansprechen"

Seine Berufung zur Literatur fand der Tawerner Autor Arno Strobel erst spät. Hauptberuflich arbeitet er in der IT-Branche. Nun gelang ihm mit seinem aktuellen Roman "Der Trakt" der Durchbruch. Das Buch stürmte in nur zwei Wochen auf Platz 19 der Spiegel-Bestsellerliste.

Tawern. (hpl) In der ersten Woche auf Platz 37, in der zweiten Woche bereits auf Platz 19 der Spiegel-Bestsellerliste. Arno Strobel aus Tawern (Kreis Trier-Saarburg) hat in kurzer Zeit das erreicht, wovon viele Schriftsteller träumen: auf eine Bestsellerliste zu kommen, die in vielen Buchhandlungen aushängt. Das gelang ihm mit seinem vor zwei Wochen erschienenen Roman "Der Trakt". In den Online-Foren überschlagen sich die Kritiken mit Anerkennung und Lob für seinen Psychothriller. Strobel hatte seinen ersten großen Erfolg mit "Magus", einem Vatikan-Thriller, den der Trierische Volksfreund veröffentlichte. TV-Redakteur Hans-Peter Linz sprach mit dem 48-jährigen Familienvater, der hauptberuflich im IT-Bereich einer Luxemburger Bank arbeitet. Der Roman "Der Trakt" handelt von einer Frau, die plötzlich in einer Klinik aufwacht, keine Ahnung hat, wie sie dort hingekommen ist, und feststellen muss, dass sich in ihrer gewohnten Umgebung plötzlich niemand an sie erinnert.

Wie kamen Sie auf die Idee, in Ihrem neuen Roman eine Frau zu beschreiben, deren Identität plötzlich völlig infrage gestellt wird?

Strobel: Die Grundidee wurde geboren, als wir mit einer Bekannten zusammensaßen, deren kleiner Sohn an dem Tag ziemlich anstrengend war. Irgendwann sagte sie entnervt: Ich stelle mir jetzt einfach mal für fünf Minuten vor, ich hätte keine Kinder. Mir kam spontan der Gedanke, wie sie wohl reagieren würde, wenn alle anderen ihr sagen würden, sie hätte keine Kinder. Ich hatte ein Thema für den nächsten Roman.

In der ersten Woche, nach drei Tagen, war "Der Trakt" auf Platz 37. Jetzt ist es auf Platz 19 der Bestsellerliste. Wie erklären Sie sich diesen enormen Erfolg?

Strobel: Das ist auch das Ergebnis des guten Willens des Buchhandels. Der Verlag hat fast jede deutsche Buchhandlung mit einem Leseexemplar bemustert. Das hilft enorm. Jetzt kommt in den nächsten Wochen die Bewährungsprobe, ob die Leute das Buch wirklich annehmen. Der Autor muss außerdem immer wissen, für wen er schreibt. Schreibt er für sich oder für eine gewisse Zahl an Lesern? Ich schreibe Unterhaltung und will die breite Masse ansprechen. Das muss man vorher schon wissen. Ich schreibe nicht für die elitäre Kultur. Meine Romane sollen unterhalten. Es würde mich weder wundern noch aufregen, wenn ein Kritiker, der bevorzugt hochliterarische Texte liest und rezensiert, mein Buch verreißt

Wo haben Sie dazu recherchiert?

Strobel: Hauptsächlich in Regensburg, wo der größte Teil der Handlung spielt. Wegen des medizinischen Hintergrundes hatte ich einige sehr interessante Gespräche mit Medizinern über Machbares und vielleicht irgendwann Mögliches.

Gibt es schon Pläne für eine Verfilmung?

Strobel: Es gibt meines Wissens zurzeit drei konkrete Anfragen zu den Filmrechten. Aber auch da heißt es, erst einmal abzuwarten, wie der Roman sich in den nächsten Wochen auf dem Markt platzieren wird.

Arbeiten Sie schon am nächsten Roman?

Strobel: Ich beende gerade die Arbeit an dem Trakt-Nachfolger, der "Das Wesen" heißt und ebenfalls wieder dem Genre Psychothriller zugerechnet werden kann. Geplanter Erscheinungstermin ist März 2011. Mitte der Woche treffe ich mich vor einer Lesung in Regensburg mit meinem Lektor vom Fischer-Verlag, um aus verschiedenen Ideen das Thema für das übernächste Projekt festzulegen. Tja, und dann geht das Schreiben an dem neuen Projekt los, worauf ich mich schon jetzt freue.

kurzkritik

Sybille Aurich erwacht in einer Klinik, in der sie gefangen gehalten wurde. Sie bricht aus und muss feststellen, dass sich niemand an sie erinnert. Sie geht auf die Suche nach den Ärzten, die das verschuldet haben, und macht eine schreckliche Entdecktung über sich selbst. "Der Trakt" ist ein flüssig geschriebener, packender und temporeicher Thriller, der sich zügig lesen lässt.(hpl) Arno Strobel: "Der Trakt", Fischer Verlag 2010