Im braunen Sumpf der Provinz

Im braunen Sumpf der Provinz

Jacques Berndorf behandelt in seinem frisch erschienenen Kriminalroman "Eifel-Krieg" ein unbequemes Thema, das mancherorts schon Realität ist: Neonazis siedeln sich in einem abgelegenen Bauernhof an und terrorisieren die Umgebung.

Hillesheim. In der Eifel herrscht Krieg, und niemand weiß, wo die Fronten verlaufen. Ein Mann wird erschossen, eine Sechzehnjährige schlägt brutal mit einem Axtstiel zu, und ein Unbekannter schießt auf Jäger im Wald. Jacques Berndorf alias Michael Preute bietet mit seinem neuen Roman harten Lesestoff: der Ausgangspunkt des Terrors, der die friedliche Eifelwelt aus den Fugen geraten lässt, ist ein alter Bauernhof, der angeblich von Neonazis bewohnt wird.
Die Recherchen zum Buch hätten ihn sehr mitgenommen, erzählt Preute bei der Pressekonferenz im Kriminalhaus Hillesheim. "Ich bin 1936 geboren und habe den Nationalsozialismus und den Krieg nicht wirklich bewusst miterlebt. Aber meine Generation wollte von ihren Eltern erfahren, was sie von den Verbrechen um sie herum gewusst haben." Die Frage sei selten ehrlich beantwortet worden und hätte vielfach zu einem Riss in den Familien geführt.
"Bei mir ist der ganze Salat wieder hochgekommen, als ich mich an das Thema herangearbeitet habe", erzählt Preute. "Ich war oft an dem Punkt, alles hinzuwerfen, weil es mich belastet hat." Stattdessen arbeitet Preute wie ein Besessener und beendet das Buch weit vor dem Abgabetermin: "Einerseits hat mich eine gewisse Wut gepackt", sagt Preute. Die NSU-Morde und seine Recherchen in der rechten Szene haben diese Wut angefacht. "Aber ich wollte da auch durch und mich von dieser Geschichte befreien."
Kratzer an heiler Eifelfassade


"Eifel-Krieg" ist vor allem ein gewohnt gut geschriebener Berndorf-Krimi um den Protagonisten Siggi Baumeister, der diesmal tief im braunen Sumpf ermitteln muss. Doch der vielfache Auflagenmillionär Preute ist auch deshalb so erfolgreich, weil er es schafft, an der heilen Fassade der ach so betulichen Eifel zu kratzen und manchen unliebsamen Dreck an die Oberfläche zu zerren.
"Bald werden Stimmen laut, die behaupten, so etwas wie eine rechte Szene gebe es in der Eifel nicht und mein Buch sei reiner Unsinn. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche", sagt der Autor. Doch er weiß, dass die Realität anders aussieht: "Die Provinz ist massiv gefährdet und jeder muss sich die Frage stellen, was wäre, wenn eine Gruppe Neonazis im Dorf ihr Unwesen treibt." Und es müssten noch nicht einmal die für jeden erkennbaren, Springerstiefel tragenden Glatzen sein. "Rechtes Gedankengut weiß sich heute gut zu verkleiden", sagt er. Es sei eine bittere Wahrheit, dass sich die Menschen lieber wegducken und wegsehen, statt gegen die braune Soße in ihrer Mitte anzugehen.
"Ich bin mir sicher, dass ein betroffenes Dorf feige genug ist, nichts zu tun. Und ich zähle mich selbst zu den feigen Menschen, weil ich der Gewalt nichts entgegenzusetzen hätte." Das möchte Verleger Ralf Kramp so nicht stehen lassen: "So ein Buch zu schreiben, ist alles andere als feige. Es wird unzähligen Menschen die Augen öffnen."
Extra

"Eifel-Krieg" ist der 22. Kriminalroman Jacques Berndorfs rund um den Protagonisten Siggi Baumeister. Die Erstauflage beträgt 120 000 Stück, von denen 80 000 bereits vorbestellt sind. Jacques Berndorf ist das Pseudonym des 1936 in Duisburg geborenen Journalisten, Sachbuch- und Romanautors Michael Preute. Bisher wurden von seinen Eifel-Krimis deutschlandweit rund 4,5 Millionen Exemplare verkauft. 2003 erhielt er von der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, dem "Syndikat" den "Ehren-Glauser" für sein Lebenswerk. 1996 erhielt Preute den Eifel-Literaturpreis, 2007 wurde ihm von Ministerpräsident Kurt Beck der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Preute ist Ehrenkommissar der Stadt Trier. now