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Igeler Säule im Rheinischen Landesmuseum Trier wird abgebaut

Weltkulturerbe : Kopie der Igeler Säule wird abgebaut - 300-Tonnen-Bauwerk birgt überraschende Fundstücke

Abschied von einem der populärsten Exponate des Rheinischen Landesmuseums in Trier: Die denkmalgeschützte Kopie der Igeler Säule im Innenhof des Museums wird abgebaut. Experten halten sie für einsturzgefährdet und nicht sanierungsfähig. Unter dem Gerüst gab sie bereits manches Schmankerl preis.

Die Igeler Säule, eine der neun Weltkulturerbestätten von Trier, steht seit 1750 Jahren an der Stelle, wo die reiche römische Tuchhändlerfamilie der Secundinier sie errichten ließ. Das 23 Meter hohe Monument hielt nicht nur Wind und Wetter stand, sondern auch dem Versuch, es im 16. Jahrhundert nach Luxemburg zu verpflanzen. Anders als das Original hat sich die Lebensdauer seiner Kopie im Rheinischen Landesmuseum in Trier nach 114 Jahren nun erschöpft. Die denkmalgeschützte Nachbildung des römischen Pfeilergrabmals ist akut einsturzgefährdet, erklärte Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, am Mittwoch auf der bereits laufenden Baustelle. Es sei „allerhöchste Zeit“, das Monument abzutragen, was er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ betrachte. „Es war unser mit Abstand größtes Exponat“, so Reuter. Das Werk von 1908 sei „eine Pionierleistung“ gewesen, die sich später noch durch seine farbige Bemalung gegenüber dem Original auszeichnete. „Es war eines der Highlights unserer Ausstellung.“  Nun hofft der Museumschef auf das Nachfolgewerk, eine Kopie der Kopie (Duplik).

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Kopie der Igeler Säule im Trierer Landesmuseum wird ersetzt

Eigenes Team für 300-Tonnen-Bauwerk

Dass dieses Projekt für den Landesbetrieb Liegenschafts-Baubetreuung (LBB) aus dem Rahmen fällt, unterstrich dessen Trierer Leiter Wilfried Hoffmann. Der LBB habe eigens ein Team von Mitarbeitern gegründet, um den denkmalgerechten Anforderungen wie der 300 Tonnen schweren Säule gerecht zu werden.  Für deren Abbau, die Einlagerung einzelner Teile sowie einen 3D-Scan für den Wiederaufbau einer Kopie rechnet der LBB mit Kosten von rund 450 000 Euro.

Die Entscheidung, Platz für eine Duplik zu machen, habe sich nach Baubeginn Anfang Dezember als unumgänglich erwiesen, berichtete Restaurator und Kunsthistoriker Michael Hauck, der als unabhängiger Berater das Projekt begleitet. Die Bausubstanz sei dermaßen marode, dass dringend Abhilfe geschaffen werden musste: „Während das Original aus Sandstein-Werksteinen und damit im Wesentlichen aus einem einzigen Material besteht, wurde die Replik für das Landesmuseum mit verschiedenen Materialien und technisch völlig anders ausgeführt“, erklärte Hauck. „Die Bauweise und das stark unterschiedliche physikalische Verhalten der verschiedenen Materialien führten in mehr als 100 Jahren zur allmählichen Zerrüttung des Bauwerks und schließlich zum Verlust der Standfestigkeit.“ Daher sei eine Restaurierung der Säule nicht möglich gewesen, so Hauck, der die Einmütigkeit bei der Entscheidung durch Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, das Finanzministerium, die Denkmalschutzbehörde der Stadt Trier und des LBB betonte.

Wann die Kopie der Kopie kommt, ist noch offen

Während der Abbau der Säule bis Ende Februar klar terminiert ist, bleibt völlig offen, wann eine Nachfolgerin im Museumsinnenhof Platz nehmen wird.  Das Land habe seinen Willen bekundet, eine Duplik zu errichten, versicherte LBB-Projektmanagerin Brigitte Coen. Gedacht ist an eine Säule aus Stein nach dem Vorbild der Replik von 1908, nicht dem Original in Igel. Das Projekt sei aber viel zu komplex, um jetzt schon Aussagen über seine Realisierung treffen zu können, erklärten die Experten vom LBB. Schließlich sollen Erkenntnisse aus der abgebauten Säule in die Pläne einfließen. „Unikate lassen sich nicht zeitlich greifen“, so Hoffmann.

Tonpfeife und Gipsplakette

Fünf der zuvor elf Gerüst-Etagen sind am Mittwoch bereits verschwunden. Und schon bis zur sechsten Etage kamen allerlei Überraschungen zutage. So hatten die Maurer 1908 auf der Spitze zwei Mineralwasserflaschen eingemauert, dazu eine Tonpfeife und eine Gipsplakette mit der Aufschrift „Anno domini 1908“. Einen Zettel in einer der Flaschen haben die Experten noch nicht entziffert, erzählte Reuter, schließlich wolle man das Behältnis nicht zerstören. Der Versuch mit einem Endoskop habe noch nicht zur Entschlüsselung der geheimen Post geführt.

Die Tonpfeife deutet Restaurator Hauck als Hinweis auf den Tag der Weckmänner, den Nikolaustag 1908. Kurioserweise begann der Abbau der Säule am 6.12.2021. Weitere Überraschungen sind zu erwarten, insbesondere unter dem Sockel der Säule. Schließlich steht das Landesmuseum auf dem Gelände des einstigen Palastbezirks der römischen Kaiser. „Wir sind da in einem hochsensiblen Bereich“, so Reuter. Der Fortgang der Baustelle wird mit großer Spannung erwartet. Bei spektakulären Funden dürfte sich die Frage des Wiederaufbaus der Igeler Säule womöglich neu stellen. Zumindest an dieser Stelle.  

Hier geht es zur Bilderstrecke: Abbau der Igeler Säule im Rheinischen Landesmuseum