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"Ich zeige, was man nie sieht"

"Ich zeige, was man nie sieht"

LUXEMBURG. Robert-Schuman-Preisträgerin 2001 ganz groß: Das Luxemburger Casino zeigt eine spannende Werkschau der Multi-Media-Künstlerin Su-Mei Tse.

Keine Fotos außer den offiziell vertriebenen, möglichst kein Wortlautinterview und Terminnot sowieso: Keine Frage, Su- Mei Tse ist ein Star geworden. In der ersten Liga der internationalen jungen Kunst spielt inzwischen die Gewinnerin des Robert-Schuman-Preises 2001 (der TV berichtete). Der große Durchbruch kam übrigens zwei Jahre später mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig. Gerade hat die Künstlerin zudem den Edward Steichen Preis gewonnen. Jetzt jettet die Luxemburgerin mit den chinesischen und englischen Vorfahren durch die Welt: zum Stipendium nach New York, nach London und in Kürze zu einer Kunst Triennale nach Japan. "Ich muss mich organisieren", sagt die zarte junge Frau, deren künstlerische Energie alles andere als zart ist. Wer sie erlebt hat, weiß: In ihrer Arbeit gibt es keine Zufallstreffer, ihre Bildideen hat sie durchdacht und präzise ausgeführt.Experimentierfreudig: Nicht alles passt

Was Su-Mei Tse ins Bild setzt, beruht in der Regel auf eigener Erfahrung. Als Ventil oder künstlerisch überformte Nabelschau mag sie ihr Werk dennoch nicht verstanden wissen. "Ich will mich einfach nur in einer Sprache ausdrücken, die ich verstehe." Dass sie in ihren Foto- oder Videoarbeiten bisweilen selbst auftritt, spart einzig das Modell. Quasi als Heimspiel hat das Casino Luxemburg jetzt der Künstlerin eine große Retrospektive ausgerichtet, was mit 33 Jahren ein gleichermaßen spannendes wie vorläufiges Projekt ist. Viel Experiment ist in dieser Schau, nicht alles passt zueinander und die ein oder andere Arbeit ist in der Bildfindung zwar witzig, aber schlicht, wie das Kakteen Liebespaar oder die Bonsai Perspektive. Und auch die "Mistelpartitur" bedarf noch einiger Ebenen mehr, um als bedeutend zu gelten. Trotzdem lohnt sich die Schau. Zeigt sie doch auch eindrucksvoll die Stärken der Künstlerin: ihre reiche Fantasie, ihre poetische Kraft und ihre Ausdrucksvielfalt im Umgang mit ganz unterschiedlichen Medien. Ein großes Thema durchzieht Su-Mei Tses Werk wie ein Leitmotiv. Es ist der Autismus, die Zurückgeworfenheit des Menschen auf sich selbst. Die mit Abstand stärkste Arbeit dieser Schau ist denn auch ihr "Chambre Sourde" ( "Der geräuschlose Raum" ), eine Leihgabe der renommierten Peter Blum Galerie in New York. Die mit gelben, schallschluckenden Elementen und einem Schaumstoffboden rundum ausgestattete Kammer strahlt nach innen. Sie ist der Inbegriff der Intimität und der Selbstgenügsamkeit. Zusammenspiel von Bild und Musik

Eindringlich ist auch Su-Mei Tses Video "Echo", das eine Cellistin zeigt, die mit und gegen den Berg spielt. Der schroffe Felsen steht für die gewaltige Aufgabe der Kunst und das Ringen damit. "Ich zeige, was man im Endprodukt nie sieht", sagt Su-Mei Tse. Das gelungene Zusammenspiel von Bild und Musik, hat übrigens von Anfang an im Werk der ausgebildeten Cellistin und später studierten Künstlerin fasziniert. Die poetischste Arbeit im Casino ist das Video "Yellow Mountain" ("Der gelbe Berg"). Seine Hymne an die Sonne hat genug Witz, um nicht als Melodram zu verstimmen. Man darf weiter gespannt sein. Bis 5. Juni, Öffnungszeiten Mo, Mi, Fr 11 bis 19 Uhr, Sa, So 11 bis 18 Uhr, Do 11 bis 20 Uhr; 41, rue Notre-Dame, Luxembourg, Telefon: 00352/225045