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"Ihr seid wunderbar!" - James Blunt spielt vor 4500 Fans in der Trierer Arena

Gute Stimmung: Der Brite James Blunt hat die Zuschauer in der Arena von den Stühlen gerissen. TV-Foto: Patricia Prechtel
Gute Stimmung: Der Brite James Blunt hat die Zuschauer in der Arena von den Stühlen gerissen. TV-Foto: Patricia Prechtel FOTO: Patricia Prechtel (pap) ("TV-Upload Prechtel"
Trier. Viel Party und noch mehr Romantik: James Blunt weckt bei 4500 Zuschauern in der Arena Trier die ganz großen Emotionen. So manchen kostet der Abend die Stimme. Lisa Bergmann

Es gibt Konzerte, da braucht es die säuberlich aufgereihten Stühle - eigentlich ja ein freundlicher Service des Hallen-Betreibers - gar nicht. Das sieht auch James Blunt so. Er betrachte, erklärt er seinem überwiegend weiblichen Publikum, die Stühle eher als Abstellfläche für die Handtaschen.

Diesen Hinweis hätte das Trierer Publikum allerdings gar nicht gebraucht. Von dem Briten ist noch nichts zu sehen, es genügen die ersten Takte des Songs "Heart to Heart" und ein bisschen Lichtshow, da hält es 4500 Menschen schon nicht mehr auf ihren Stühlen.

Anderthalb Stunden lang spielt der britische Pop-Sänger virtuos auf der Klaviatur der Gefühle seines Publikums. Mit fast an Kitsch grenzenden romantischen Momenten, etwa beim Song "Don't close your eyes". Tausende Handytaschenlampen flackern durch die Halle - die moderne, brandschutzfreundliche Version der Feuerzeugschwenkerei. Das ist so romantisch, es wäre sicher auch einer Hochzeit würdig gewesen. Immerhin, so Blunt, handelt der Song ja auch von seiner eigenen Hochzeit.

Noch ein bisschen emotionaler dann der Song, mit dem sicherlich selbst Nicht-Fans den Barden verbinden: Nach etwa einer Stunde spielt Blunt "You're beautiful", seinen ersten Hit aus dem Jahr 2005. Mit Hingabe schmettert das Trierer Publikum den Song über eine unerfüllte Liebe.

Aber Blunt kann nicht nur Kitsch, er kann auch Party. In den letzten Minuten seines Auftritts ist die Sitzordnung vollends vergessen, die Arena wird zum Dance-Floor. Die Euphorie steigert sich von "OK" über "Postcards" bis hin zu "1973" in die endgültige Party-Ekstase. Das Publikum singt, tanzt und klatscht, immer brav den Anweisungen des Meisters folgend. Minutenlang singen sie "ohohoho", während der 43-Jährige mal kurz von der Bühne verschwindet, nur um unter lauten Jubelschreien wieder ins Rampenlicht zu treten. Und die Zuschauer machen ihre Sache gut, findet Blunt.

"Wir spielen diese Songs jeden Abend, es ist immer gleich. Das, was den Unterschied macht, das seid ihr. Ihr seid wunderbar!" Bei seiner Tour sei ihm nämlich etwas aufgefallen: "Europa hat ein Problem. Es heißt Frankreich." Historisch gesehen natürlich eine schwierige Aussage, aber der Barde relativiert: Das Problem der Franzosen sei das Klatschen. "Ihr Deutschen klatscht so toll, immer im Takt. Die Franzosen sind zu schnell." In einer Grenzregion alles andere als überraschend, sind in der Arena auch einige Franzosen mit dabei. Er appelliert: "Versaut uns nicht das Konzert." Die französischen Fans dürften ihm den kleinen Scherz verziehen haben.

Der Auftritt in Trier ist der Abschluss seiner Deutschland-Tour zum neuen Album "The Afterlove". Für seine große Party braucht Blunt nicht viel: Eine Band, ein paar Licht- und Videoinstallationen. Keine Pyroshow, keine großen Aufbauten. Selbst die Balladen wirken dank Live-Band deutlich rockiger als aus der Konserve, vom Schnulzensänger Blunt ist an diesem Abend nicht viel zu sehen. In Jeans und T-Shirt und mit leicht strubbeligem Haar kommt er leger daher. Statt mit großer Bühnenshow überzeugt er mit seiner Stimme, an der Gitarre und am Piano. Vielleicht ein Grund, warum Blunt auch das männliche Publikum überzeugen kann. "Ein guter Musiker, ein sympathischer Typ", sagt Volkers Müllers aus Kröv. Der war eigentlich nur seiner Freundin zuliebe mitgekommen.

Stefanie Jullien aus Tawern hatte die Karte zum Geburtstag bekommen, ein Geschenk der Eltern und einer Freundin. Offensichtlich ein Volltreffer. Mit roten Wangen, noch heiser vom Mitsingen, zieht sie Bilanz: "Es war hervorragend. Blunt hat nicht nur mein Herz, sondern auch meine Seele berührt." Große Show, große Emotionen.