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Interview Martin Bambauer: Im Mittelpunkt: Trost und Geborgensein

Interview Martin Bambauer : Im Mittelpunkt: Trost und Geborgensein

„Schicksalslied“ von Brahms und das Requiem von Schumann erklingen am Sonntag in der Konstantin-Basilika.

Es ist genau die Musik, die zu Herbst, November und Ende des Kirchenjahrs passt. Mit der „Tragischen Ouvertüre“, dem „Schicksalslied“ von Brahms und mit Robert Schumanns Requiem hat Martin Bambauer für das Herbstkonzert in der Konstantin-Basilika Werke ausgewählt, die von Tod und Erlösung und von der Unsicherheit menschlicher Existenz handeln. Das Konzert findet statt am kommenden Sonntag, 18. November, 17 Uhr. Im Mittelpunkt steht das Requiem, das Robert Schumann 1852 schrieb – zwei Jahre vor seinem Zusammenbruch und dem anschließenden Klinik-Aufenthalt. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach mit KMD Bambauer über das Werk.

Es gibt viele gute Stücke für Chor und Orchester. Warum ausgerechnet Schumanns Requiem?

Bambauer Ja, es gibt viele, gerade auch wenig bekannte Werke, die man im Lauf der Zeit kennen- und schätzen gelernt hat.  Da ergibt sich ganz von selbst der Wunsch, solche Musik auch einmal aufzuführen. So war es mit der Telemann-Passion Anfang des Jahres. Und bei Schumann hatte ich das Gefühl: Dieses Werk jetzt aufzuführen, ist genau das Richtige.

Es heißt, Schumanns Erfindungskraft habe gegen Ende seines Lebens nachgelassen, und immerhin liegen zwischen dem Requiem von 1852 und dem Selbstmordversuch mit anschließendem Klinikaufenthalt 1854 nur zwei Jahre. Gibt es im Requiem Hinweise auf einen Verlust an Kreativität?

Bambauer Ganz sicher nicht. Zahlreiche Stellen im Werk belegen: Schumanns Erfindungsreichtum ist ungebrochen. Man darf an das Requiem allerdings nicht mit falschen Erwartungen herangehen. Es ist komponiert aus der Perspektive des Erlöstseins. Es blickt zurück auf Leben und Sterben. Das „Dies irae“ beispielsweise ist wie aus der Ferne komponiert – kein Strafgericht mit all seinen Drohungen, sondern so etwas wie ein Gewitter, an dessen Vorüberziehen man sich noch einmal erinnert. Man steht zwar nah dabei, ist aber nicht mehr unmittelbar betroffen. Im Zentrum dieser Musik stehen der Trost und das Geborgensein, weniger das dramatisch Mitreißende, das es an einigen Stellen aber auch gibt. Groß dargestellt wird dagegen das Lob Gottes.

Mozart und Berlioz haben Requiem-Kompositionen geschrieben, später dann Verdi und Brahms. Wenn Sie Schumanns Requiem in diesem Feld einordnen – welche Stellung hat es? Welcher Vertonung steht es am nächsten?

Bambauer Am nächsten steht Schumanns Requiem wohl dem von Mozart, schon wegen seiner klassizistischen Schreibweise. Die Fugen, die homophonen Passagen, die Zusammenfassung der Solisten zu einem Ensemble – das  entspricht einer abgeklärten klassizistischen Tradition.

Gibt es autobiografische Züge in diesem Werk? Hat Schumann für sich selber dieses Requiem geschrieben?

Bambauer Es gibt keine eindeutigen Belege, aber vorstellbar ist das schon. Schumann hat das Werk ohne Auftrag, nur nach eigener Entscheidung geschrieben.  Aufgeführt wurde es erst Jahre nach seinem Tod. Dass Schumann bei der Komposition auch für seine Person an Tod und Erlösung dachte, liegt aus meiner Sicht nahe. Und zusammen mit den beiden vorausgehenden Werken, die wir im Konzert musizieren – der „Tragischen Ouvertüre“ und dem „Schicksalslied“ von Johannes Brahms – bildet Schumanns Requiem eine nachhaltige und tragfähige Antwort auf die Angst des Menschen, in dieser Welt haltlos in einen Abgrund zu fallen.

Chor-Orchesterkonzert in der Trierer Konstantin-Basilika, Sonntag, 18. November, 17 Uhr. Werke von Brahms und Schumann. Die Solisten: Lisa Wittig, Marion Eckstein, Svetislav Stojanovic, Raimund Nolte. Trierer Bachchor, Philharmonisches Orchester Trier. Die Leitung hat Basilikaorganist KMD Martin Bambauer.