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In 90 Minuten um die Welt

In 90 Minuten um die Welt

Mal ernst, mal ironisch setzt sich Sven Grützmacher in seinem Tanzstück "Dance around the world" mit den Kulturen der Welt auseinander. Die verschiedenen Mentalitäten und Tanzstile rücken in der Produktion, die am Samstag uraufgeführt wurde, in den Vordergrund.

Trier. Wann hat ein Theater so etwas zuletzt erlebt: Noch keine zehn Minuten nach Beginn des Stücks "Dance around the world" hagelt es schon Begeisterungsstürme aus dem Publikum. Klatschend und pfeifend unterstützen die Zuschauer die sechs Capoeira-Tänzer aus Köln bei ihrer energiegeladenen Kampfkunst mit spektakulären Überschlägen und Salti. Bereits nach kurzer Zeit haben die Brasilianer das Publikum fest im Griff.

Doch auch das zwölfköpfige Trierer Ensemble zieht die Zuschauer schnell in seinen Bann. Die Tänzer gehen in unterschiedlichsten Stimmungen auf, verschmelzen mit den prachtvollen Kostümen und meistern die tänzerischen Herausforderungen der kulturellen Weltreise mit einer starken Mannschaftsleistung. Sie durchleben die Rhythmen Südamerikas, das lässige Nordamerika, Klagelieder und Immigration in Europa, das Wüstenleben in Afrika und rituelles Kampfgebaren in Neuseeland.

In schnellem Wechsel vermischen sich dabei moderner Tanz und klassisches Ballett mit Stepp- und Artistik-Elementen. Immer im Einklang mit dem Musikstil, der exemplarisch für die jeweiligen Länder und Kontinente steht: deutsch-russischem Rap in Berlin, Didgeridoo-Klängen in Australien, legerem Swing in den USA.

Die Show beginnt zunächst ernst mit den fantasievollen Berggeistern der Anden, dem leisen, aber auf der Bühne umso präsenteren sterbenden Schwan bis hin zum traditionellen japanischen Theater. Im Laufe des Stücks werden die einzelnen Kulturen aber immer wieder durch Slapstick-Einlagen und ironische Elemente konterkariert: Zur Musik von "Ne me quitte pas" (Bitte geh nicht fort) versucht der amerikanische Entertainer verzweifelt, stets im Scheinwerferlicht zu stehen, und der Dschungeltraum findet mit einem Rasenmäher sein jähes Ende.

Geschichten mit einem Augenzwinkern



Tanztheaterdirektor und Choreograph Sven Grützmacher versteht es, jede Geschichte immer mit einem Augenzwinkern zu betrachten, auch wenn er dazu manches Mal tief in die Klischeekiste greift. So werden die Asiaten lediglich auf ihre großen runden Strohhüte und das obligatorische Victory-Zeichen reduziert.

Den ironischen Höhepunkt schafft Grützmacher aber mit seiner Endstation Trier, die die Zuschauer wieder in die Gegenwart zurückholt. Touristen, Karnevalisten, Ordnungshüter tanzen mit der Weinkönigin zum groovigen "Cantaloop" über die Bühne. Dabei dürfen auch der Oberbürgermeister und die Kirche nicht fehlen. Ganz nach dem Motto: Am interessantesten ist es immer noch vor der eigenen Haustür.

Den Zuschauern gefällt es - auch wenn nicht immer deutlich wird, in welchem Land sie gerade Station machen. Sie kommentieren jeden Akt mit herzlichem Applaus und feiern die Leistung der Kölner Capoeira-Tänzer und des Trierer Ensembles (Noala de Aquino, Christin Braband, Dennis Burda, Reveriano Camil, Natalia Grützmacher, Juliane Hlawati, René Klötzer, Cécile Rouverot, David Scherzer, Robert Seipelt, Corinna Siewert, Susanne Wessel) noch minutenlang.

Weitere Vorstellungen am 26., 29. und 31. Oktober; 6., 12., 27. November; 12., 17. Dezember sowie am 23. und 26. Januar.