Im rauen Rausch des Triumphs

Wittlich · Sie sind jung, markant und ein musikalisches Phänomen, faszinieren abseits aller Klischees. In kürzester Zeit hat sich die Kölner Band AnnenMayKantereit von der Straße auf die großen Bühnen des Landes gespielt. Wer unter den 200 Zuschauern im Haus der Jugend in Wittlich war, weiß warum.

 Konzentriert und in seinem Element: Henning May, Frontsänger der Band AnnenMayKantereit braucht nur wenige Sekunden, um mit seiner rauen, markanten Stimme das Publikum auf seine Seite zu bringen. TV-Foto: Alexander Triesch

Konzentriert und in seinem Element: Henning May, Frontsänger der Band AnnenMayKantereit braucht nur wenige Sekunden, um mit seiner rauen, markanten Stimme das Publikum auf seine Seite zu bringen. TV-Foto: Alexander Triesch

Wittlich. Wenn Henning May mit konzentriertem, ja fast schon besessenem Blick und verschränkten Armen vor dem Mikrofon steht und die ersten lautstarken Worte von "Jeden Morgen" unter gedämpftem Licht durch die Reihen dringen, dann reichen die Blicke im Publikum von verwirrt bis völlig überrascht. Doch letztendlich bricht tosende Begeisterung aus.
Wer May hört, der denkt an einen ewig qualmenden, alteingesessenen Folkrock-Star, dessen tiefe, raue Stimme schon Tausende Nächte in allen Clubs der Republik erklungen ist. Aber hier auf der Bühne im ausverkauften Haus der Jugend in Wittlich steht ein junger Typ Anfang 20, schlank, den großen Erfolg mit seinen Bandkollegen vielleicht noch vor sich.
Fans in Ekstase


Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit, das sind AnnenMayKantereit, und von ihren 200 teils in Ekstase schwebenden Fans kann heute kaum jemand genug bekommen. Zweimal kommt die Band für eine Zugabe auf die Bühne zurück.
2013 hat das Trio aus Köln das erste Album aufgenommen. Seitdem hangelt es sich von einem erfolgreichen Meilenstein zum nächsten. Während die drei zu Beginn noch als Straßenmusiker unterwegs waren, durften sie nach dem vielversprechenden Release ihrer Platte mit den Beatsteaks und Clueso touren, spielten im selben Jahr noch die Festivalsaison, während ihre Videos millionenfach geklickt wurden. Im Sommer werden sie dann bei Rock am Ring auf der Bühne stehen.
Doch was ist das Geheimnis ihres steilen Triumphs? AnnenMayKantereit hat die Erklärung mit nach Wittlich gebracht. Stilistisch bewegt man sich irgendwo zwischen Rock, Pop und Folk. Jeder Song ist für sich gesehen eine Ausnahmeerscheinung, und dennoch ist es nicht gelogen, wenn May sagt: "Das nächste Lied könnte man als eine Fortsetzung des letzten betrachten."
Zwischen gefühlvoll und rockig


Langsame Melodien, gefühlvoll geprägt mit fast schon leicht depressivem Unterton, wechseln sich ab mit lauten, rockigen Hymnen, bei denen das Publikum im Tanzrausch versinkt. Immer im Vordergrund: Die raue, markante Stimme des Frontmanns, die eine eigenartige Faszination verströmt.
May nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Gefühlswelt der jungen Generation, seiner Generation. Das Konzept der Band ist unkonventionell, bedient den Wunsch nach ehrlicher Musik, die abseits von Glückskekstexten und verbrauchten Rhythmen funktioniert.
Eigentlich will AnnenMayKantereit keinerlei Aufmerksamkeit erzwingen, ist eigentlich nicht massentauglich - und dennoch: In Wittlich liegt ihnen das Publikum zu Füßen. Und wenn alles so weitergeht wie bisher, sollte man sich diesen Namen gut einprägen. at

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