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Immer für eine Überraschung gut: Kit Armstrong im Kloster Machern

Zeltingen-Rachtig. Der 22-jährige Pianist Kit Armstrong begeistert beim Mosel Musikfestival mit seinem intensiven Spiel und seinem fantastischen Gespür für die Feinheiten der Melodien. Dazu haben die Zuschauer die Uraufführung eines von Armstrong komponierten Stückes erlebt.

Zeltingen-Rachtig. Wie hört sich ein musikalisches Selbstporträt eines 22-jährigen Pianisten an? Das haben 250 Zuschauer beim Konzert des Amerikaners Kit Armstrong erleben dürfen. Das von ihm komponierte Werk, das Armstrong im Barocksaal des Klosters Machern selbst zur Uraufführung bringt, erinnert an den ungeduldigen Drang eines jungen Mannes, der immer wieder Widerstände überwinden, seine Grenzen ausloten und erweitern will. Schnelle, auffordernde Tonfolgen lassen seine Fragen erraten: Wo will ich hin? Hierher? Dorthin? Zögerlich findet er in den Melodien eine Richtung, wird sicher und selbstbewusst, bis er unvermittelt sein Stück beendet, das noch keinen Titel hat: Ein junger Musiker ist immer für eine Überraschung gut.
2012 trat Armstrong erstmals beim Mosel Musikfestival auf und erhielt den Auftrag, seine damals gewonnenen Eindrücke in einer eigenen Komposition niederzuschreiben. Mit finanzieller Unterstützung des Kultursommers Rheinland-Pfalz war dies jetzt möglich geworden. "Wenn ich meine Musikalität herauslasse, kommt ein Selbstporträt her-aus", sagt der sympathisch wirkende junge Mann zum Publikum.
Doch ist das noch namenlose Stück nur eines von vielen Höhepunkten des Konzerts. In jeder Sekunde zeigt Armstrong sein ungewöhnliches musikalisches Talent. Leicht, locker und trotzdem eindringlich spielt er auf den Tasten, so beschwingt und unangestrengt, als ob Klavier spielen das Einfachste auf der Welt wäre. Seine selbst komponierte Fantasie über die Töne B.A.C.H., die gleichzeitig für Johann Sebastian Bach stehen (Armstrong: "Wie hätte es Bach heute gemacht?"), ist nicht unbedingt eingängig, aber geheimnisvoll und spannend.
Feines Gespür für leise Töne


Bei Mozart zeigt der 22-Jährige ein unwahrscheinlich feines Gespür für die leisen Töne, die Akzentuierungen und die kleinen Pausen in der Musik. Von Franz Liszt spielt er "Les jeux d\'eaux" aus "Années des Pélerinage" mit traumhafter Intensität. Fast meint man, das Wasser aus einem Brunnen sprudeln zu sehen. Genauso atemberaubend sind die Stücke von Bach und Sibelius, die Armstrong im Kloster Machern spielt.
Bereits am Abend zuvor hatte Armstrong im Cusanusstift in Bernkastel-Kues auf historischen Instrumenten wie einem Tafelklavier und einem Clavichord gespielt, sagt Hermann Lewen. "Wir werden Armstrong in den nächsten Jahren wieder für ein Konzert verpflichten", verspricht der Intendant des Mosel Musikfestivals. cst